Ganz Persönlich: David von Ballmoos

«Das Team zählt»

Was Bauern leisten, weiss er zu schätzen.
Was Bauern leisten, weiss er zu schätzen.

YB Goalie David von Ballmoos: geerdet, konzentriert, supersympathisch. Er kommt vom Hof auf der Lueg im Emmental. Was Bauern leisten, weiss er zu schätzen.

David ist sparsam mit Interviews. Deshalb ein besonderes Ereignis für den LANDfreund.
Foto: Sheila Lang
 
Zur Person
Name: David von Ballmoos
Alter: 23 Jahre
Ausbildung: Landmaschinenmechaniker, Profifussballer, Goalie bei BSC Young Boys
 
 
Welche Tugenden vom Hof nimmst du mit aufs Feld?
David von Ballmoos: Auf dem Hof funktionierst du als Team – das ist auf dem Platz mit der Mannschaft nicht anders. Der Zusammenhalt innert der Familie, das Einander-Helfen kommt mir sicher im Teamsport zugute. Ackern auf dem Feld ist wie hart trainieren auf dem Platz. Sich durchbeissen, auch mal Drecksarbeit zu machen, all das kenne ich von zu Hause.
 
Stichwort Drecksarbeit – worauf hattest du zu Hause so gar keinen Bock?
Meine Geschwister und ich hatten einen guten Deal: Sie die Tiere – ich die Maschinen. Das kam allen entgegen.
 
Spielte Fussball in eurer Familie schon immer eine Rolle?
In unserer Familie ist Sport sonst nicht so ein Thema – eher Musik oder andere Hobbys.
 
Warum?
Auf dem Hof bist du den ganzen Tag in Bewegung. Dennoch begeisterte mich das Fussballspielen, inspiriert durch einen guten Schulfreund in der dritten Klasse. Meine Eltern erlaubten mir, dass ich zweimal die Woche ins Training fahren konnte. Sie fanden, das sei eine gute Abwechslung für mich zu dem, was ich sonst machte.
 
Gab es mit den Geschwistern Stress von wegen «der drückt sich vor der Arbeit»?
Sicher, aber erst, als ich bei YB schon relativ hoch drin war. Es galt die Abmachung, dass ich meine Arbeit auf dem Hof erledige. Als ich den Profivertrag unterschrieb, wurde die Zeit knapp: intensives Training, Lehre und Match am Wochenende. Meine Eltern haben das sofort verstanden. Sie haben mich unterstützt, so viel sie konnten.
 
Und wenn Not am Mann ist …?
Sie wissen, dass ich mich auf den Fussball konzentriere. Mein Vater kickt mich manchmal an und sagt, morgen steht das und das an, aber ihm ist schon klar, dass das nicht mehr drinliegt. Mein jüngerer Bruder wird den Betrieb weiterführen und wohnt bei den Eltern.
 
Was bedeuten für dich der Hof und deine Herkunft aus einer bäuerlichen Familie?
Das ist noch mein «Zuhause», auch wenn ich dort nicht mehr wohne. Es ist unser Familientreffpunkt. Dort bin ich aufgewachsen, habe die Traditionen kennengelernt, die ich auch leben möchte. Ich muss das vielleicht nicht unbedingt prominent nach aussen tragen. Aber es ist mir wichtig, es an die nächste Generation weiterzugeben.
 
Young Boys, Champions League, Schwiizer Nati … wow, eine ganz andere Welt, die du da eroberst. Was fühlst du?
Für mich ist das eine Momentaufnahme, die ich sicher geniesse. Ich habe enormen Spass und Freude, das will ich nicht verleugnen. Aber ich weiss auch, woher ich komme, und das verliere ich nie aus den Augen. Mir ist bewusst, es gibt Leute, die haben es viel schwieriger, haben es noch viel schwieriger als meine Eltern. Dass weiss ich sicher zu schätzen. Die Fans sehen die Mannschaft auf dem Platz. Sie sehen nicht, was dahintersteht: Eine aufwendige Organisation, ein Team, das funktionieren muss und uns schlussendlich den Erfolg ermöglicht. Das führe ich mir immer wieder vor Augen – eben wie auf dem Hof oder in der Werkstatt.
 
Apropos Werkstatt – auf welche Reparatur warst du besonders stolz?
Als ich das erste Mal ein Getriebe flicken durfte. Ich stand davor und dachte, das ist jetzt krass; hunderttausend Zahnräder. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als der Traktor wieder rauslief. Ich war mächtig stolz.
 
Deine Lehre ist dir wichtig, weil …
Ich auch dadurch die Relation zum Geld nicht verloren habe. Im Profifussball redet man immer von Geld – klar, das ist auch für mich ein schöner Nebeneffekt. Im ersten Lehrjahr bin ich für 600 CHF arbeiten gegangen, und ich weiss, was 100 CHF wert sind. Für mich ist wichtig: Was haben meine Eltern, was müssen sie leisten, um 100 CHF zu verdienen?
 
