Zu Gast auf dem Weierhof

Boomende Hofläden während der Pandemie: Handelte es sich um eine Eintagsfliege oder einen Megatrend? Wie nun diese Laufkundschaft zu Stammkunden machen? Antworten darauf gaben zwei Bauernfamilien und der Schweizer Bauernverband.

Auf Einladung des Schweizer Bauernverbands besuchten heute Medienschaffende die Familie Grütter in Subigen. 60% ihres Umsatzes erwirtschaften sie mit der Direktvermarkung. An Initiativgeist und Projekten mangelt es Sandra und Roland Grütter nicht. Das Bauernpaar übernahm 2005 den elterlichen Betrieb in Seeberg (BE). Kurz darauf verkauften sie die ersten selbst produzierten Spargeln – ihre Seeberger Spargeln. Zeitgleich setzten sie auf Eventgastronomie und führten Konsumenten durch die Spargelfelder. Alljährlich organisieren sie ein Spargelfest, wo bis zu 1500 Besucher teilnehmen.

2018 pachten sie den Leinacherhof in Subigen (SO) dazu. Pflanzten eine Beerenplantage, ein Blumenfeld und betreiben dort den Hofladen. Geplant ist beide Hofläden, auch jenen in Seeberg, ganzjährig geöffnet zu haben. Die tolle Produktepalette steht schon bereit. Leitprodukt im Frühjahr sind die Spargeln, im Sommer die Beeren und im Herbst die Kürbisse.

«Wir sind nicht am Dorfrand oder einer Durchgangsstrasse gelegen. Die Besucher müssen uns finden», sagt Roland Grütter. Das war während des Corona-Lockdowns kein Problem, der Umsatz betrug das Drei- bis Vierfache des üblicherweise erwirtschafteten. Nach Ende des Lockdowns seien 20 bis 30 % der Neukunden geblieben, schätzt der Betriebsleiter. Das Ziel ist, die Stammkundschaft zu erweitern. Dass es Grütters gelingen wird, bezweifelt niemand. Ihre Grundsätze sind:

  • mit Herzblut dabei sein, halbe Sachen verträgt es nicht
  • Qualität muss stimmen
  • der Preis muss fair sein
  • den Hof und die Produkte zu einer Marke aufbauen
  • Know-how erwerben im Bereich Anbautechnik, Marketing und allem, was dazugehört.

Auch Mireille Ducret ist mit Herzblut Direktvermarkterin. Ihr Betrieb befindet sich in Ecublens (VD). Bis zum 15. März 2020 verkauften sie ihre Produkte am Donnerstagnachmittag auf dem Bauernhof und am Samstag auf dem Markt in Lausanne. Dann hiess es umorganisieren. Die Konsumenten standen Schlange vor ihrem Hofladen. Das Verkaufsvolumen verdreifachte sich. Seit der Lockdown aufgehoben ist, hat sich der Ansturm beruhigt. «Es liegt an uns, kreativ zu sein und Strategien zu entwickeln, um diese neue Klientel zu ermutigen, weiterhin direkt bei uns Bauernfamilien einzukaufen», sagt Mireille Ducret. Unterstützung hat das Betriebsleiterpaar von ihren Kindern. So hätten sie via Soziale Medien Umfragen gemacht: Welche Öffnungszeiten erwünscht seien (lange Öffnungszeiten, Selbstbedienung) oder zur Sortimentsgestaltung (begehrt ist Pouletfleisch). Als wichtig erachtet die Bäuerin, dass man trotz Selbstbedienung sich regelmässig im Hofladen zeigt. So komme man mit den Kunden ins Gespräch und könne ihnen die Landwirtschaft näherbringen.

Der Schweizer Bauernverband unterstützt die Bauernbetriebe, damit sie den Rückenwind in der Direktvermarktung nützen können, beispielsweise mit

  • vomhof.ch, kostenlose Plattform für Direktvermarkter
  • Zusammenarbeit mit Twint
  • Spezialprojekt LandGastWirt
  • Verpackungsmaterial
  • Zusammenarbeit mt Too Good to go

Aktuell prüft der Schweizer Bauernverband ein Engagement im Projekt „Hoflädeli 24“, das technisch versierte Verkaufsautomaten sowie eine App mit Bezahlmöglichkeit anbietet.

Immer mehr Bauernbetriebe steigen ein

Laut Bundesamt für Statistik beträgt der Anteil Betriebe mit Direktvermarktung rund 21 %. Allerdings stammt die Datenerhebung aus dem Jahr 2016. „Setzt man die Entwicklung fort, dann ist heute jeder vierte Landwirtschaftsbetrieb in der Direktvermarktung aktiv,“ sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter. Mit dem Corona-Ausnahmezustand entdeckten neue Menschen dieses Angebot. "Der Ausnahmezustand hat aus unserer Sicht einen schon länger bestehenden Trend verstärkt. Das zeigt auch eine Befragung der Fachhochschule Luzern nach dem Abflauen der ersten Coronawelle. Gemäss dieser will die Bevölkerung auch nach Corona beim Einkaufen mehr auf Regionalität achten und mehr in Bauernhofläden einkaufen. Der Corona-Boom in den Hofläden dürfte keine Eintagesfliege sein, sondern ein Megatrend, der bleiben wird“, schloss SBV-Direktor Martin Rufer.