Standpunkt

Grabenkämpfe beenden

Die Grabenkämpfe innerhalb der Bauern sind anscheinend tiefer denn je, zum Beispiel zwischen biologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben. Und das, wo gerade in heiklen Zeiten von Initiativenfluten ein Zusammenhalt der Branche allen zugutekommen würde.

Auf kritische Äusserungen wird hüben und drüben höchst sensibel und emotional reagiert. Eigentlich könnten sie voneinander lernen und profitieren. Gerade bei der Brisanz der anstehenden Kampagnen zu sauberem Trinkwasser und Pestizideinsatz gilt es, in der Diskussion beim Thema Pflanzenschutz an einem Strang zu ziehen.

Fakt ist, dass Praktiker die Resistenzen in den Kulturen ernst nehmen müssen. Fakt ist auch, dass die Palette der Pflanzenschutzmittel immer kleiner wird. Eine Korrektur von ackerbaulichen Fehlern mithilfe von Pflanzenschutzmassnahmen dürften sich die Landwirte heute kaum mehr erlauben. Das gilt sowohl für Bio- wie für Nichtbiobetriebe. Feldhygiene, Fruchtfolgen, Sortenwahl, Nacherntemanagement rücken stark in den Fokus. Ein ganzheitlicher Blick auf seinen eigenen Standort, auf die Böden, die Gegebenheiten und die eigenen Betriebsstrukturen gehört zu einem guten Management wie auch das Hinterfragen eingefahrener Wege.

Darauf sollten sich auch die Lernenden einstellen. Konventionelle und biologische Wirtschaftsweise müssten gleichberechtigt im Unterricht gelehrt werden. So könnten sich ein respektvoller Umgang sowie Verständnis für beide Wirtschaftsweisen statt Grabenkämpfen entwickeln. Peter Hilfiker beispielsweise ist Biobauer und gibt seine Erkenntnisse, die er in über

20 Jahren mit Ausprobieren gewonnen hat, weiter (ab Seite 30). Er besinnt sich auf sein ackerbauliches Know-how und seine eigenen Erfahrungen.

Auch die Industrie hat die Zeichen der Zeit längst erkannt. So testen Forscher von Syngenta im aargauischen Stein biologische Wirkstoffe mit neuen Wirkmechanismen und deren Potenzial. Bis diese praxisreif sind, wird es allerdings noch dauern. Der Druck darf nicht nur von politischer Seite kommen. Er muss auch als Graswurzelbewegung von den Höfen kommen.

Voraussetzungen für einen konstruktiven Austausch auf beiden Seiten sind: Ratschläge anzunehmen, Wissen bereitwillig weiterzugeben, sich selbst zu hinterfragen und Offenheit.

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Artikel geschrieben von

Kirsten Müller

Redaktionsleitung

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