Der agroPreis 2019 ist vergeben

Der begehrte agroPreis 2019 sowie drei weitere Preise wurden im Kursaal Bern vergeben. Insgesamt wurden 50 Projekte eingereicht. Gewinner des mit 20'000 Franken dotierten Hauptpreises der emmental versicherung ist das Projekt "Pflanzenkohle - 4 Fliegen auf einen Streich" der Familie Keiser aus Neuheim (ZG).

Der begehrte agroPreis 2019 sowie drei weitere Preise wurden im festlichen Rahmen anlässlich der Preisverleihung im Kursaal Bern vergeben. Seit 27 Jahren prämiert diese einzigartige Auszeichnung innovative Projekte aus der Schweizer Landwirtschaft und fördert so die Entwicklung neuer Marktideen und die Kreativität Schweizer Landwirte. Insgesamt wurden 50 Projekte aus verschiedenen Themenbereichen und Regionen der Schweiz für den Innovations-Wettbewerb eingereicht. Gewinner des mit20'000 Franken dotierten Hauptpreises der emmental versicherung ist das Projekt "Pflanzenkohle - 4 Fliegen auf einen Streich" der Familie Keiser aus Neuheim (ZG).

Die rund 1000 geladenen Gäste aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Politik erlebten eine eindrückliche und stimmungsvolle agroPreis-Verleihung 2019. Die Jury hatte im Vorfeld vier Projekte nominiert und mit je 5'000 Franken ausgezeichnet. Mit originellen, humorvollen und informativen Präsentationen kämpften die Projektteams an der Preisverleihung um die Gunst der Jury und des Publikums. Dass ein grosses Potenzial an zukunftsorientierten und neuen Ideen vorhanden ist, beweisen die diesjährigen Gewinner, die unter der Moderation von Nicole Berchtold die begehrten Preise entgegennehmen durften.

Die Preise im Einzelnen:

  • agroPreis 2019 der Emmental Versicherung:Preissumme: Fr. 20'000

Pflanzenkohle - 4 Fliegen auf einen Streich:Familie Keiser, Neuheim (ZG)

Im Amazonasgebiet haben Ureinwohner während hunderten von Jahren Kohle zusammen mit organischen Abfällen in den Boden eingearbeitet und diesen fruchtbarer gemacht. Dieses uralte Wissen nutzt die Familie Keiser. Auf dem Wies-Hof in Neuheim ZG wird seit 2011 an der Produktion von Pflanzenkohle getüftelt. Das minderwertige Holz von der Baumpflege aus der Region wird in Form von kleinen Holzschnitzeln in einer Pyreg-Anlage unter Luftabschluss bei rund 600 Grad verkohlt und so in ein hochwertiges Produkt umgewandelt. Mit der Abwärme werden Holzschnitzel getrocknet. Die zertifizierte Pflanzenkohle findet Einsatz als Futterzusatz zur Verbesserung der Tiergesundheit, bei der Kompostierung sowie als Einstreu. Das Kreislaufdenken ist für die Familie Keiser zentral. Pflanzenkohle bleibt im Boden über Jahrhunderte erhalten, zudem verbessert diese die Bodenstruktur. Für die Familie Keiser ist klar: Mit der Pflanzenkohle lässt sich Klima-Farming betreiben. Denn durch die Speicherung von CO2 im Boden verbessert sich die Klimabilanz der Landwirtschaft.

  • Leserpreis der Medienpartner "Schweizer Bauer" und "Terre & Nature" Preissumme: Fr. 3'000

Der Leserpreis, welcher durch die Leser von "Schweizer Bauer" sowie "Terre & Nature" vergeben wurde, ging an:

Professionelle Produktion und Knacken von Walnüssen:Nussgesellschaft Wartau, Weite (SG)

Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung aus regionalen Lebensmitteln nimmt Jahr für Jahr zu. Diesem Trend nehmen sich auch fünf Landwirte aus der Region Werdenberg an. Sie haben sich das Wissen über den professionellen Walnussanbau in Frankreich angeeignet, welches in der Schweiz zuvor fehlte.

