Milchviehhaltung

20 Jahre Robotermelken in der Schweiz mit LELY

Am 8. Juni 1999 nahmen Max Bieri und Ernst Märki auf dem Steinenbühl in Untersiggenthal (AG) den ersten LELY-Melkroboter in der Schweiz in Betrieb.

Die beiden mutigen Bauern hatten die neue Technik auf einer Besichtigung in Holland kennengelernt und noch auf der Rückfahrt im Car den Vertrag unterzeichnet. Begleiter war Peter Boss – der „B“ von B+M Haus- und Agrotech AG in Densbüren. Diese Firma war damals noch in der Gründungsphase und Peter Boss führte dazu seinen Landwirtschaftsbetrieb und hatte einen Vertrag mit der Firma Lely in Holland. Er war beindruckt von der neuen Technik – damals hatten nach seiner Meinung erst Lely und Proline (heute bei GEA) praxistaugliche Systeme. Das Einholen der nötigen Bewilligungen war aufwändig, brachte aber gute Kontakte zu Bundesämtern, Zuchtverbänden usw. Und die „Robotisierung“ bescherte auch der jungen Firma B+M einen willkommenen Wachstumsschub.

Urs Hartmann war seit 1986 auf dem Betrieb von Max Bieri für die Tierbetreuung angestellt. Der gelernte Landwirt hatte als Erstberuf eine Mechanikerlehre bei der damaligen BBC (heute ABB) absolviert. Bei Montage und Betrieb des Astronaut A2 – zusammen mit dem Lely-Techniker – konnte er diese Erfahrung einbringen. 2006 folgte der Wechsel auf den A3, welcher nach seiner Meinung den grössten Technologiesprung darstellte und bereits das heutige Ansetzprinzip hatte. Sein handwerkliches Geschick war auch gefragt beim Bau des Stalles, welchen er mit Max Bieri überwiegend mit Eigenleistungen realisierte.

Die Jungviehaufzucht der Tierhaltergemeinschaft ist auf dem Betrieb Märki untergebracht – Ernst hat die Leitung an Sohn Sandro übergeben. Der Aufzuchtbetrieb liegt im Tal auf rund 370 m ü.M. der Melkbetrieb oben auf dem Steinenbühl ist auf rund 570 m ü.M. So kann man sagen: die THG hat die eher unübliche Aufteilung „Kühe auf dem Berg – Rinder im Tal“.

Wie Roman Bieri – der heutige Betriebsleiter „auf dem Berg“ – bestätigt, funktioniert diese Aufteilung bestens. Die rund 70 Kühe (Holstein, teilweise mit Montbéliarde) haben eine Durchschnittsleistung von gut 10‘000 kg und erreichen im Mittel 4 Laktationen. Die grosse Weidefläche liegt direkt um den Hof. Im Stall wird eine Ration aus 65% Mais, dazu Gras sowie die notwendigen Mineralstoffe vorgelegt. Raufutter wird auf rund 40 ha angebaut.

Die Funktionssicherheit von Melkmaschinen war ab Beginn der Mechanisierung ein wichtiges Thema. Mit dem Roboter wurde der rasche und zuverlässige Service noch wichtiger. Die Erfahrungen aus den ersten Jahren führten 2004 zur Gründung der Dairy Solution GmbH als weltweit erstes Lely-Center ausserhalb von Holland. Franz-Xaver Albisser – war als Gründungspartner dabei: „Die Kombination von lokalen Besitzern und Verantwortlichen mit einheitlichem Servicekonzept bewährte sich. Heute existieren in über 60 Ländern fast 200 Center nach diesem Modell.“

Nach dem Verkauf der Grünland- und Erntetechnik an AGCO fokussierte sich Lely auf die Automation im Rindviehbereich und will hier Innovator und Trendsetter sein. So ist Lely heute nicht nur für Melkroboter, sondern auch für Fütterungsroboter, Mistroboter und Futterzuschieber nach eigenen Angaben Marktführer in der Schweiz. Über 50 zertifizierte Mitarbeitende sorgen für professionelle Beratung, Installation und Service. Marcel Schwager – Leiter Verkauf und Marketing LELY CENTER Härkingen – ist sicher, dass der Trend zur Automatisierung weitergeht. So kann der traditionelle Familienbetrieb praktisch alle sich wiederholenden Arbeiten alleine bewältigen und auf Angestellte mit vergleichsweise hohen Fixkosten verzichten. Damit soll eine angemessene Profitabilität erreichbar sein und genügend Zeit für Management- und Vermarktungs-Aufgaben sowie Familien- und Sozialleben frei bleiben.

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Artikel geschrieben von

Ueli Utiger

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