Misstrauen

Spanien ordnet Überprüfung auf Ausbeutung von Erntehelfern an

Der spanische Staat schickt Inspektoren auf die Höfe, um die Arbeitsbedingungen der Saisonarbeiter zu überprüfen und ob sie unter Druck gesetzt werden. Die Bauern sind über die Vorverurteilung empört.

Auf die Landwirtschaftsbetriebe in Spanien kommt eine Überprüfung der Arbeitsbedingungen von Erntehelfern zu, wobei es neben der Einhaltung der Corona-Präventionsmaßnahmen auch um die Aufdeckung möglicher Ausbeutung gehen soll.

Wie heimische Medien jetzt berichteten, hat die Staatsregierung die Provinzen dazu aufgefordert, in den nächsten Wochen Inspektionen auf den Betrieben durchzuführen. Der dazu vom Arbeitsministerium erarbeitete mehrseitige Fragebogen umfasse unter anderem die Aspekte physische und verbale Gewalt sowie Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Die Inspekteure sollten beispielsweise auf Anzeichen von Angst und Einschüchterung der Erntehelfer sowie auf Folgen von Misshandlungen, etwa Prellungen, achten.

Empörung bei den Bauern

Im landwirtschaftlichen Berufsstand und auch in einigen Provinzen reagierte man mit Empörung auf die Ankündigung. So sprach die andalusische Regionalministerin für Landwirtschaft, Carmen Crespo, von einer „Vorverurteilung der Betriebe“ und einem „grundlosen Angriff“ auf die Branche. Anstatt eine Verfolgungskampagne zu starten, sollte die Regierung einen Sektor unterstützen, der ökologisch und aus sozialer Sicht nachhaltig wirtschafte und während der Covid-19-Pandemie die Versorgung von Menschen aus der halben Welt unterstützt habe.

Der Bauernverband COAG räumte ein, dass es Einzelfälle von Missbrauch gebe. Eine Verallgemeinerung sei allerdings nicht nachzuvollziehen. Zudem dürfe „die Ansiedlung irregulärer Einwanderer nicht mit der Frage der landwirtschaftlichen Arbeit verwechselt“ werden.

Heftiger fiel die Antwort des Bauernverbandes Asaja aus. Die Inhalte der Überprüfung seien „inakzeptabel und typisch für jemanden, der bösgläubig arbeitet, motiviert durch ein inakzeptables ideologisches Sektierertum und eine völlige Unkenntnis der Realität“. Die Inspektion wäre ein Zeichen mangelnden Vertrauens in die Betriebe und schade damit dem Ansehen der spanischen Landwirtschaft in der Welt.

Ausbeutungsvorwürfe gegen Landwirtschaftsbetriebe vor allem in den Gartenbaugebieten Spaniens halten sich seit langem. Berufsständische Vertretungen wie zum Beispiel der Verband der Organisationen der Obst- und Gemüseerzeuger Andalusiens (APROA) wehren sich dagegen. Die Arbeiter seien vertraglich angestellt und verdienten netto deutlich mehr als 1.000 Euro, erklärte APROA-Geschäftsführer Juan Colomina vorigen November vor deutschen Journalisten in Almería. Dass dort Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung in Baracken lebten, sei inakzeptabel. Um das Problem anzugehen, müsse die Politik den Flüchtlingsstrom aus Nordafrika stoppen.