8. März 2019: Weltfrauentag

Soziale Sicherheit für Bäuerinnen

Die soziale Absicherung der Bäuerin ist Bestandteil der AP 22+. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband unterstützt diesen Vorschlag des Bundesrats, wie Christine Bühler am heutigen Weltfrauentag bestätigte.

Der Bundesrat schlägt in der AP 22+ vor, die Direktzahlungen zu kürzen, wenn in Zukunft der Betriebsleiter seine Partnerin ungenügend sozial versichert. Der schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) unterstützt diesen Vorschlag.

«Es ist an der Zeit, dass sich etwas ändert», erklärt die Landfrauenpräsidentin Christine Bühler und fügt an: «Die Aufteilung des bäuerlichen Einkommens macht Sinn.» Ihre Argumente sind:

  • Die Aufteilung des bäuerlichen Einkommens erlaube es beiden Partnern, Ersparnisse in der AHV (degressive Beitragsskala) zu generieren. Es könne zusätzlich eine freiwillige und steuerlich privilegierte Altersvorsorge geäufnet werden (z.B. 2. Säule).
  • Die vorgeschlagenen Massnahmen wirken vorbeugend auf die weit verbreitete Altersarmut in der Landwirtschaft und entlaste die öffentliche Hand (Ergänzungsleistungen).
  • Im Falle von Trennung und Scheidung werde die Beweislage einfacher und ein Teil des Anspruchs, resultierend aus der Heirat, ist bereits geregelt und bezahlt.
  • Mit einer anerkannten, obligatorischen sozialen Absicherung könne den drei Aspekten der Nachhaltigkeit Rechnung getragen werden (Ökonomie, Ökologie, Soziales).
  • Mit der Einführung einer verbindlichen sozialen Absicherung für Partnerinnen und Partner könne sich die Schweizer Landwirtschaft in der Öffentlichkeit positiv und zukunftsgerichtet positionieren.

Anne Challandes, Vorstand SBLV, wies darauf hin, dass heute rund 70% der Bäuerinnen nicht genügend abgesichert sind, keine AHV abrechnen und deshalb auch keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld erhalten. Prekär ist die mangelnde Absicherung bei Invalidität. «Verunfallt eine Bäuerin, ohne dass je ein Erwerbseinkommen geltend gemacht wurde, wird die IV-Rente äusserst minimin ausfallen», ergänzte Annekäthi Schluep, Vorstand SBLV, an der Medienkonferenz.

Zum Vorschlag der AP 22+ grassieren immer noch Fehlinformationen: So gilt gemäss AP 22+ die soziale Absicherung für Bäuerinnen nur für jenen Teil der Arbeit, die sie auf dem Betrieb verrichtet. Auch handelt es dabei nicht um ein Eintretenskriterium für Direktzahlungen. Man bekommt seine Direktzahlungen auf jeden Fall, jedoch werden sie, sofern die Bäuerin nicht abgesichert ist, gekürzt, wie dies auch bei Nichteinhalten von ÖLN-Auflagen der Fall ist.

Keinen Rückhalt für ihr Anliegen fanden die Landfrauen beim Schweizer Bauernverband (SBV), auch wenn der SBV bestätigt, dass die jetzige Situation unbefriedigend sei. Der Vorschlag des Bundesrats sei zu teuer, zu kompliziert und ein Eingriff in die Privatsphäre der Familie. Stattdessen schlägt er eine obligatorische Beratungspflicht bei der Vergabe von Investitionshilfen vor sowie eine Sensibilisierungskampagne.

Mit diesen zahnlosen Vorschlägen gibt sich der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband nicht zufrieden und hofft auf das Parlament. «Die AP 22+ wird nicht von uns Bäuerinnen und Bauern entschieden, sondern darüber befindet das Parlament», erklärte Christine Bühler.

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Artikel geschrieben von

Daniela Clemenz

Redaktorin

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