Wen würdest du gerne mal treffen?
Mit Olli Kahn mal einen Kaffee zu trinken, wäre schon cool.
 
Interessierst Du Dich noch für die Technik?
Klar - ich habe noch immer Freunde aus der Branche und die lustigen Sprüche sind auch geblieben. Einzig, ich habe den Überblick verloren, was es im Moment an Neuheiten gibt. Immerhin liegt der Abschluss meiner Lehre jetzt schon vier Jahr zurück.

Deine Torwartkollegen Yann Sommer spielen bei Borussia Mönchengladbach, Roman Bürki bei Borussia Dortmund. Wann geht es für Dich ins Ausland?
Es ist sicher ein Traum von mir, auch irgendwann im Ausland spielen zu dürfen, aber ich bin mir durchaus auch bewusst, was es dazu braucht. Yann und Roman zeigen mir, dass Du über viele Jahre hinweg sehr gute Spiele zeigen musst. Dort sehe ich mich noch nicht. Zudem durfte ich gerade einen langfristigen Vertrag bei YB unterzeichnen. Ich will hier meinen Beitrag leisten, und vor allem eine erfolgreiche Zeit haben.

Wo siehst du als Goalie vor allem deine Stärken?
Ich mag, den Zweikampf und vor allem wenn ich meine ganze Körpergrösse einsetzen kann. So, dass ich eben die Fläche komplett nutzen kann. Ich selbst schätze meine Reaktionsstärke für meine 1.92 ziemlich gut.

Und Schwächen?
Ich bin eigentlich nie mit mir zufrieden. Es gibt immer was zu verbessern. Dies wird mir bis zum Ende meiner Karriere nie ausgehen, und das ist das Schöne.

Erzähle uns von deinem Alltag?
Wir haben aktuell eine spannende Zeit: zwei Spiele pro Woche Liga und Champions League. Morgens trainiere ich, nachmittags regeneriere ich und versuche mich zu entspannen. Ich bin dann einfach zu Hause. Für Leute, die mit Fussball nichts zu tun haben, teilweise schwer nachvollziehbar. Auch mental ist diese Zeit sehr intensiv, du musst die ganzen Spiele verarbeiten, und dich dann schon wieder auf das nächste konzentrieren. Das raubt unglaublich viel Energie.

Stichwort Energie – worauf achtest du als Hochleistungssportler bei der Ernährung?
Ich habe klare Vorstellungen, was ich ab zwei Tage vor dem Spiel esse: Dann liegt viel Fleisch und Kohlenhydrate auf dem Teller. Fastfood ist für mich während der Saison ein NoGo.

Achtest du dann auf regionale Produkte?
Ja, sehr, weil ich das auch von zu Hause kenne. Es betrifft jetzt nicht gerade meine Eltern direkt, weil sie kein Fleisch verkaufen, aber ich schaue schon, wenn ich die Möglichkeit habe, heimische Produkte zu kaufen.

Wenn Du im Match zwischen den Pfosten stehst, was denkst Du?
Das drum herum ist ziemlich ausgeblendet – abseits der Seitenlinie ist fertig bei mir. Ich nehme keine einzelnen Personen auf der Tribüne wahr.

Heizt Dich die Stimmung im Stadion an?
Klar -, wenn es im Stadion kocht, pusht mich das enorm.

YB spielt Champions League – am 7. November steht das Rückspiel gegen Valencia an. In drei Spielen habt ihr einen Punkt geholt.
Wir sammeln auf europäischer Ebene Erfahrungen: mit unserer jungen Mannschaft im ganzen Verein vor und hinter den Kulissen, letztlich auch die Fans. Sicher haben wir uns bis jetzt noch nicht so präsentiert wie wir das wollten, trotzdem spielen wir einen coolen Fussball und verstecken uns jetzt nicht gegen MANU oder JUVE.

Und was denken die Fans?
Die stehen komplett hinter uns. Das ist einfach klasse. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, den Fans begegnet, sind sie trotz der Niederlagen happy. Es geht in erster Linie ums dabei sein.

Was ist Dir wichtig für Dein Leben?
Irgendwann, wenn die Zeit reif ist, eine Familie zu gründen. Etwas zu hinterlassen und an die nächste Generation weiterzugeben. Dazu gehört einen Baum pflanzen und ein eigenes Heim beziehen. Das lebt mir mein Vater vor und beeindruckt mich.
 
Vielen Dank für das eindrückliche Gespräch.
Kirsten Müller
David hat sich im Spiel gegen Zürich am 20. Oktober verletzt. Das Interview führten wir am 18. Oktober, also kurz davor. Der LANDfreund ist froh, dass es David laut Stefan Stauffiger, Kommunikationschef bei YB, schon wieder viel besser geht.
Wir wünschen ihm sehr, dass er schon bald wieder topfit zwischen den Pfosten im Stade de Suisse stehen kann. David, gute Besserung wünscht Dir das gesamte Team vom LANDfreund.

Schlagworte

David, Hause, sicher, Eltern, weiss, Ballmoos, Goalie, Fussball, Fans, Drecksarbeit

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