Betriebswirtschaft

Stellschrauben in der Milchwirtschaft anziehen

Milchprojekt
Sebastian Ineichen (HAFL) und Markus Höltschi (Hohenrain) diskutieren mit den Tagungsteilnehmern die Resultate des Milchprojekts.

HAFL-Dozent Beat Reidy brachte es eingangs der Fachtagung zum Milchprojekt auf den Punkt. Er sagte, dass ein Grossteil der Schweizer Betriebe nicht in der Lage sei, kostendeckend Milch zu produzieren. Bringen aber die Resultate des Milchprojekts die Bauern weiter?

Auf dem Versuchsbetrieb Hohenrain (LU) verglichen Spezialisten unter Leitung der HAFL und des BBZN Hohenrain von 2014 bis 2016 drei Strategien der Milchproduktion. Zum Tragen kamen die Variante Vollweide und die Varianten Eingrasen mit wenig Kraftfutter (EGKF) sowie Eingrasen mit 1000 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr (EGKFplus). Ergänzend zum Gutsbetrieb Hohenrain lieferten 36 Pilotbetriebe Praxisresultate.
Bei den Pilotbetrieben verfügten die Vollweide-Landwirte über die grösste landwirtschaftliche Nutzfläche mit 35.9 ha. Sie vermarkten etwas über 200`000 kg Milch pro Jahr, die Eingras-Betriebe jährlich knapp 225`000 kg und die Eingrasen plus viel Kraftfutter-Betriebe 390`000 kg.
Punkto Milchleistung schwangen die Kühe mit der Strategie «Eingrasen mit 1000 kg Kraftfutter» obenauf. Auch ihre Arbeitsproduktivität war mit 93 kg Milch/AKh am höchsten.
Die Leistung ist aber nur die eine Seite der Medaille: So war sowohl auf dem Gutsbetrieb in Hohenrain als auch bei Pilotbetrieben die Arbeit mit Abstand der grösste Kostenfaktor. Bei den Vollweidebetrieben war der gesamte Arbeitsaufwand pro Kuh und Jahr mit 47 AKh erheblich tiefer als bei den Eingrasvarianten.
Die Betriebe mit Vollweide erzielten gar das höchste Einkommen und dies bei tiefster Jahresmilchleistung. Die durchschnittliche Wettbewerbsfähigkeit des Vollweide-Betriebs sei gar auf gleichem Niveau wie das eines EU-Betriebs, hiess es an der Tagung.
Aber nur wenige Milchwirtschaftsbetriebe in der Schweiz verfügen über eine optimale Flächenausstattung für das Vollweide-System. Demzufolge solle das Produktionssystem den spezifischen Stärken und Herausforderungen des Betriebs und des Landwirts angepasst sein. Stellschrauben seien angepasste Genetik, gute Weideführung und Grasbestände, konsequentes Kostenbewusstsein und effiziente Arbeitsabläufe. Mit sinkendem Milchpreis verschlechtere sich aber die Wirtschaftlichkeit von kraftfutterbetonten Milchproduktionssystemen (EGKFplus) stärker als bei Vollweide-Systemen, erklärte Christian Gazzarin von Agroscope.
Grossen Einfluss haben auch die agrarpolitischen Rahmenbedingungen. Diesbezüglich legte die Organisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) am vergangenen Mittwoch schon mal ihre Stossrichtung zur AP 2022+ vor: So sollen die Direktzahlungen weniger flächenbezogen, sondern mehr arbeits- und leistungsbezogen sein. Wichtig sei ebenfalls, zukunftsfähige Betriebe auf Basis der eigenen (einheimischen) Futtergrundlage zu fördern. Zudem solle man den Anbau von Futterleguminosen fördern.

Schlagworte

Vollweide, Betriebe, Hohenrain, Eingras, HAFL, Kraftfutter, Stellschrauben, Schweiz, Betriebs, solle

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