Mondscheinlöcher

Illegale Wasserentnahme in Spanien größer als gedacht

In Spanien, Australien und den USA gibt es Wasserdiebstahl im großen Stil - aus illegalen Bohrlöchern in der Landschaft oder aus Wasserspeichern. Die Behörden sind machtlos und das Problem nimmt zu.

Lange haben die Behörden weggesehen: Die illegale Wasserentnahme für die Landwirtschaft in Spanien ist ein unterschätztes Problem, und weiterhin nicht kontrollierbar.

Anfang 2019 erschütterte der Bericht über einen kleinen Jungen in Spanien die Welt, der beim Spielen in ein illegales Wasserbohrloch gefallen war. Erstmals erfuhr man von sogenannten Mondscheinlöchern, die nachts illegal in der Landschaft gebohrt werden, um an Grundwasser zu kommen. Ist die Bohrung erfolglos oder der Standort erschöpft, bleiben offene Löcher zurück.

Der Spiegel berichtet, dass das Problem größer ist als gedacht. Auftraggeber seien meist große landwirtschaftliche Betriebe, die dringend Wasser für ihre Felder benötigen. Ausbleibende Niederschläge und sinkende Grundwasserspiegel erschwerten die Bewirtschaftung in vielen Regionen des Landes. In Spanien soll es Hunderttausende solcher schmalen Schächte geben. Laut einer neuen Studie werden zwischen 30 und 50 % der jährlichen Wasserresourcen gestohlen.

Die Schätzung basiert auf Zahlen von Interpol. Und Experten erwarten, dass sich das Problem mit zunehmender Knappheit der wertvollen Ressource aufgrund des Klimawandels verschärfen könnte.

Neben Spanien offenbarte die Studie auch in Australien Schwachstellen im System, schreibt der Spiegel weiter. Dort sei es sehr schwer, die Einhaltung der Gesetze zu überprüfen und kriminelle Handlungen nachzuvollziehen. Ein erheblicher Anteil der Entnahmen aus Rückhaltebecken werde beispielsweise gar nicht gemessen. Oft fehlte es an Zählern, die noch nicht installiert waren. Es sei dringend erforderlich, alle Oberflächen- und Grundwasserentnahmen in Australien zu messen, so die Forscher.

In der Untersuchung heißt es auch, dass Aufsichtsbehörden oft machtlos seien. Die Rede ist von tätlichen Angriffen von Wasserdieben auf die Kontrolleure in Spanien oder vergeblichen Versuchen der Polizei in den USA, die Wasserentnahme für Felder mit medizinischem Marihuana zu verhindern.

Auch in Deutschland zeichne sich mit zunehmenden Dürren und niedrigen Regenmengen ein Kampf um die Wasserverteilung ab, weil die Grundwasservorkommen nicht mehr ausreichend aufgefüllt werden, heißt es weiter. Zwar könnten die Trinkwasserversorger grundsätzlich genügend Wasser bereitstellen. Dafür würden aber immer höhere Investitionskosten bei der Aufbereitung anfallen.