UFA Toro-Tagung

Hohe Tränkerpreise sind das Problem

Die Schlachtpreise wären gut, wenn da nicht die hohen Tränkerpreise wären. Wie die Munimäster trotzdem eine möglichst hohe Rendite erwirtschaften, wurde an der Toro-Tagung thematisiert.

Die diesjährige UFA Toro-Tagung startete auf dem Betrieb von Familie Schaad in Grenchen (SO). Der Landwirtschaftsbetrieb umfasst 38 ha LN und wird von Stefan Schaad geführt.

Nach einem Brand 1963 strukturierte die Familie den Betrieb neu. Sie setzten auf Schweine und Munimast. Ein Betrieb ohne Milchvieh war damals für viele Leute kein richtiger Betrieb. Und so stellte es sich als eher schwierig heraus, für die geplanten Projekte Geld von der Bank zu erhalten. Familie Schaad baute deshalb möglichst kostengünstig. Die Gebäude werden seither immer wieder den neusten Standards angepasst. 2017 stieg die Familie, aufgrund des Vollspaltenverbots aus der Schweinemast aus. Seither umfasst der Betrieb 110 Mast- und Aufzuchtsplätze für Munis. Die meisten Tiere liefern sie an zwei regionale Metzgereien. Die Kälber beziehen sie von einem Händler und stallen jeweils 15 bis 16 Tiere gleichzeitig ein, damit die Metzgereien fortlaufend beliefert werden können.

Futterkosten von 2.20 Fr./ Tag und Tier

Ein Tag nach dem Einstallen führt Familie Schaad gemeinsam mit einem Tierarzt einen Gesundheitscheck bei den Kälbern durch. Gleichzeitig werden die Tiere geimpft. Die Kälber werden nach 49 Tagen von der Milch abgesetzt. Anschliessend gibt’s eine Eigenration, bestehend aus Heu, Eiweisskonzentrat und gequetschtem Weizen. So lassen sich die Kosten tief halten. Schaad merkt an, dass die Kälber erst ab einer täglichen Milchmenge von vier Litern mit der Aufnahme von Festfutter beginnen. Die Tageszunahmen in der Abtränkphase liegen zwischen 900 und 1000 g. In der Vormast liegen sie bei 1200 g und in der Ausmast bei 1500 bis 1600 g. In diesem Jahr liegen die durchschnittlichen Tageszunahmen zirka 100 g tiefer als sonst. Grund dafür ist, dass die Verdaulichkeit des letztjährigen Mais nicht optimal ist. Er ist mit fast 50 % TS zu trocken.

Die Futterkosten auf dem Betrieb von Familie Schaaf belaufen sich auf 631 CHF pro Tier und somit pro Tag auf zirka 2.20 CHF. Das sind sehr tiefe Futterkosten. Im Durchschnitt rechnet man mit Futterkosten von rund 2.60 CHF pro Tag.

Familie Schaad lässt die Munis etwas schwerer als üblich werden, da 90 bis 95% der Tiere an Privatmetzgereien geliefert werden. Der grösste Teil der Munis erreicht die Klasse H, ein paar C-Tiere sind auch immer mal wieder darunter.

5.5% mehr Banktiere geschlachtet

Nach der Betriebsbesichtigung in Grenchen ging es für die Tagungs-Teilnehmer weiter ins Restaurant Al Ponte in Wangen an der Aare. Dort informierte Yvan Meuwly von der Anicom AG über die aktuelle Marktsituation. Er erwähnt, dass trotz anhaltendem Vegan-Trend die Rindfleischproduktion um 1.9% angestiegen ist – eine erfreuliche Zahl. 2018 wurden 5.5% mehr Banktiere geschlachtet. Vor allem bei den Rinder und Ochsen verzeichneten sie eine starke Steigerung. Die Anzahl Schlachtungen bei den Munis ist nicht gleich stark angestiegen.

Meuwly erwähnte auch die sinkenden Produzentenpreise bei steigenden Preisen an der Ladenfront und sagt, dass der Detailhandel ganz offen zur Marge steht. Für rund 33 Wochen konnte ein stabiler Munipreis von 8.80 Fr./ kg SG gehalten werden. Eigentlich könnte man mit diesem Preis zufrieden sein. Das Problem sind aber die hohen Tränkerpreise. Und Besserung bei den hohen Tränkerpreisen ist für diesen Sommer noch nicht in Aussicht. Meuwly rät deshalb das Problem gemeinsam anzugehen und plädiert die Munis im Winter einzustallen und im Sommer leicht vom Gaspedal zu gehen. Denn in den Monaten Mai, Juni und Juli können die Mäster die schlechteste Rendite erzielen.

Auch Franz Hagenbuch von Swiss Beef richtete ein paar Worte an die Teilnehmer der Toro-Tagung. Er sprach unter Anderem das Problem der vielen Anbieter und wenigen Abnehmer an.

Mit einer leckeren Mahlzeit gestärkt ging es weiter im Programm. Zwei Vorträge zum Thema „Kälber richtig einstallen“ und „Futterverwertung und Futterkosten“ standen an der Reihe.

Im Zusammenhang mit dem richtigen einstallen der Kälber wurde vor allem die Eisenversorgung der Kälber thematisiert. Den Mästern wurde gezeigt, dass rund 74 % der Tränker ungenügend mit Eisen versorgt sind. Wie eine Studie von 2004 zeigt, führt ein tiefer Hämoglobin-Gehalt zu schlechten Mastleistungen. Deshalb ist die optimale Eisenversorgung für Mäster zentral.

Gruppenwechsel erhöhen Kosten

Beim Referat zum Thema „Futterverwertung und Futterkosten“ wurde den Mästern aufgezeigt, welche Konsequenzen eine schlechte Futterverwertung auf den Geldsack hat. Als Beispiel: Habe ich einen Muni, der 4.7 kg TS pro kg Zuwachs benötigt und einer der 6.8 kg TS pro kg Zuwachs benötigt, habe ich beim ersten Tier Futterkosten von 1.9 Fr./ kg Zuwachs und beim zweiten Tier 2.7 Fr./ kg Zuwachs. Auf 100 Tiere hochgerechnet belaufen sich die Mehrkosten auf 39‘330 CHF. Den Mästern wird aufgezeigt, dass gerade Gruppenwechsel zu einer höheren TS Aufnahme pro kg Zuwachs führen und somit möglichst vermieden werden sollten. Die Mäster im Saal fügen aber an, dass dies in der Praxis nicht immer ganz einfach sei.

Zum Abschluss der Tagung ging es auf den Betrieb der Familie Probst in Subingen (SO). Familie Probst bewirtschaftet mitten im Dorf einen Landwirtschaftsbetrieb mit 22 ha LN, 24 Milchkühen und 170 Aufzucht- und Mastplätzen. Die Kälber kauft Betriebsleiter Raphael Probst von zwei Händlern zu. Probst hat immer wieder Probleme, dass ihm Kälber unter 70 kg geliefert werden. Das Ziel wäre es, Kälber mit einem Gewicht von 75 kg einzustallen.

Wie Familie Schaad führt auch er bei den Kälbern am Tag nach dem Einstallen gemeinsam mit dem Tierarzt einen Gesundheitscheck durch. Eisen verabreichte der Betriebsleiter den Tieren bisher noch nicht. Die grösste Herausforderung in der Aufzuchtphase ist, dass die Kälber im selben Stall wie die Milchkühe stehen. Die unterschiedlichen Anforderungen der beiden Tierkategorien an die Luft zu managen sei nicht immer ganz einfach.

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Artikel geschrieben von

Nadine Maier

Redaktorin

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