Betriebsleitung

Warum doch keine AG draus wurde

Viele Betriebe sind auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Durch die Gründung einer Aktiengesellschaft oder GmbH könnten sie klare Strukturen schaffen und das Haftungsrisiko begrenzen. Die Hürden für Landwirte sind aber hoch, wie die Bachelorarbeit von Loris Rapin zeigt.

Eine Aktiengesellschaft, das wäre doch die Lösung, sagte sich Loris Rapin (22) in Hinblick auf die geplante Hofübergabe 2026. So könnten sein Vater Oliver (53) Grundeigentümer bleiben, und die Bewirtschaftung des Betriebs inklusive Inventar würde in eine Aktiengesellschaft (AG) überführt. Er und seine Schwester könnte sich mit einem Aktienpaket beteiligen. Auch wäre die Haftung auf das Gesellschaftskapital beschränkt. Loris müsste aber zwei Drittel der Aktien von Vater Olivier vor dessen 65. Altersjahr übernehmen.

Loris ist nicht der Einzige, der sich Gedanken über eine AG macht. Christian Bernasconi, Agronom und Treuhänder, betreut in der gesamten Westschweiz Bauernfamilien. Zweimal pro Woche hat er Anfragen von Bauernfamilien, die eine Aktiengesellschaft oder GmbH gründen wollen. «In 19 von 20 Fällen kommt das aber nicht infrage», sagt Bernasconi. Die rechtlichen Hürden seien zu gross.

Loris Rapin kam auch bald zum gleichen Schluss. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit untersuchte er bis ins Detail drei Fallbeispiele:

Zum einem seinen väterlichen Betrieb in Corcelles-Payerne von 38 ha. Der Betrieb wirtschaftet viehlos. Der wichtigste Betriebszweig ist Ackerbau mit Schwerpunkt Kartoffeln, die zu einem grossen Teil direkt vermarktet werden.

Beim zweiten Betrieb handelt es sich um einen Milchwirtschaftsbetrieb. Der Betriebsleiter steht ohne Nachfolge da und ist entsprechend besorgt, was die steuerliche Belastung bei Erreichen des Rentenalters mit der Überführung des Geschäftsteils (Hof) ins Privatvermögen ausmachen wird.

Der dritte Hof ist ein vielfältiger Biobetrieb. Der grösste Teil dessen, was auf dem Hof gedeiht, wird direkt vermarktet beziehungsweise verarbeitet. Der Betriebsleiter möchte im Dorf einen Laden mit Verarbeitungsräumen bauen.

Hofübergabe mit AG?

Im Falle Rapins spielt der Artikel 3, Absatz 2c der Direktzahlungsverordnung hinein, wo festgeschrieben ist, dass der Buchwert des Pächtervermögens und der Buchwert des Gewerbes mindestens zwei Drittel der Aktiven der AG ausmachen müssen. Zum Betrieb Rapin gehören aber auch Bauland und Gebäude im Dorf, die zum Teil nichtlandwirtschaftlich genutzt werden. Diese würden aber über einen Drittel der Aktiven ausmachen – also verunmöglichen sie eine bäuerliche AG, die auch direktzahlungsberechtigt sein kann. Diese nicht-landwirtschaftlichen Bestandteile müssten dann aus der...