Wohnen

Wegziehen oder Wohnrecht?

Bei jeder Betriebsübergabe stellt sich früher oder später die Frage, wo die Eltern nach der Betriebsübergabe wohnen sollen. Wollen sie auf dem Betrieb bleiben, oder sollen sie ausserhalb eine Wohnung suchen? Das Konfliktpotenzial ist auf alle Fälle höher, auf dem Betrieb zu bleiben.

Der dritte Lebensabschnitt nach der Betriebsübergabe macht unter Umständen mehr als ein Viertel der gesamten Lebensdauer aus. Zentral für das Wohlbefinden und den Lebensstandard ist dabei das Wohnen. Üblich sind folgende Lösungen:

Die  Nutzniessung  verleiht den Eltern den vollen Genuss an der Wohnung. So können sie diese auch weitervermieten. Häufig wird aber dem Grundeigentümer ein Vormietrecht eingeräumt.

  • Das  Wohnrecht  besteht aus einem Recht, eine Wohnung oder einen Anteil einer Wohnung zu bewohnen. Es ist unübertragbar und unvererblich. Ausser Kraft tritt es spätestens mit dem Tod. Alternativ kann das Wohnrecht auch mittels einer Auflösungsvereinbarung aufgelöst werden, dabei müssen aber Alt und Jung ihr Einverständnis dazu geben.
  • Das Stöckli auf dem Betrieb zu mieten, entspricht einem «normalen» Mietrecht, ist also einseitig kündbar. Der Eigentümer kann den Mietvertrag unter der Einhaltung der gesetzlichen Frist auf den nächsten gesetzlichen Termin kündigen, wenn er dringenden Eigenbedarf geltend machen kann.
  • Eine weitere Möglichkeit ist der  Kauf von Wohneigentum ausserhalb  des Betriebs. Laut dem Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) dürfen von landwirtschaftlichen Gewerben nicht einzelne Grundstücke oder Grundstückteile abgetrennt werden – also können die Eltern auch nicht eine Zweitwohnung auf dem Betrieb zu Eigentum erwerben.

Es gibt auch  alternative Wohnlösungen  wie zum Beispiel Generationenhäuser oder Alterswohngemeinschaften. Diese sind heute in der Landwirtschaft kaum von Bedeutung.

Immer weniger Wohnrechte

Der Anteil der Wohnrechte lag laut der LANDfreund-Umfrage (4/2021) vor dem Jahr 2000 noch bei 48 %, sank bis 2018 auf 31 % und ab 2019 auf 28 %. Das Nutzniessungsrecht bewegt sich in all den Jahren zwischen 6 und 12 %. Anders sieht es mit den Mietlösungen auf dem Betrieb aus. So lag der Anteil vor 2000 noch bei 14 %. Nach 2019 hat sich der Anteil bis auf 32 % erhöht.

Der Anteil der abtretenden Generation mit Eigentumswohnungen stieg von 19 erst auf 25 %, und ab 2019 wird diese Wohnlösung gleich oft wie das Wohnrecht umgesetzt (28 %).

Geld gibt den Ausschlag

Das häufigste Entscheidungskriterium für die Wahl der Wohnlösung ist die finanzielle Situation der abtretenden Generation. Danach kommt der Wille der abtretenden Generation zum Tragen, gefolgt von den Sachzwängen beziehungsweise dem Angebot von Wohnraum auf dem Hof. Mit weitem Abstand folgen die...