Studie Schweizer Zucker

Wollen wir uns Schweizer Zucker leisten?

Die Schweizer Zuckerwirtschaft ist aufgrund tiefer Preise und dem daraus folgenden rückläufigen Rohstoffangebot unter Druck. Eine unabhängige Studie zeigt auf, dass bei anhaltend tiefen Zuckerpreisen allein mit Optimierungsmassnahmen in Anbau und Verarbeitung oder der Schliessung einer Zuckerfabrik die Gewinnschwelle nicht erreicht werden kann.

Die Schweizer Zuckerwirtschaft ist aufgrund tiefer Zuckerpreise und dem daraus folgenden rückläufigen Rohstoffangebot unter Druck. Eine unabhängige Betriebswirtschaftsstudie zeigt auf, dass bei anhaltend tiefen Zuckerpreisen allein mit Optimierungsmassnahmen inAnbau und Verarbeitung oder der Schliessung einer Zuckerfabrik die Gewinnschwelle nichterreicht werden kann. Dazu braucht es eine breite Palette an Massnahmen unter Einbezug aller Partner.

Die Empfehlungen der Studienverfasser an die Zuckerbranche sind in der Kurzfassung:

Die Rübenmenge muss abgesichert werden

Die Betriebswirtschaftsstudie enthält acht Empfehlungen, welche Vorschläge zur Sicherung der Rübenmengen, Optimierungsmassnahmen entlang ganzen Wertschöpfungskette, Klärung von Fragen zur Wirtschaftlichkeit im Rübenanbau, einen ausgebauten Vertragsanbau, Standortfragen, sowie eine konsequentere Ausnutzung der regulatorischen Spielräume umfassen. Mit der erfolgreichen Umsetzung dieser Massnahmen soll es gelingen, die Schweizer Zuckerproduktion zu erhalten. Aspekte wie Nachhaltigkeit, agronomische Gesichtspunkte oder volkswirtschaftliche Betrachtungen wurden in der Studie nicht berücksichtigt.Der Branche eröffnet sich nun die Möglichkeit, auf Basis der vorliegenden Betriebswirtschaftsstudie, in den kommenden Monaten eine nachhaltige Strategie für Schweizer Zucker zu entwickeln. Diese bildet auch eine Grundlage für die Diskussionen über die politischen Rahmenbedingungen.

  • Optimierungsmassnahmen umsetzen («Optimierungsszenario»)
  • Inländisches Rübenvolumen auf über 1,4 Mio. Rübentonnen absichern und Beschaffung entsprechend ausrichten
  • Rückwärtsintegration im Anbau als Plan B aufbauen Wirtschaftlichkeit Zuckerrübenanbau belegen «1-Werk-Szenario» nicht weiterverfolgen
  • Mittelfristig Stützung für Schweizer Zucker politisch verankern
  • Regulatorischen Spielraum nutzen bzw. öffnen
  • Den Ausstieg aus Schweizer Zucker andenken

Hier der ausführliche Text zur Studie:

In der Schweiz bauen aktuell 4500 Landwirte auf rund 18'000 Hektaren Zuckerrüben an. Diese werden von der Schweizer Zucker AG in Frauenfeld und Aarberg jährlich zu rund 250 000 Tonnen Zucker verarbeitet. Damit werden durchschnittlich 70% des Schweizer Gesamtbedarfs abgedeckt. Die restlichen 30% werden importiert. Durch die bilateralen Verträge ist der Zuckerpreis in der Schweiz eng mit demjenigen der EU verknüpft. Die Zuckerproduktion in der EU war bis vor zwei Jahren durch Anbaubeschränkungen bestimmt. Mit der 2017 erfolgten Aufhebung der Zuckerquoten in der EU wurde die Produktion stark ausgedehnt. Die Folge sind stark sinkende Preise und eine Angleichung des EU-Zuckerpreises an den Weltmarktpreis. Auch der Weltmarkt wird phasenweise durch eine Überproduktion bestimmt. Dies führt zu einem tiefen Preisniveau, welches auf den Schweizer Markt durchschlägt. Zudem hat der seit Jahren stärker werdende Franken immer günstigere Zuckerimporte zur Folge. Die historisch tiefen Zuckererlöse wirken sich in sinkenden Zuckerrübenpreisen aus. Diese und verschiedene agronomischeHerausforderungen vermindern die Anbaubereitschaft der Landwirte. In Folge wird die Auslastung der beiden Zuckerfabriken reduziert.

