Rentabilität

Für Grosse geht die Rechnung oft nicht auf

Je grösser, je mehr Fläche und Stallplätze, desto höher sind das Milchgeld und die Direktzahlungen. Steigt aber auch die Rentabilität? Für viele Milchviehbetriebe nicht, wie Agroscope-Auswertungen zeigen.

Bauernfamilien wollen mit Investitionen das Einkommen verbessern, ihre Arbeitsbelastung reduzieren und den Stall den neuesten gesetzlichen Vorgaben anpassen – kurz gesagt die Rentabilität verbessern. Damit soll der Hof auch für den Hofnachfolger attraktiv bleiben.

Die Rentabilität steigt mit wachsendem Produktionsvolumen durch die Skaleneffekte. Das heisst, die Fixkosten und der Aufwand werden auf mehr Produktionseinheiten verteilt. Dadurch sinken die Kosten pro Einheit.

Die Theorie stimmt, schaut man den Betrieb von Jürg Sprenger und seiner Familie in Wängi an. Im Jahr 2000 gründeten Vater und Sohn eine Generationengemeinschaft mit 30 ha und 38 Kühen. Bei der Hofübernahme 2005 verfügte der Betrieb über 35 ha Land und 43 Kühe.

Heute bewirtschaftet Sprenger fast 50 ha und hat seinen Kuhbestand erheblich aufgestockt. Er erreicht in seinem Vollweidesystem und aufgrund des höheren Milchpreises (Jersey, Gehaltszuschlag) einen Stundenlohn von 42,10 CHF/AKh. Das ist einiges mehr als damals bei der Betriebsübernahme (Tabelle 3, Seite 20 Ausgabe 05/2019) und als der nach Agroscope berechnete kostendeckende Stundenlohn von
28 CHF. Im Vergleich zu den jährlichen Vollkostenauswertungen Milchproduktion von Agridea und BBZN Hohenrain ist Sprengers Stundenlohn sogar drei- bis viermal höher.

«Je mehr Milch, desto tiefere Kosten pro Einheit» geht aber für die meisten Betriebe nicht auf – und dies nicht nur, weil der Milchpreis zu tief ist. Das zeigen die Buchhaltungsauswertungen von Christian Gazzarin, Agroscope. Er verglich zwei Betriebstypen mit unterschiedlichen Kuhzahlen aus dem Projekt Hohenrain II, die auf Daten der Pilotbetriebe basieren (Tabelle 1 Ausgabe 05/2019):

Die Fremdkosten liegen beim Betriebstyp mit 50 Kühen um durchschnittlich 131 821 CHF höher bei
311 809 CHF. Im Vergleich zeigt sich aber, dass die Fremdkosten pro Kilo Milch bei beiden Betriebsgruppen 80,1 Rp. betragen – also kein Skalen­effekt spürbar.

Beim Einkommen je Hektare Hauptfutterfläche schnitten die Betriebe mit 36 Kühen gar besser ab, ebenso wie beim Stundenlohn (Arbeitsverwertung) – dies obwohl der Roherlös des grösseren Betriebs mit 50 Kühen um 128 000 CHF höher als von jenem mit 36 Kühen ist. Hat Agroscope richtig gerechnet? Gazzarin verweist auf eine zweite Auswertung: Hier verglich er Betriebstypen unterschiedlicher Grösse aus dem Agroscope-Buchhaltungsnetz und kommt zu ähnlichen Resultaten:

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Artikel geschrieben von

Franz Sutter

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