Abstimmung Juni

Regionale Lebensmittel zerstören und mehr importieren

Die IG BauernUnternehmen lehnt die beiden Agar-Initiativen ab und lanciert eine eigene Kampagne. Sowohl die «Trinkwasser-Initiative» als auch die «Pestizidverbots-Initiative» schwächen die regionale Landwirtschaft. Produktionsrückgänge steigern die Preise für Schweizer Produkte.

Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinken die Erträge in der Landwirtschaft um 30 – 40 Prozent. Je nach Kultur und Jahr kann es auch zu Totalausfällen kommen. schreibt die IG Bauern Unternehmen in einer Mitteilung. Landwirte seien nicht mehr in der Lage, ihre Kulturen ausreichend gegen Schädlinge und Pflanzenkrankheiten zu schützen. Stark betroffen wäre beispielsweise der Anbau von Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln. Bei diesen Kulturen wäre der Rückgang derart einschneidend, dass die regionale schweizerische Produktion jegliche Bedeutung verlieren würde. Getreide würde zwar weiter angebaut, aber der Ertragsrückgang bei der regionalen Produktion würde für die Produzenten zu einem Problem werden. Gleichzeitig müssten Konsumentinnen und Konsumenten deutlich mehr für regionale Produkte bezahlen. «Die Mindererträge der inländischen Landwirte werden durch mehr Importe aus dem Ausland kompensiert», sagt Samuel Guggisberg, Präsident der IG BauernUnternehmen. «Wer auch weiterhin regionale Produkte zu vernünftigen Preisen haben will, muss die beiden Initiativen klar ablehnen», so Guggisberg.

Weniger Regionales, höhere Preise

Von einer Annahme der «Trinkwasser-Initiative» wäre auch die Tierhaltung betroffen, weil der Zukauf von Futtermitteln verboten würde. Viele Höfe seien jedoch nicht in der Lage, ihr komplettes Tierfutter selbst herzustellen. Tierprodukte wie Eier, Fleisch sowie Milchprodukte würden kaum mehr in der Schweiz hergestellt und würden sich massiv verteuern. Importe aus Ländern mit weniger strengen Auflagen nähmen zu. Die «Pestizidverbots-Initiative» verbietet neben Pflanzenschutzmitteln auch Biozide. Das sind Desinfektions- und Reinigungsmittel, die zur Aufrechterhaltung der Stallhygiene gebraucht werden. Ohne Biozide könnten zudem auch die Hygienevorschriften in der Lebensmittelverarbeitung nicht mehr eingehalten werden. All dies schwächte die regionale Produktion. Der Einkaufstourismus bei privaten Haushalten würde angekurbelt. «Verliererin ist die inländische regionale Produktion», sagt Samuel Guggisberg.

Schweizer Bauern im Nachteil

Zudem verbietet die Initiative zwar die Einfuhr von Lebensmitteln, die mit Hilfe von synthetischen Pflanzenschutzmitteln produziert wurden. Doch während Schweizer Bauern auch für den Anbau von Futtermitteln keine synthetischen Hilfsmittel mehr einsetzen dürften, ist der Import von entsprechendem Futtermittel aus dem Ausland gemäss Initiative weiterhin erlaubt. Die regionale Produktion wird auch hier zusätzlich geschwächt. Auch wenn die Pestizidverbotsinitiative Importe von Lebensmitteln verbietet, die mit synthetischen Pestiziden hergestellt wurden, sind dadurch die Schweizer Landwirte von der Konkurrenz im Ausland nicht geschützt. Denn die Kontrollen an der Grenze seien eine Illusion. Um eine wirklich pestizidfreie Produktion im Ausland zu garantieren, müssten die Schweizer Behörden die Produzenten im Ausland vor Ort kontrollieren. Dies wäre administrativ und politisch nicht umsetzbar. Somit verspricht die Pestizidverbotsinitiative etwas, das sie nicht halten kann und die Schweizer Bauern werden benachteiligt.

IG Bauern Unternehmen lanciert Kampagne

Aus diesen Gründen lanciert die IG BauernUnternehmen eine eigene Kampagne gegen die beiden extremen Agrar-Initiativen. Im Mittelpunkt steht die inländische regionale Lebensmittelproduktion. Diverse Umfragen zeigen, dass die Regionalität von Produkten für Konsumentinnen und Konsumenten ein entscheidendes Kriterium beim Einkauf ist. Gerade während der Corona-Krise hat die Bedeutung von regionalen Lebensmitteln für Schweizerinnen und Schweizer noch zugenommen. Die «Trinkwasser-Initiative» und die «Pestizidverbots-Initiative» missachten die Nachfrage der Kundinnen und Kunden nach regionalen Produkten. Sie machen regionale Lebensmittel zu Luxusprodukten, die sich nur noch wenige Menschen leisten können. Die Initiativen gefährden die Ernährungssicherheit wie sie die Schweizer Bundesverfassung von der Landwirtschaft verlangt. «Wir möchten mit Plakaten, Videos auf Social Media sowie verschiedenen Aktionen auf die schädlichen Folgen der beiden Initiativen für die regionale Produktion aufmerksam machen», erklärt Samuel Guggisberg.

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