Einsprache

PRE-Projekt im Seeland vor dem Aus?

Biogemüseproduzenten im Seeland sind sauer auf die Fenaco. Der Agrarriese erhebt Einspruch gegen das Erfolg versprechende PRE-Projekt zur regionalen Entwicklung. Fast sechs Jahre Arbeit stehen auf dem Spiel.

Zwischen dem Verein Bio Gemüse Seeland und dem Agrarkonzern Fenaco ist ein Streit entbrannt. Die milliardenschwere Genossenschaft erhebt in letzter Minute Einsprache gegen das PRE Bio Gemüse Seeland. Bitter, denn das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und der Kanton Freiburg bewilligten das Projekt. Der Grosse Rat des Kantons Freiburg votierte sogar einstimmig. Jetzt ist das PRE-Vorhaben gefährdet.

Das BLW sowie das Amt für Landwirtschaft des Kantons Freiburg äussern sich zum laufenden Verfahren nicht. Der Verein ist aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Anschliessend hat die Fenaco 30 Tage Zeit, Stellung zu beziehen. Im schlimmsten Fall gibt es eine juristische Auseinandersetzung. Pierre-André Geiser, Verwaltungsratspräsident der Fenaco und Biobauer, sagt, er stehe ganz klar hinter dem Einspruch.

Markus Hämmerli, Leiter Departement Landesprodukte der Fenaco, verweigert ein persönliches Interview.

Was ist ein PRE? Die drei Buchstaben «PRE» stehen für Projekte zur regionalen Entwicklung.  Das Kernziel ist die Schaffung von Wertschöpfung in der Landwirtschaft. Durch die Zusammenarbeit im PRE soll das Potenzial in der Region ausgeschöpft werden und zu einem verbesserten landwirtschaftlichen Einkommen führen.

Wer und was steckt Dahinter?

Seit fünf Jahren arbeitet der Verein der Biogemüseproduzenten an einem Konzept, das mehr Wertschöpfung für die Region Seeland (FR) bringen soll. Regionale Gemüsebetriebe, die Produzentenorganisationen Seeland Bio und Terraviva sowie die Freiburger Bioproduzenten, Murten Tourismus und die landwirtschaftlichen Kompetenzzentren Grangeneuve und Inforama schlossen sich dazu zusammen. Ein guter und zeitgemässer Gedanke, die Idee mit einem ganzheitlichen Aspekt zu versehen. Gemeinsam engagieren sich alle Beteiligten, Synergien zu heben, miteinander zu interagieren und voneinander zu profitieren. Grosses Ziel ist, für die Produzenten einen Mehrwert zu generieren.

So gibt es Mehrwert

Dies geschieht etwa mit dem Aufbau einer gläsernen Produktion. Konsumenten nehmen Anteil an den Abläufen vom Anbau bis zur Ladentheke. Der Effekt: hohe Identifikation mit einheimischem Angebot und der Region. Betriebsbesichtigungen, Verkostungen, Events oder Erlebnistouren, um nur einige Ideen aus dem Portfolio aufzuzählen, runden das Spektrum mit Murten Tourismus ab.

Eine gemeinsame Plattform sorgt für die Vermarktung der Erzeugnisse: Gemüse, Obst, Käsespezialitäten, Fleisch, Brot et cetera. Das wiederum ist vorteilhaft für Gastrobetriebe. Sie finden gebündelte Angebote aus dem Biosegment. Das Konzept ist vom Grundsatz dynamisch angelegt, lässt Erweiterungen oder Veränderungen zu. «Kein closed shop», sagt der Präsident des Vereins Bio Gemüse, Fritz Burkhalter.

Ein weiterer Bestandteil ist der Ausbau von Infrastrukturen. Die Gebäude der Terraviva AG in Kerzers (FR) und Seeland Bio in Büchselen (FR) haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Neubauten sind geplant. Der Staatsrat sagt, das bringe allen Produzenten einen Nutzen.

Kurzum in einem Satz: Die Initianten ergreifen die Chance angesichts der bei der Bevölkerung immer beliebter werdenden Bioprodukte, Bund und Kanton ein überzeugendes, ganzheitliches und mit dem Gesetz in Einklang stehendes Projekt zu offerieren. Auf der Grundlage des Landwirtschaftsgesetzes auf Bundesseite und des Gesetzes über die Bodenverbesserung auf Kantonsseite reichen sie das Gesuch im März 2020 ein (siehe Zeitleiste) – und das mit Erfolg.

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