Externe Studie als Teil des Unterstützungspaketes

Zu Beginn 2019 setzte der Bundesrat als temporäre Stützungsmassnahmen einen Mindestzoll von CHF 70 pro Tonne Zucker sowie eine Erhöhung des inzelkulturbeitrages von CHF 300 pro Hektare Zuckerrüben in Kraft. Mit der Befristung bis 2021 räumte er der Zuckerwirtschaft drei Jahre Zeit ein, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die Zuckerwirtschaft erklärte sich bereit, dafür vorgesehene Reserven zur Preisunterstützung einzusetzen und mittels externer Studie den Rübenanbau und die Zuckerwirtschaft auf Optimierungspotenziale zu durchleuchten. Die Resultate der betriebswirtschaftlichen Studie liegen nun vor. Das „System Schweizer Zucker“ wurde entlang der Wertschöpfungskette vom Feld, über die Logistik und Zuckerrübenverarbeitung in den beiden Fabriken, bis hin zum Tor der Abnehmer auf Optimierungspotenziale untersucht. Die Daten flossen in eine Modellrechnung ein. Damit wurden verschiedene Szenarien berechnet. Die Arbeiten wurden von einem breit abgestützten Lenkungsausschuss begleitet.Der Branche eröffnet sich nun die Möglichkeit, auf Basis der vorliegenden Betriebswirtschaftsstudie,in den kommenden Monaten eine nachhaltige Strategie für Schweizer Zucker zu entwickeln. Diese bildet auch eine Grundlage für die Diskussionen über die politischen Rahmenbedingungen.

Kostennachteile hauptsächlich in Anbau und Logistik

Die Resultate zeigen, dass die Zuckerwirtschaft im aktuellen Preis- und Kostenumfeld defizitär ist, obwohl die Zuckerproduktion bei vergleichbarer Auslastung mit der Kostenstruktur ausländischer Konkurrenz gut mithält. Die wirtschaftlichen Probleme des Zuckerrübenanbaus und der Zuckerproduktion lassen sich mit reinen Optimierungsmassnahmen nicht lösen. Im Rübenanbau führen kleinere Flächenstrukturen und hohe, aus den Gemeinkosten dem Zuckerrübenanbau zugeschlagene Maschinen- und Gebäudekosten, zu höheren Kosten als in der EU. Die Schliessung einer Fabrik hätte aus betriebswirtschaftlicher Sicht keinen positiven Effekt auf die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Zuckerproduktion. Die grundsätzlichen Kostennachteile aus dem Zuckerrübenanbau würden damit nicht gelöst, da die Logistikkosten für die Zuckerrüben, die produzierten Futtermittel sowie den Zucker massiv steigen würden. Demgegenüber würden die Aufwände des Bundes für die Einzelkulturbeiträge für Zuckerrüben im Ein-Werk Szenario aufgrund des Flächenrückganges sinken. Eine Verarbeitungsmenge zwischen 0,9 Mio. (ein Werk) bis 1,4 Mio. (zwei Werke) Tonnen Zuckerrüben bezeichnet die Studie als «No-Go-Zone», weil Kostensteigerungen die Mehrerträge übertreffen würden.

Weiter zeigt die Studie die hohe Preiselastizität im Rübenanbau deutlich. Ein weiter sinkender Rübenpreis hätte einen starken Flächenrückgang zur Folge. Es braucht, nebst der Realisierung der festgestellten Kostensenkungspotenziale, einen angemessenen Zuckerpreis, der die Mehrwerte von Schweizer Zucker wiederspiegelt.

Fotos: Neues bei der Gülleausbringung für 2020

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Artikel geschrieben von

Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer

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