Ohrmarken bei Schafen

Wer haftet bei abgefaulten Ohrmarken? Plus

Immer mehr Schafhalter klagen über Entzündungen bei ihren Tieren, nachdem sie neue Ohrmarken eingezogen haben. Den beteiligten Ämtern ist das Problem bekannt. Sie reagieren mit einem Merkblatt und dem Aussetzen der Nachmarkierungspflicht. Das reicht den geschädigten Bauern nicht.

Die gesetzlichen Vorgaben besagen, dass Schafe und Ziegen seit Januar 2020 in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) erfasst werden müssen. Die Bauern markieren deshalb ihre Tiere nach oder um. Sowohl bei adulten Tieren als auch bei Lämmern kommt es seitdem immer wieder zu schlimmen Entzündungen direkt an der Einzugsstelle der Marke. Die Entzündungen können so heftig sein, dass vereinzelt Lämmer verendeten. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) setzt seit Januar die Ohrmarken der deutschen Firma Allflex ein. Diese werden über die Identitas, die Betreiberin der TVD, an die Landwirte verteilt.

Fall Eins: 100 von 300

Schafhalterin Silvana Rosenberg (AG) besitzt eine Herde von 300 Tieren. Seit der Markierungspflicht halten sie Ohrentzündungen auf Trab. 100 Schafe ihres Bestandes sind betroffen, sowohl adulte Tiere als auch Lämmer. Desinfektons- und Antibiotikumspray gehören zur Grundausstattung. Bei zirka 50 Schafen musste sie die Marke herausschneiden. Die Stellen sind stark eitrig und wund. Starke nekrotische Veränderungen gehen damit einher. Fliegen und Maden belasten die Stellen. Kosten von Tierarztbesuchen, Arznei, Arbeitsstunden und Ohrmarken summieren sich.

Sie wendete sich an den Leiter der Sektion Schafe des Beratungs- und Gesundheitsdienstes für Kleinwiederkäuer (BGK), Dr. Sven Dörig. Ihre Hauptanliegen: das Wohl der Tiere, eine Lösung und die Kostenübernahme. Dörig leitete das Anliegen an das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) weiter. Die Kosten für die Nachbestellung der Ohrmarken wurden storniert.

Die Bäuerin wendet sich direkt an das BLV. Sie will eine Lösung. Dieses bietet ihr Unterstützung über den Veterinärdienst an und will ihr einen Amtstierarzt vorbeischicken, der den Betrieb begutachtet. Auszug aus dem Brief: «Gerne hätten wir einen Amtstierarzt bei Ihnen vorbeigeschickt, um die Gegebenheiten vor Ort anzusehen und, wenn möglich, gemeinsam eine Lösung zu suchen.»

Dagegen hat die Schafhalterin grundsätzlich nichts einzuwenden. Nur aktuell ist die gesamte Herde auf der Alp. Ausserdem schreibt sie dem Amt: «Ich brauche keine Belehrung, wie man eine Marke korrekt setzt.»

Seit 2007 züchtet sie Schafe. Zwischen Oktober und April sind rund 200 Lämmer im Stall. Ab Ende Mai zügelt der Bestand auf die Alp. Im gesamten Zeitraum der vergangenen 13 Jahre traten genau zwei Fälle mit kleinen Entzündungen am Ohr auf, resümiert sie. Silvana Rosenberg nimmt am Bekämpfungsprogramm Moderhinke des BGK teil.

Ohrmarkendorn zu kurz?

Silvana Rosenberg vermutet, die Ohrmarken seien für Schafe ungeeignet. Sie lägen zu eng an. Der Dorn sei zu kurz.

Der LANDfreund fragt bei Dr. Dörig nach. «Die mir bisher bekannten Fälle sind mit wenigen Ausnahmen nur beim Nachmarkieren von erwachsenen Schafen aufgetreten. Die Ohren von ausgewachsenen Tieren sind dicker als bei Jungtieren. Wenn die Ohrmarken nahe am Kopf eingesetzt werden, schliessen sie zu eng und können zu Entzündungen und zum Absterben des Gewebes führen....

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