Milchvieh

Hitzestress bei weidenden Milchkühe unter der Lupe

Hitzestress bei Milchkühen ist in der Schweiz ein relevantes Thema. Er wirkt sich auf das Wohlbefinden der Tiere aus. Eine neue Studie zeigt, wie Schweizer Landwirte das Problem einschätzen und wie sie vorbeugen.

Über 250 Landwirtinnen und Landwirte nahmen an Umfrage 2018 teil. Hier die ersten Resultate.

Die häufigsten Rassen: Swiss Fleckvieh, Braunvieh und Holstein Friesian

Im ersten Teil der Umfrage beantworteten die Teilnehmenden Fragen nach der Lage und Struktur ihrer Milchviehbetriebe. Die Auswertung der Daten zeigt Folgendes: Die meisten der teilnehmenden Betriebe befanden sich im Kanton Bern (21%), gefolgt von Luzern, St. Gallen und Aargau (jeweils 11%). Die anderen Kantone lagen bei Anteilen von 0,4 bis 8%, wobei Basel-Stadt, Nidwalden und Tessin nicht vertreten waren. Insgesamt 63% der Befragten führten den Betrieb nach integrierter, 23% nach biologischer und 14% nach konventioneller Produktionsweise. Mit einer mittleren Bestandesgrösse von 38 Milchkühen (von 4 bis 150) lagen die teilnehmenden Milchviehbetriebe über dem Schweizer Durchschnitt von 25,8 Kühen je Betrieb (Quelle: BLW, Daten Milchproduktion 2017). Die Milchleistung der Herden wurde von 46% der Befragten auf 7000–9000 kg je Kuh und Jahr beziffert; 40% gaben eine Leistung von 5000–7000 kg für ihre Kühe an. Die auf den Betrieben am häufigsten gehaltenen Rassen waren Swiss Fleckvieh, Braunvieh und Holstein Friesian.

Auf fast allen Milchviehbetrieben, die an der Umfrage teilgenommen (92%) haben, haben die Kühe Zugang zu Weide. 32% der Betriebe weiden ganztags und 20% etwa 6–8 Stunden pro Tag. Insgesamt 39% der Befragten gaben an, während der Sommermonate den Weidegang auf die Nachtzeit zu verlegen.

Hitzestress, ein relevantes Thema auf Milchviehbetrieben

Der folgende Teil der Umfrage, der sich um die Einschätzungen und die Praxiserfahrungen der Befragten zu Klimaeinflüssen drehte, verdeutlichte gleich zu Beginn die Bedeutung der Thematik für Milchviehbetriebe: Der Grossteil der Befragten bewertete Hitzestress bei Milchkühen in der Schweiz als ein eher relevantes (39%) bis sehr relevantes (36%) Problem. Ausserdem gaben die meisten an, dass Milchkühe in der Schweiz Hitzestress sehr oft (17%), oft (42%), oder ab und zu (34%) ausgesetzt sind. Nur 6% der Befragten ordneten die Häufigkeit des Auftretens von Hitzestress als „selten“ und 0,4% als „nie“ ein. Nach den Einschätzungen der Teilnehmenden wirkt sich Hitzestress am stärksten auf das Wohlbefinden der Kühe aus, gefolgt von der Futteraufnahme, der Aktivität und der Milchleistung der Tiere. Etwas niedriger wurden die Auswirkungen von Hitzestress auf die Tiergesundheit und das Immunsystem bewertet. Als stärkster Auslöser für Hitzestress wurden die Klimaparameter Lufttemperatur und Luftfeuchte benannt. Allerdings werden auch eine hohe Milchleistung und der Weidegang per se als Grund für das Auftreten von Hitzestress genannt.

Kühlungsmassnahmen werden eingesetzt

Fast Dreiviertel aller Teilnehmenden waren der Meinung, dass es eher einfach (53%) oder sehr einfach (20%) ist, bei Milchkühen Hitzestress zu erkennen; 78% aller Befragten gaben an, während der letzten Sommer mindestens einmal Anzeichen von Hitzestress bei den eigenen Kühen festgestellt zu haben. Mit einem Anteil von 53% schätzten die meisten Befragten eine Umgebungstemperatur von 25°C als Schwellenwert für beginnenden Hitzestress ein. Jeweils 18% der Teilnehmenden benannten 20°C bzw. 30°C als Schwelle, die Wenigsten wählten 18°C bzw. 16°C. Für die Erkennung von Hitzestress bei den Kühen wurde das Auftreten von Hecheln am häufigsten benannt, wobei viele der Befragten auch das Aufsuchen von Schatten, eine verringerte Futteraufnahme und eine reduzierte Milchleistung als Erkennungsmerkmale angaben.

Zur Reduzierung von Hitzestress bei Kühen werden in der Praxis schon verschiedene Kühlungsmassnahmen eingesetzt. Gut ein Drittel der Teilnehmenden setzt diese Massnahmen ab einer bestimmten Umgebungstemperatur ein, wobei ein weiteres Drittel aller Befragten angab, die Kühlungen dann anzuwenden, wenn „es mir persönlich zu heiss ist“. Die am häufigsten eingesetzten Massnahmen sind laut den Ergebnissen der Umfrage (Mehrfachantworten waren möglich) Ventilatoren (61%), die Haltung der Kühe im Stall während der heissesten Tageszeit (54%) oder ganztags (52%), gefolgt von einem erhöhten Schattenangebot (27%) und dem Einsatz von Sprinklern (26%). Nur 5% der Befragten nutzen keine Kühlungsmassnahmen. Zur Erfassung des Klimas auf den Milchviehbetrieben nutzen 37% der Befragten Thermometer oder Wetterstationen, wobei der Grossteil der Teilnehmenden angab (56%), das Klima über das „persönliche Empfinden“ zu messen.

Praxisstudie findet diesen Sommer statt

Ganz besonders erfreulich war neben der generell hohen Resonanz auf die Umfrage die hohe Bereitschaft der Befragten, an einer Praxisstudie teilzunehmen, die in diesem Sommer stattfinden wird: insgesamt 97 Teilnehmenden haben hierzu ihr Interesse in der Umfrage angegeben.

Die Studie

Agroscope, das Zentrum für Tiergerechte Haltung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), das FiBL, die Universität Göttingen (D) und die Universität Bern starteten 2018 ein gemeinsames Forschungsprojekt zur Früherkennung von Hitzestress bei weidenden Milchkühen, welches von den Bundesämtern für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und für Landwirtschaft (BLW) sowie der Fondation Sur-la-Croix finanziell unterstütz wird. In einem ersten Schritt führten die Forschenden eine Umfrage durch, an der 258 Landwirte und Landwirtinnen teilgenommen habe. Ziel war es herauszufinden, wie präsent die Thematik Hitzestress bei weidenden Milchkühen in der Praxis ist und wie damit umgegangen wird. Hier die ersten Erkenntnisse aus der Umfrage.

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