Kommentar

Wir haben genug Grundwasser

«Wir Bauern gehen sorgsam mit der Ressource Wasser um.» Ralf Bucher, Geschäftsführer Bauernverband Aargau

In einem Rundschaubeitrag von Anfang Juni wurde den Bauern vorgeworfen, sich nicht auf den Klimawandel einzustellen und Grundwasser zu übernutzen. «Die Bauern wappnen sich gegen die nächste Hitzeperiode und bohren nach Wasser. Wie nachhaltig kann das sein?», fragte die Moderatorin. Der Landwirtschaft wurde einseitig vorgeworfen, nicht nachhaltig zu sein, und das schon seit Jahrzehnten, denn trotz des Hitzesommers 2003 habe sich nichts geändert.

Stimmt das? Nein und Nein. Wir arbeiten seit jeher daran, sorgsam mit Wasser umzugehen. Das setzt jeder Landwirt auf seinem Hof um, vor allem im Futterbau mit Luzerne. Auch die kantonalen Bauernverbände suchen mit Gemeinde- und Kantonsbehörden nach zukunftsfähigen Lösungen.

Die Gretchenfrage «Haben wir in Zukunft genügend Wasser?» beantwortet das Bundesamt für Umwelt: «Der Bedarf an Trink- und Brauchwasser in der Schweiz beträgt aktuell lediglich etwa 7 % (1,3 km3) der jährlich nachhaltig nutzbaren Grundwassermenge. Auch wenn Grundwasser in grossem Masse zur Verfügung steht, kann es in Trockenzeiten lokal zu Versorgungsengpässen kommen.» Wir haben also genügend Wasser, aber nicht zu jeder Zeit am richtigen Ort. Deshalb muss man Infrastruktur wie Ringleitungen, Pumpen und Reservoirs so auslegen, dass Wasser an den richtigen Orten zur Verfügung steht. Dafür braucht es ein koordiniertes Vorgehen von Gemeinde und Kanton. Daran arbeiten wir im Aargau.

Wir fordern, dass man neben der prioritären Versorgung der Bevölkerung mit Wasser auch die Bewässerung von bewässerungswürdigen landwirtschaftlichen Kulturen im ganzen Kantonsgebiet sicherstellt. Dies in einer parteiübergreifenden Motion der bäuerlichen Vertreter, die im Grossen Rat eingereicht wurde.

Gemeinden und Wasserversorgungsgenossenschaften investieren in Zukunft aufgrund von längeren Trockenperioden in ihre Wasserinfrastruktur. Die Landwirtschaft muss in diese Planung miteinbezogen werden. Wertschöpfungsstarke Kulturen brauchen zuverlässige Bewässerungsmöglichkeiten. Das verlangen unsere Abnehmer. Zudem ist es nachhaltig, denn die hier verdorrten Lebensmittel müsste man sonst importieren. Mit den Nahrungsmitteln importieren wir indirekt Wasser aus Trockengebieten – und das ist kaum nachhaltig.

Es braucht noch viel Aufklärungsarbeit, um das der Bevölkerung zu vermitteln. Ob das mit Beiträgen in der Rundschau und im «Kassensturz» gelingt, ist fraglich. Meistens vermischt man dort «Kraut und Rüben». Wir müssen aktiv vor Ort die Bevölkerung, Konsumenten und Gemeindebehörden informieren. Beispielsweise warum ein Sprinkler im Hochsommer den ganzen Tag das Feld beregnet, aber der Einfamilienhausbesitzer seinen Rasen nicht mehr sprenkeln darf.

Wie unser Präsident Alois Huber am Fernsehen erklärt hat, steht den Bauern einer Region oft nur eine begrenzte Zahl von Beregnungsanlagen zur Verfügung, die sie untereinander ausmieten. Aber auch das ändert sich. Mit zunehmenden Trockenjahren wird die Bewässerungsinfrastruktur ausgebaut und in Technik investiert. So wird das Bewässern effizienter. Ja, unsere Branche setzt alles daran, mit Wasser sorgsam umzugehen.

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Artikel geschrieben von

Ralf Bucher

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