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Tierschutzkontrollen

«Überfallartige Kontrolle»: Ganzes Dorf von Tierschutz kontrolliert

Am Dienstagmorgen vor einer Woche kontrollierte der Berner Veterinärdienst alle Bauern in Habkern. Der Gemeindepräsident spricht von «überfallmässigem» Vorgehen. Solche Kontrollen erfolgen offenbar schon seit vier Jahren.
Bei den Winterkontrollen wird genau geschaut, ob die Kälber genug Platz haben oder ob sie angebunden sind.

Am Dienstag, 9. Dezember, bot der kantonale Veterinärdienst am Morgen früh in Interlaken ein gutes Dutzend Kontrolleure auf.  Darunter waren sowohl Kontrolleure der Kontrollkommission für umweltschonende und tierfreundliche Landwirtschaft (KUL) wie auch Bio-Kontrolleure. In Interlaken erfuhren sie, wohin es gehen sollte. Der Auftrag lautete, eine sogenannte «Winterkontrolle» in der ganzen Gemeinde Habkern  durchzuführen.

Gemeinde wusste nichts

«Ich wusste im Vorfeld nichts von dieser Aktion», erzählt Walter Zurbuchen, Gemeindepräsident von Habkern. Er sei zwar selber nicht Bauer. Er habe aber recht schnell erfahren, was passiert ist. Die Bauern hätten die Sachen liegen lassen müssen: «Einer konnte nicht einmal mehr rechtzeitig die Milch abliefern, weil die Kontrolleure am Morgen früh bei ihm erschienen.» Er sehe zwar ein, dass es Kontrollen brauche, so Zurbuchen. «Mir gefallen aber diese überfallartigen Kontrollen nicht. Man könnte es auch anders machen», gibt er sich überzeugt. 

Kleinliche Kontrollen?

Die morgendliche Aktion gibt in Habkern seither zu reden. Denn einige Bauern wurden verzeigt. Auch hier würde sich Gemeindepräsident Zurbuchen ein wenig mehr Augenmass wünschen: «Ich sehe es nicht als so schlimm an, wenn man die Kühe im Winter ein Mal weniger auslässt.» Man könnte auch mal ein Auge zudrücken, findet er. Denn ein Bauer habe beispielsweise den Auslauf seiner Tiere noch nicht eingetragen: «Auch die Kontrolleure konnten an den Spuren im Neuschnee sehen, dass die Tiere eben erst draussen waren.»

Dorfkontrollen seit 2004

Laut Kantonstierarzt Christian Huggler sind die sogenannten «Dorfkontrollen» nichts Neues: «Wir machen schon seit 2004 dorfweise Winterkontrollen.» Die Behörden seien laut Direktzahlungsverordnung zu unangemeldeten Kontrollen verpflichtet Der Veterinärdienst führe pro Winter zwei bis drei solche Kontrollen durch. «Früher haben die Bauern bei unangemeldeten Kontrollen oft gesagt, man solle doch beim Nachbarn vorbei gehen. Dort sei es viel schlimmer.» Diesem Vorwurf wolle man mit dem System der Dorfkontrolle begegnen, begründet Huggler.

Das Vorgehen ist dabei immer gleich wie in Habkern: Am Morgen wird eine bestimmte Zahl Kontrolleure von KUL und Bio-Betrieben zusammengezogen. Diese Kontrolleure werden daraufhin für ihren Auftrag instruiert: «Wir schauen vor allem auf den Pflegezustand der Tiere, ob der Auslauf erfolgt ist, und wir schauen, ob die Kälber angebunden gehalten werden.» Das Hauptaugenmerk liege auf dem qualitativen  Tierschutz. «Die Kontrolleure können aber schon auch mal eine Kälberbucht ausmessen, wenn sie das Gefühl haben, diese sei überbelegt», betont Huggler.

Zufällige Auswahl

Die einzelbetrieblichen Nachkontrollen erfolgen meistens auf Verdacht. Wie ist es  bei den Dorfkontrollen: Werden hier die Dörfer mit den meisten Problemfällen ausgewählt? Huggler verneint: «Die Ortschaften werden rein zufällig ausgewählt, und es gibt keinen Zusammenhang mit den regulären Kontrollen.»


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sam [17.12.08 09:57]
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