Entgleisung

Spiegel-Kommentar macht fassungslos: Betreiben Bauern ein „Regime des Terrors“?

„Wer sich an Tieren bereichert, ist ein schlechter Mensch“ und „Bauern haben ein Regime des Terrors aufgebaut“. Das steht so bei Spiegel.de

Mit seinem Kommentar vom 17. September auf Spiegel.de hat Philip Bethge die Landwirte sehr verärgert. Er macht die Landwirtschaft für den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verantwortlich.

Unter dem Titel „Schweinehalter haben unser Mitgefühl nicht verdient“ schreibt er wörtlich: „Verdienen die Mitarbeiter dieses Industriezweigs, die von vielen immer noch euphemistisch "Bauern" genannt werden, nun unser Mitgefühl?“ Bethge verweist hierzu auf eine aktuelle Pressemitteilung einer Tierrechtsorganisation, die heimlich gedrehte Videos aus dem emsländischen Sustrum veröffentlicht hat.

Weiter schreibt der studierte Biologe Bethge: „Schweine werden in der industriellen Massentierhaltung gequält, seit Jahren, mit Vorsatz und toleriert von der Öffentlichkeit. Nach jedem neuen Skandal wird ein paar Tage lang über Haltungsbedingungen diskutiert, doch in den Ställen ist von Verbesserung kaum etwas zu sehen. Noch immer fußt der Profit der konventionellen Schweinezucht auf einem Regime des Terrors für die Tiere. Wer für hochintelligente Lebewesen ein System der Ausbeutung erschafft, um sich daran persönlich zu bereichern, darf auf menschliches Mitgefühl in wirtschaftlichen Notlagen nicht hoffen. Wer so etwas tut, ist ein schlechter Mensch.“

ISN verärgert

Sehr verärgert reagiert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Sie kommentiert: „Dieser Kommentar ist eine Frechheit und eine Verhöhnung der Schweinehalter und ihrer Familien. Zudem strotzt er von fachlichen Fehleinschätzungen und entbehrt grundlegendem journalistischen Handwerkszeug. Das können und wollen wir so nicht stehen lassen und fordern den Kommentator Philip Bethge auf, die journalistischen Grundlagen einzuhalten und sich vorab besser zu informieren.

Ein Kommentar spiegelt die eigene Meinung des Kommentierenden wider – dagegen ist nichts zu sagen. Einen Kommentar aber als Keule einzusetzen, um seine eigenen ideologischen Ziele voranzutreiben, ist nicht in Ordnung.“

Die ISN betont, dass es in Deutschland eine bäuerlich geprägte Landwirtschaft mit Bauernfamilien gebe, die sich an sieben Tagen in der Woche, also 365 Tage im Jahr um ihre Tiere kümmern. Die überschaubaren Strukturen belegten allein schon die nackten Zahlen. Denn die Durchschnittsgröße eines Schweinebestandes liegt in Deutschland bei lediglich 1.000 Schweinen. Die Tierhalter mehr oder weniger direkt als Regime des Terrors zu bezeichnen, sei eine bodenlose Unverschämtheit. Die Nerven bei den Schweinehaltern und ihren Familien lägen ohnehin schon blank – die verbale Entgleisung des Kommentators sei deshalb menschenverachtend.

„Wenn Tierschutzvergehen in Betrieben auftreten sollten, dann ist daran nichts zu beschönigen. Die weit überwiegende Mehrheit der Tierhalter arbeitet mit voller Kraft und Überzeugung für das Wohlergehen ihrer Tiere. Ein guter Redakteur würde das bei der Bewertung der durch spendensammelnde Tierrechtsorganisationen illegal beschafften und passend zusammengestellten Bilder berücksichtigen“, so die ISN.

So kommentiert der Bauernverband SH den Fall

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