Kommentar

"Riegel schieben bei Bio"

"Geniesse es, so lange es dauert" Kommentar von Biolandwirt Adrian Feitknecht

In den vergangenen Jahren haben viele auf Bio umgestellt. Das setzt die Produzentenpreise unter Druck. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es der richtige Weg ist. «Geniesse es, so lange es dauert», sagte mein Vater als ich auf Bio umstellte. Es war das Jahr 2015, und die Hofübergabe war auf 2016 geplant. Neben der Ferkel- und Milchproduktion waren im Ackerbau Saatmais, Reis im Lohn und Kartoffeln die wichtigsten Kulturen. Ein Blick auf die Märkte zeigte überall mittlere bis grosse Unterversorgung. Das trieb die Preise in die Höhe, vor allem bei den Jagern und den Ackerkulturen.

Eine gewisse Sicherheit hatte ich nach der Hofübernahme nötig. Im Ackerbau ersetzte ich die intensiven Kulturen durch Getreide. In den Ställen pufferten die guten Schweinepreise die tiefen Milchpreise. Dank dem relativ tiefen Inlandanteil war das Mischfutter günstig und das einheimische Futtergetreide gut bezahlt. Mir war klar, dass diese Vorteile schwinden würden, wenn die Schweizer Biofläche grösser wird. Trotzdem war das Gefühl, endlich produzieren zu können, ohne sich ständig Sorgen über den Preis zu machen, eine erfreuliche Neuheit. Der Markt rief ja immer noch nach mehr Ferkeln.

Doch die Euphorie kippte rasch. Abnehmer konnten ihre Versprechen nicht einhalten. Auf einmal hatte ich im Stall 30-kg-Jager und keiner wollte sie. Die Interessengemeinschaft IG Bioschweine (IG BSS) und Bio-Suisse appellierten an die Produzenten, dass jeder 10 % weniger Sauen halten solle. Irgendwie hofft man, dass der Zusammenhalt der Bioschweineproduzenten stark genug ist, um die Krise zu bewältigen. Man kennt sich und bei einer Zusammenkunft sitzt schnell mal über 50 % der Produktion in einem einzigen kleinem Raum. Das muss doch funktionieren.

«Mehr arbeiten, um weniger zu verdienen» will keiner, auch weil jedes Kilo Futter immer teurer wird. Aber die Preise sind regelrecht gepurzelt. Kein Bauer sieht gerne leere Plätze im Stall.

Auch im Ackerbau wird es brenzlig. Mit Gerste, Triticale und Hafer deckt Bio schon fast die gesamte Nachfrage ab. Das setzt die Produktion der Mischungspartner Ackerbohnen und Eiweisserbsen unter Druck. Bei Futter- und Mahlweizen wie auch bei Körnermais ist die Nachfrage nach wie vor gut und wir können relativ sichere und gute Erträge erwirtschaften.

Ab 2022 darf man im Bio Wiederkäuer nur noch mit Schweizer-Knospe-Futter füttern. Im Hinblick darauf dehnen wir den Anbau von Futtersoja und Lupinen aus und tun gleichzeitig Gutes für den Boden. Erfreulich ist die Situation bei der Biomilch. Der Markt wächst konstant. Abgesehen vom saisonalen Überangebot wird die Produktion verarbeitet. Auf 2020 planen Bio-Produzentenorganisationen Wartelisten, in der Hoffnung, dass die Nachfrage weiterhin wachsen wird. Einzelne Regionen wie das Tessin hinken hinterher. Aber wir haben den Aufbau einer Bio-Linie aufgegleist. Endlich habe ich dann einen Heimmarkt für meine Biomilch.

Die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre war absehbar. Jetzt gilt es, einen Riegel zu schieben und bei Neuumstellungen die Produktion entsprechend der Marktentwicklung zu begrenzen. Die Preise bis auf ÖLN-Niveau zu drücken dient keinem. Solange der Marktanteil nicht wächst, ist Vorsicht geboten.

Die Pflanzenschutzinitiativen stellen es klar: Der Kunde will mehr Bio. Aber man kann nicht alles Grün wollen und dann nicht bereit sein, den Preis zu bezahlen.