PRE Gemüse Seeland

Der Stachel sitzt tief

«Steht das PRE Bio Gemüse Seeland vor dem Aus?»

Die Wogen gehen hoch beim Verein Bio Gemüse Seeland, seitdem die Fenaco Mitte Januar Einspruch gegen das PRE (Projekt zur regionalen Entwicklung) erhoben hat. Verständlich, denn rund 70 Gemüseproduzenten und verschiedene Organisationen arbeiten seit sechs Jahren an dem Erfolg versprechenden Konzept. Noch Ende des Jahres hatte der Staatsrat des Kantons Freiburg einstimmig dafür votiert und somit grünes Licht für Subventionen in der Höhe von 16,9 Mio. CHF als À-fonds-perdu-Gelder gegeben. Jetzt liegt das Vorhaben auf Eis und landet vielleicht sogar vor Gericht (LANDfreund-Ausgabe 03/21 ab Seite 12).

Kritische Stimmen richten sich vor allem gegen die Fenaco, die von vielen Landwirtinnen und Landwirten als übermächtiger Konzern wahrgenommen wird. Sie fragen sich, warum ausgerechnet ein Sieben-Milliarden-Unternehmen von Wettbewerbsverzerrungen spricht. Konkret hinterfragt die Fenaco, ob die finanzielle Unterstützung der PRE-Neubauten von Terravia AG und Seeland Bio rechtmässig sei. Die Neubauten sind für die Verarbeitung und als Kompetenzzentrum geplant. Fenaco argumentiert, dass dies der Obst- und Gemüsezentrale in Ins zum Nachteil gereiche. Unbequeme Fragen bleiben bisher von Fenaco unbeantwortet: Ist das Argument der Wettbewerbsverzerrung vorgeschoben von einem milliardenschweren Unternehmen? Was steckt tatsächlich dahinter? Warum hat das Unternehmen nicht vorher das Gespräch gesucht? Und warum kommt der Einspruch nach sechs Jahren – und dann genau am letztmöglichen Tag der Einspruchsfrist? Ein sympathisches Auftreten sieht sicher anders aus.

Unbequeme Fragen müssen sich aber auch die Experten des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) und die Direktion der Institutionen der Land- und Forstwirtschaft (DIAF) des Kantons Freiburg gefallen lassen. Warum wurde die Konkurrenzanalyse zu Wettbewerbsneutralität nach Artikel 13 der Strukturverbesserungsverordnung nicht vorgängig durchgeführt? Haben es das BLW und die Direktion der Institutionen der Land- und Forstwirtschaft (DIAF) des Kantons Freiburg versäumt, die Initianten darauf aufmerksam zu machen? Zumal dieser Aspekt in der vergangenen Zeit auch bei einigen anderen Projekten zu heftigen Diskussionen führte.

Fakt ist: Den Verein Bio Gemüse Seeland kostet der rapide Stopp täglich Geld. Elan und Motivation werden untergraben. Der Stachel im Seeland sitzt tief. Gerade deshalb gilt es jetzt den Blick nach vorne zu richten und zu überlegen, wie man einen Weg aus dem Schlamassel findet. Wichtig ist vor allem, eine gemeinsame Gesprächsebene zu finden. Bisher soll es erst ein längeres Telefonat zwischen dem Verein Bio Gemüse und der Fenaco gegeben haben. Die Standpunkte sind ausgetauscht. Das Erarbeiten einer findigen Lösung ohne gerichtliche Auseiandersetzung könnte beiden Parteien zupasskommen. Von den Gemüsebauern mal ganz zu schweigen.

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