2014 wurden die ersten 150 Bäume gepflanzt. Mittlerweile ist die Fläche auf 10 Hektaren angewachsen. Das Projekt ist langfristig angelegt. Die Bäume erreichen erst nach acht bis neun Jahren den Vollertrag. Anschliessend sollten sie jährlich zwischen 33 bis 55 Tonnen Ertrag abwerfen, dies während mindestens 40 Jahren. Nebst der Produktion haben die fünf Landwirte zusammen eine Verarbeitungs-, Veredelungs- und Vermarktungsstruktur aufgebaut und eine Erntemaschine angeschafft. Die Nüsse werden auf den Höfen gereinigt und getrocknet. Im Knackzentrum in Malans GR werden sie als Kerne handelsfertig gemacht. Die Transportwege sind sehr kurz und die Wertschöpfung bleibt in der Region. Ein Teil der Kerne sollen für die Bündner Nusstorte verwendet werden, die bis heute ausländische Nüsse enthält. Öl und ganze Nüsse runden das Angebot ab.

  • Saalpreis - Preissumme: Fr. 2'000

Den Saalpreis, welcher die anwesenden Gäste vergaben, ging an:

Lokale Hofmilch direkt zu Konsumenten:Familie Peter, Steffisburg (BE)

Seit vier Generationen wird auf dem Hof der Familie Peter Milch produziert.

Der Preis für Molkereimilch ist aber seit Jahren sehr tief und die periphere Lage des Hofes lässt eine Direktvermarktung vor Ort nicht zu. Die junge Bauernfamilie suchte daher einen Weg, um die Wertschöpfung zu erhöhen. In Deutschland wurde sie schliesslich fündig. Mit einem für die Schweiz neuartigen Selbstbedienungsautomat haben die Peters seit Frühling 2018 einen neuen Markt geschaffen. An zwei hoch frequentierten Standorten in Steffisburg und Thun wird pasteurisierte Vollmilch verkauft. Mit Mehrweggebinden wird zudem die Abfallmenge reduziert, als Zahlungsmittel werden Bargeld, Bank- und Kreditkarten sowie Kundenkarten akzeptiert. In den vergangenen Monaten hat sich das Geschäft sehr erfreulich entwickelt. Derzeit wird ein Drittel der Milchmenge über die Direktvermarktung abgesetzt, aber zwei Drittel des Umsatzes generiert. Die Familie Peter hat zudem das Sortiment um zwei Mischgetränke erweitert, um neue Kundensegmente zu erschliessen. Um die Absatzmenge zu erhöhen, wird bald ein weiterer Standort in der Region Thun eröffnet. Das Ziel ist, künftig sämtliche Milch direkt zu vermarkten.

  • Spezialpreis des Schweizerischen Landmaschinen-Verbandes (SLV): Preissumme: Fr. 5'000

Den Spezialpreis SLV überreichte Bendicht Hauswirth, Jurymitglied des SLV, an:

CO2-Neutrale Stromversorgung im Berggebiet: Familie Aeschlimann, Schwarzenegg

Seit sieben Generationen steigt die Familie Aeschlimann jeden Sommer mit ihren Kühen auf die Alp. Vier Monate lang mussten sie dort ohne Strom auskommen. Das Melken morgens und abends war nur via Notstromgenerator möglich. Die Familie suchte daraufhin nach einer ökologischen und nachhaltigen Lösung, um Strom zu speichern. 2016 kamen sie in Kontakt mit Max Ursin aus Meiringen, der ihnen ein System zur Speicherung von Energie mit Salz anbot. Mit der mobilen PV-Anlage mit Salzbatterie konnte der Stromgenerator (schlechte Effizienz, Lärm und Abgase) ersetzt werden. Diese CO2-neutrale Stromversorgung ist insbesondere für das Berggebiet zukunftsweisend. Sie bietet viele Vorteile: Die Salzbatterie besteht aus unbedenklichen Materialien (32% Kochsalz, 22% Nickel, 22% Eisen, 20% Keramik), ist 100% recyclebar und wird zu 100% in der Schweiz hergestellt. Die Salzbatteriespeicher können stationär und mobil genutzt werden. Bei der Familie Aeschlimann wandert die Speicheranlage so jeden Frühling mit den rund 30 Kühen auf die Alp. Die restlichen acht Monate im Jahr wird sie zu Hause eingesetzt. Mit diesem Projekt gewann die Familie Aeschlimann 2018 bereits den Innovationspreis für Energie- und Klimaeffizienz des Kantons Bern.

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Artikel geschrieben von

LID

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