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Das Brexit-Finale

Sind Schlachter und Molkereien für einen harten Brexit gerüstet? Oder zahlen die Erzeuger mit niedrigen Preisen am Ende die Zeche?

Formal sind die Briten schon im Februar 2020 aus der Europäischen Gemeinschaft ausgetreten. Seitdem gilt eine Übergangsphase, in der Großbritannien noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion ist.

Aber auch diese Phase läuft nun zum Jahresende aus. Ein Handelsabkommen ist noch immer nicht in Sicht. Und Beobachtern fällt es immer schwerer zu glauben, dass in den wenigen verbleibenden Wochen das gelingt, was über vier Jahre nicht möglich war.

Last-Minute-Abkommen?

Die deutsche Agrarwirtschaft, die über Jahre gute Geschäfte auf der Insel gemacht hat, hofft weiterhin auf ein gutes Ende. „Ich bin Optimist und glaube, dass es noch ein Last-Minute-Abkommen gibt“, zeigt sich Eckhard Heuser vom Milchindustrie-Verband (MIV) zuversichtlich. So verrückt könne niemand sein, auf ein Abkommen zu verzichten, meint er. Als Wirtschaftsvertreter wünscht er sich naturgemäß weiterhin einen möglichst freien Warenverkehr zum Null-Zollsatz.

Weniger optimistisch ist das Management des niederländischen Schlachtkonzerns Vion, der auch in Deutschland etliche Rinder- und Schweineschlachtbetriebe betreibt. „Wir gehen davon aus, dass der harte Brexit zum Jahresanfang in Kraft tritt“, sagt der Vion-Sprecher Karl-Heinz Steinkühler.

Agrarbranche ist vorbereitet

Egal, ob Pessimist oder Optimist. Die meisten Unternehmen der Agrarbranche haben sich soweit wie möglich auf den Ernstfall vorbereitet. Fakt ist: Wenn der harte Brexit kommt, ist Großbritannien für EU-Exporteure ein Drittland. Ohne Handelsabkommen muss der Warenverkehr dann nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) betrieben werden. Grenzkontrollen und Zölle wären dann der neue Standard und dürften den Handel erschweren, meinen...

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Ein nationales Agrargesetz soll bzw. muss ab 2021 die EU-Agrarpolitik in Großbritannien ersetzen. Die bisherigen Direktzahlungen werden dann schrittweise bis 2017 abgebaut.