Integration

Flucht nach vorne

Auf dem Hof von Familie Moser-Meier arbeitet seit einem halben Jahr Dejen Medhanie. Der eritreische Flüchtling will rasch selbst Geld verdienen. Die «Vorlehre Integration» ist ein Weg dazu.

Der Eritreer Dejen Medhanie traf mit 18 Jahren die Entscheidung, sein Heimatland zu verlassen. Über den Sudan flüchtete er nach Libyen. Dort organisierte er die Überfahrt nach Italien und landete schliesslich nach vier Wochen per Bootsüberfahrt auf Sizilien. Sein Fluchtweg endete im schweizerischen Kreuzlingen nach insgesamt acht Wochen. Mittlerweile lebt Dejen knapp vier Jahre in der Schweiz. Als perspektivlos beschreibt der eritreische Flüchtling sein nordostafrikanisches Heimatland. Die politischen Verhältnisse seien schwierig. Es gebe nur das Militär. Die lebenslange Wehrpflicht, die meist mit Zwangsarbeit einhergehe, treibe junge Menschen in die Flucht. Über die Summe für die Flucht will der Eritreer nicht sprechen, auch nicht über die Schleuser. Seine Eltern sind dageblieben, die Schwester lebt in Belgien und ein Bruder in Ägypten. Seinen Weggang aus der Heimat bereut er nicht. Dejen spricht schon gut Deutsch. Mit dem Schweizer Dialekt hat er so seine Mühe, aber er will die Sprache lernen, und noch wichtiger ist für ihn, nicht von der Sozialhilfe leben zu müssen. Er will einen Beruf lernen.

Vorlehre macht`s möglich

Dafür wurde die Vorlehre Integration ins Leben gerufen, die der Bundesrat seinerzeit initiierte (siehe Kasten in der aktuellen LANDfreund-Ausgabe 04/2019 >>kostenloses Probeheft bestellen). Sie ermöglicht Menschen wie Dejen den Einstieg in die Gesellschaft und Arbeitswelt. Nach dem Motto «Spezielle Umstände erfordern besondere, angepasste Lösungen» wurde mithilfe des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Migration die Vorlehre für die Landwirtschaftsbranche angepasst.

Die Rahmenbedingungen auf den Höfen sind andere als in Werkstätten oder Handwerksunternehmen. Dazu gehören beispielsweise eine enge Bindung an die Familie, gemeinsames Essen, gegebenenfalls das Wohnen unter einem Dach, die Arbeitszeiten, der Umgang mit Maschinen und Tieren. Gut vorbereitet sollen beide Seiten am Anfang des Lehrjahres an den Start gehen. Sie profitieren von den Erfahrungswerten des Pilotprojektes.

Erfahren Sie in der aktuellen LANDfreund-Ausgabe 04/2019 mehr über die Vorlehre und den Tagesablauf von Dejen Medhanie.

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Artikel geschrieben von

Kirsten Müller

Redaktionsleitung

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