Kommentar

Das bedroht die Existenz

«Auch die Gesellschaft muss sich verändern», sagt Urs Bürgi.

Unser Betrieb ist einer der elf Betrie­be, die sich an der HAFL-Studie «Auswirkungen der Trinkwasserinitiative» beteiligten. Dabei wurden für verschiedene Betriebstypen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Volksinitiative untersucht. Die Initiative verlangt, dass nach einer Übergangszeit von acht Jahren nur Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen ohne Antibiotika auskommen ausschliesslich betriebseigenes Futter einsetzen

Auf unseren 27 ha bauen wir rund 9 ha Kartoffeln an, zirka 2 ha Zuckerrüben, 2,5 ha Brotweizen herbizidfrei nach Extensorichtlinien, 3,3 ha Mais, 3 ha Drescherbsen und 5 ha Grünland. Den Futterbau führen wir zusammen mit drei Landwirten in einer Tierhaltergemeinschaft. Dazu gehört der Gemeinschaftsstall mit 70 Hochleistungs­kühen.

Schon seit Jahren entwickeln wir und viele meiner Berufskollegen uns in Richtung mehr Ökologie: Wir bauen Extenso- Weizen herbizidfrei an, säen Blühstreifen für Bienen, Ast- und Steinhaufen werden angelegt und Kartoffeln vermehrt wieder gehackt. Wir haben den Glyphosateinsatz stark reduziert. Auch im Stall prüfen wir den Antibiotika- und Trockenstellereinsatz. Unsere Wirtschaftsweise ist darauf ausgerichtet, für Boden, Tiere und uns das Optimale zu erreichen.

Ich bin erschrocken über die Konsequenzen einer solchen Initiative für unseren Betrieb. Wenn wir weiterhin Direktzahlungen beziehen wollten, müssten wir die Kartoffel- und Zuckerrübenproduktion aufgeben und würden stattdessen Getreide auf 10 ha anbauen. Gravierend sind auch die Auswirkungen im Stall, alle Rau- und Ergänzungsfuttermittel müssten von unserer Tierhalter- gemeinschaft erzeugt werden. Aktuell haben wir einen Stalldurchschnitt von rund 10 000 kg. Ohne Futterzukauf müssten wir gemäss Studie eine Leistung von 5500 kg anstreben, aber man züchtet nicht von heute auf morgen Zweinutzungskühe.

Eine Annahme der Initiative hätte für uns massive finanzielle Auswirkungen. Das landwirtschaftliche Einkommen würde je nach Szenario bis zu 80 % sinken. Gesamthaft würde schweizweit der landwirtschaftliche Strukturwandel um ein Vielfaches beschleunigt.

Ich hoffe sehr, dass es uns Bauern gelingt, die Bevölkerung zu überzeugen, dass diese Initiative ein Eigentor ist.

Bei Diskussionen mit Nichtlandwirten betone ich immer, dass sich nicht nur die Landwirtschaft anpassen müsse, sondern auch die ganze Gesellschaft. Die Nachhaltigkeit betrifft den Alltag jedes Einzelnen. Ich sehe viele SUV auf der Strasse, höre von Ferien mit langen Flug­reisen, sehe das hemmungslose Konsumverhalten – nachhaltig ist das alles nicht.

Und was die Ernährung betrifft: Durch die Initiative würde der heutige Selbstversorgungsgrad von knapp 60 % sicherlich um die Hälfte sinken. Die Import-abhängigkeit würde massiv ansteigen. Damit könnte man nie und nimmer die Ernährungssicherheit der Bevölkerung auf Jahre hinaus sicherstellen. Hunger will niemand haben.

Diese Fakten muss man der Bevölkerung, unseren Nachbarn, den Spaziergängern und den Medienschaffenden immer wieder erklären. Auch wenn es noch lange dauert bis zur Abstimmung, wir Landwirte können viel dazu beitragen, dass solche extremen Initiativen keine Chance haben.

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Artikel geschrieben von

Urs Bürgi

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