Grüne Woche

AgrarBündnis veröffentlicht Kritischen Agrarbericht 2021

Wie jedes Jahr zur Grünen Woche veröffentlicht ein Bündnis von Kritikern der aktuellen Landwirtschaft und Agrarpolitik ihre gesammelten Vorwürfe, ergänzt um eigene Vorstellungen einer Agrarwende.

Das Bündnis von 26 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungsarbeit hat am Donnerstag auf der digitalen Grünen Woche den diesjährigen “Kritischen Agrarbericht" veröffentlicht. Wie schon in den Vorjahren prangert dieser das derzeitige Agrarsystem an und liefert Konzepte und Ideen für eine Agrarwende.

Gemäß dem Titel „Welt im Fieber – Klima & Wandel“ befasst sich der Bericht mit dem Klimawandel, den Folgen der Corona-Pandemie, der Stabilisierung und Stärkung regionaler Strukturen und einer notwendigen Transformation.

Wie Bündnis-Sprecher Frieder Thomas bei der Vorstellung anmerkte, würden inzwischen auch schon Bauern bei der Demo „Wir haben es satt“ mit auf die Straße gehen, die bisher dem System gefolgt seien. „Sie protestierten, weil das bisherige System ihnen keinen Raum lässt, um wirtschaftlich tragfähig die Ansprüche der Gesellschaft an mehr Schutz von Umwelt, Klima, Biodiversität oder artgerechte Tierhaltung zu erfüllen. Da sind wir uns doch schon mal einig: Wenn Landwirtschaft so betrieben werden soll, wie die Gesellschaft das will, dann brauchen wir dringend eine tiefgreifende Transformation, die auch ein angemessenes Einkommen für die Landwirtschaft sichert“, so Thomas.

Myriam Rapior, Bundesvorstand der BUNDjugend, sprach den Klimawandel und das Artensterben an, weshalb schnellstmöglich eine Agrarwende her müsse. Die „Agrar-Milliarden aus Brüssel“ müssten konsequent für umwelt- und klimafreundliche Praktiken in der Landwirtschaft genutzt werden. Als zentralen Bestandteil einer umfassenden Agrar- und Ernährungwende fordert sie zudem eine drastische Reduktion der Tiernutzung und die gezielte Förderung vegetarischer und veganer Ernährungsstile.

Phillip Brändle von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft betonte, dass die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe aufgrund einer über Jahrzehnte auf Intensivierung getrimmten Agrarpolitik sowie unanständig niedrige Erzeugerpreise oft desaströs sei. Er plädiert für das Instrument der Öko-Regelungen. Diese könnten bei richtiger Ausgestaltung den ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen in der Landwirtschaft gleichermaßen begegnen. Die Bauern würden dadurch einkommenswirksam für ihre Gemeinwohlleistungen entlohnt. Zudem wünscht er sich eine gerechte Verteilung der Gelder der GAP an die ganze Breite des landwirtschaftlichen Berufsstandes sowie eine ehrgeizige Reform der Marktordnungen.

Antje Kölling von Demeter wünscht sich eine stärkere Förderung der Umstellung auf Öko-Landbau. Und Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, meint, dass unsere Ernährungsgewohnheiten aus ethischer, gesundheitlicher und ökologischer Sicht desaströs sind und zu globalem Hunger, Dürre und dem Schwinden der Artenvielfalt beitragen.

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