Imker sauer

COPA und COGECA drängen auf Novellierung der EU-Honigrichtlinie

Die Rückgänge der EU-Honigproduktion lagen dieses Jahr zwischen 10 % bis 15 %. Stattdessen drängen „Mischungen von Nicht-EU-Honigen“ auf den Markt. Die Kennzeichnungsregeln sind lasch.

Nach einem „katastrophalem Erntejahr“ für die Imker in der Europäischen Union drängen die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) die Brüsseler Kommission dazu, die geplante Anpassung der EU-Honigrichtlinie schnellstmöglich anzugehen.

Wie die Dachverbände berichteten, belaufen sich die Rückgänge der Honigproduktion im Vergleich zu 2020 auf 10 % bis 15 %. Neben den schlechten Witterungsbedingungen mache den Imkern in der EU auch der wachsende Importdruck aus den Drittstaaten zu schaffen.

Erneut kritisierten COPA und COGECA die geltenden Kennzeichnungsregeln. So müssten gemäß der EU-Honigrichtlinie von 2001 sortenreine Honige präzise mit Angaben über die Honigart und über das Herkunftsland etikettiert sein. Für Honiggemenge verschiedener Herkünfte reichten dagegen Bezeichnungen wie „Mischung von Nicht-EU-Honigen“ sowie „Mischungen von EU-Honigen“ oder „Mischungen von EU- und Nicht-EU-Honigen“. Diese Kennzeichnungsvorschriften benachteiligten die europäischen Honigproduzenten erheblich. Die Kommission müsse diesen Missstand daher dringend angehen.

Dieses Jahr haben laut COPA und COGECA extreme Wetterereignisse die Blüte- und Flugzeiten der Bienen erheblich verkürzt und damit die Honigproduktion negativ beeinflusst. Verwiesen wird in dem Zusammenhang auch auf die zunehmenden Waldbrände in Griechenland sowie die Überschwemmungen in Belgien und Deutschland. Währenddessen würden die Honigeinfuhren immer weiter steigen. Aufgrund der Herkunftsbezeichnungen sei dies für die Verbraucher nicht einmal transparent nachzuvollziehen, monierten die beiden Dachverbände.

Etikett

Auf der Rückseite eines Honigglases steht "Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern" zu lesen. Aus welchem Land der goldgelbe Honig auf dem Frühstücksbrötchen stammt, ist oft schwer zu sagen - es steht nicht immer auf dem Glas. Das wollen nicht nur Verbraucherschützer und Imker ändern. (Bildquelle: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)

Fast 175.000 t eingeführt

Einem aktuellen Bericht der EU-Kommission zufolge haben die Honigeinfuhren aus Drittstaaten tatsächlich weiter zugenommen. Im Jahr 2020 wurden 174.885 t in die Gemeinschaft eingeführt, was einem Plus von 4,7 % gegenüber 2019 entsprach.

Der Hauptlieferant von Honig in die EU war zuletzt die Ukraine, die ihren Marktanteil von 24,3 % im Jahr 2018 auf 31,3 % im Jahr 2020 steigern konnte. Der durchschnittliche Preis für ein Kilogramm Honig ist in der Ukraine unterdessen von 1,83 € im Jahr 2018 auf 1,53 € im vorigen Jahr gesunken. Das gilt auch für den zweitwichtigsten Lieferanten China. Dort gaben die Preise für ein Kilogramm Honig im Mittel von 1,51 € im Jahr 2018 auf 1,38 € im Jahr 2020 nach. Dagegen beliefen sich die mittleren Produktionskosten in der EU auf 3,5 € bis 4 € pro Kilogramm Honig.

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