Freihandels-Nostalgie und harte Realität

Der Dialog sollte gepflegt werden am ersten Schweizer Agrarpolitik Forum an der HAFL in Zollikofen. Anstelle dessen wogen die Wellen hoch zum Thema Freihandel ja oder nein, Grenzschutz ja oder nein.  

Alt-Bundesrat Pascal Couchepin und sein damaliger Chef vom Bundesamt für Landwirtschaft, Hans Burger, standen am Schweizer Agrarpolitik Forum vehement zu ihren früheren liberalen und freihandelsorientierten Positionen. Ziel sei ein umfassendes Agrarabkommen mit der EU gewesen. Nun, dieser Reformschritt ist vor der Jahrtausendwende nicht geglückt. Vom Tisch ist er beim Bundesamt für Landwirtschaft gleichwohl nicht – wie der Bericht des Bundesrats zur Gesamtschau aufzeigte.
Auf den Boden der Realität holte Corinne Mühlebach die Magistraten: Statt „hätte man, wäre alles besser“ beschrieb die Geschäftsführerin der Mühlebach AG ihre unternehmerischen Erfahrungen diesseits und jenseits der Grenze. 2004 übernahm das Unternehmen die Hummelmühle in Ettenheim/Deutschland. Angesichts des riesigen Preisgefälles zur EU plädierte Corinne Mühlebach für die Beibehaltung des Grenzschutzes und der Direktzahlungen. Gezielt müsse die Qualität gefördert werden.
Befeuert wurde der Diskurs durch Erfahrungen aus dem Ausland: Euphorisch fiel die Analyse über den EU-Beitritt von Österreich von Dr. Franz Sinabell aus Wien aus: Die Preise seien zwar um einen Drittel gesunken, die Produktion aber gestiegen. Verstärkter Strukturwandel, aber die Wertschöpfung wachse auf dem Land stärker als in den urbanen Zentren. Sein Fazit: Marktbarrieren verhindern Aussenhandel, was einen Wertschöpfungsverlust für das Land bedeute.
Ganz anders sah es Thierry Pouch aus Frankreich. Der gemeinsame EU-Agrarmarkt sei ein Wettbewerbsmarkt, wo jeder den anderen „jage“. Das bekam Frankreich in den vergangenen Jahren mit Marktanteilsverlusten in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu spüren. Des einen Leid (Frankreich), des andern Freud (Deutschland, Niederlande).  „Man muss sich keine Illusionen machen. Mehr Warenverkehr bringt die Menschen der verschiedenen Länder einander nicht näher“, führte er aus. Er warnte auch die Schweiz. Die Schweiz habe in der Agrar- und Ernährungswirtschaft ein Handelsdefizit und rechne man die hohen Preisdifferenzen dazu, gäbe es nur eines: Intelligent verhandeln und dafür besorgt sein, dass durch die internationalen Handelstätigkeiten der Selbstversorgungsgrad nicht noch weiter sinke.
Bevor das Podiumsgespräch begann, kam Emily Gray von der OECD zu Wort. Mit ihrer Länderanalyse und den OECD-Empfehlungen fragte man sich, ob die OECD der Schweizer Landwirtschaft gar den Garaus machen will zugunsten einer sogenannten “Besserstellung der sozialen Wohlfahrt und der Konsumenten“?
Die Podiumsteilnehmer Philipp Wyss (Coop), Bernard Lehmann (BLW), Regina Fuhrer-Wyss (Kleinbauern-Vereinigung), Stefan Meierhans (Preisüberwacher) und Francis Egger (Schweizer Bauernverband) waren da ausgewogener und standen für ihre wohlbekannten Positionen ein.

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Artikel geschrieben von

LANDfreund

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