Betriebsleitung

Wie eine junge Berlinerin an die HAFL kam

Annes Herz schlägt für die klein strukturierten Höfe. Tapfer und zielstrebig verfolgte sie den Weg zum Bachelor.

Anne Rosochatius eilt in ihren Bergstiefeln zur Alpwiese. Sie holt die Kühe heran. Fast eine Stunde plant sie dafür ein. Das Wetter ist an diesem Tag fast verwegen, recht neblig und dunstig. Das gab es diesen Sommer eher selten. Aber den Regen brauchten sie dringend. Mit drei jungen Leuten versorgte die HAFL-Studentin die Kühe auf der Alp Stavonas (Prada) bei Obersaxen GB. Die gebürtige Deutsche hat im September ihre Bachelorarbeit an der Hochschule für Agronomie und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) abgegeben und ist somit quasi fast fertig. Ihre Urkunde erhält Anne im kommenden Jahr. Sie ist stolz auf ihr Studium. Das kann sie auch, denn ihr Weg ist ungewöhnlich und bemerkenswert. Obwohl sie in Berlin aufgewachsen ist, entdeckte sie ihre Leidenschaft zur Landwirtschaft und zur Schweiz. Ferien auf einem Bergbauernhof in Südtirol mit den Eltern und ihrer Schwester legten den Grundstock. Nach dem Fachabitur zügelte Anne mit gerade 18 Jahren in den Kanton Graubünden. Auf drei verschiedenen Höfen verbrachte sie ihre Lehrjahre zur Landwirtin. Am Plantahof ging sie zur Schule.
Wir sitzen draussen vor der Hütte. In der Küche werkelt die Sennerin. An diesem Tag sind keine Wanderer unterwegs. Ansonsten herrscht reger Betrieb, Alpkäse und selbst gebackenes Brot servieren sie den Einkehrern hier oben auf 2000 m Höhe. Anne geniesst die Ruhe – mit wachen, tiefblauen Augen erzählt sie im Schweizer Dialekt, wie sie an die HAFL gekommen ist, was ihr schwergefallen ist und was sie an der Hochschule klasse findet. Französisch ist Voraussetzung, wenn du dort studieren möchtest. Deshalb entschied sie sich für eine Anstellungen auf einem Betrieb in der Nähe von Lausanne.Leider sprachen die Mitarbeiter dort viel Deutsch. «Das war nicht so toll.» Dennoch, sie meisterte auch diese Hürde.

Zuerst Unbehagen
Das Studium in Zollikofen startete sie mit Unbehagen. Fragen wie: Schaffe ich das? Reicht mein Wissen aus? Wie sind die Leute? beschäftigten sie. Die Umstellung von der Praxis auf die Schulbank empfand Anne als streng: «Von morgens um acht bis abends um fünf sitzen und zuhören – der andere Rhythmus hat mir viel Mühe gemacht. Überhaupt war es anfangs recht happig. Ich kannte niemanden. Einige kannten sich schon aus dem Vorstudienpraktikum.» Anne sagt mit leiser, aber gleichzeitig fester Stimme: «Ich habe dann schnell Leute kennengelernt.» Sie lobt das Engagement der Dozenten. «Sie haben immer ein offenes Ohr, und es ist kein Problem einen Beratungstermin zu erhalten.» Auch das Umfeld stimmt sie zufrieden. Sie mietete ein Zimmer im Studierendenwohnheim. Das fünfstöckige Gebäude ist direkt auf dem Campus und mit einem Gang direkt mit der Hochschule verbunden.

Traum: Betriebsübernahme
Anne wählte die Vertiefung Tier. Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht: «Ich war ziemlich hin- und hergerissen zwischen den Vertiefungen Nutztier- und Pflanzenwissenschaften. Beides finde ich sehr spannend. «Meins sind schon mehr die Tiere.» Sie entschied sich, ihre Bachelorarbeit über den Neubau von Ställen zu schreiben. Die junge Frau führte Erfahrungen von Bauern, die frisch gebaut haben, mit denen zusammen, die sich in der Planung eines Kuhstalls befinden. Ein Berater unterstützte sie. All das liegt hinter der Agronomin. Es gilt den Blick nach vorne zu richten.» In ferne Länder ziehe es sie nicht. Selbstbewusst sagt die Agronomin: «Das brauche ich nicht. Irgendwie möchte ich noch viel mehr Ecken von der Schweiz kennenlernen.» Aktuell absolviert die junge Frau ein Praktikum in Schüpfheim im Entlebuch. Ihr Traum ist es, irgendwann mal einen Betrieb zu übernehmen – am liebsten in Kombination mit der Alp.
 --> Zum Artikel: Agrarfakultäten punkten

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Artikel geschrieben von

LANDfreund

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