Direktvermarkter werden zu Influencern

Direktvermarkter betreiben über Facebook und Instagram nicht nur Kundenbindung, sondern bringen mit einem tollen Mix von Idylle und moderner Landwirtschaft der übrigen Bevöllkerung den bäuerlichen Alltag näher.

Beste Qualität, wunderschön präsentiert in einem coolen Hofladen, auch in Sichtweite der Kunden – braucht es dennoch Social Media? Ja, denn so pflegt man den Austausch mit den Stammkunden und findet Neukunden, was auf jeden Fall umsatzwirksam ist. Davon zeigten sich die beiden Rahels am gestrigen Ostschweizer Direktvermarktungsstamm überzeugt. Rahel Brütsch aus Barzheim (SH) hat sich mit ihrer Familie auf Kürbiskernöl spezialisiert. Sie sagt: „Je aktiver wir auf Facebook und Instagram unterwegs sind, desto mehr Bestellungen haben wir im Online-Shop.“ Und Rahel Osterwalder vom Hof Waldau in Aadorf ergänzt: „Ja, Social Media ist wichtig, vor allem wenn man wie ich 2018 neu mit dem Hofladen gestartet bin.“ Zudem seien die Nutzung von Facebook und Instagram gratis, und für den Betrieb entstehen keine Kosten.

Rahel Osterwalder war Gastgeberin bei gestrigen Ostschweizer Direktvermarktungsstamm. Die Bäuerin hat 2018 den Hof von ihren Eltern übernommen und mit dem Hofladen klein angefangen. Heute präsentiert sich ein Bijoux in einem kleinen Häuschen mit einem vielseitigen Sortiment. Leaderprodukt sind die Eier. Zu ihren 90 Hühnern, die alle auf ihr Kommando hören, gesellt sich seit August ein Baier-Stoi-Mobilstall, der die Eierproduktion ankurbeln wird. Der Zeitaufwand für ihre Social-Media-Kanäle Facebook und Instagram betrage höchstens eine Stunde pro Woche. Sie erledigt alles mit dem Handy. Fix ist auch Rahel Brütsch. Sie hat neben ihrem privaten Facebook- auch einen sogenannten Facebook-Business-Channel. Der Vorteil ist, dass mehrere Administratoren News posten können, das machen denn auch ihr Schwager und die übrigen Familienmitglieder.

Beide finden, dass Direktvermarkter, nicht nur im Internet vernetzt sein müssen, sondern auch persönlich mit dem Dorf und der Region. Nützlich sei es, wenn frau ab und zu in den Printmedien erscheine. Darauf solle man achten:

  • kurze Meldungen mit schönen Bildern
  • alle Personen, die auf den Bildern sind, anfragen, ob das o.k. ist – auch die Mitarbeiter
  • selbst für Aktionen und Gesprächsstoff sorgen: Rahel Brütsch hat beispielsweise ein Kürbiskern-Kochbuch mit ihren Lieblingsrezepten veröffentlicht, das innert kürzester Zeit verkauft war. Von Zeit zu Zeit postet sie auch Rezepte.
  • Posts von anderen liken und kommentieren – so baue man eine sogenannte Social-Media-Community auf. Man stelle sich mal vor, alle 80 Teilnehmer des Ostschweizer Direktvermarktungsstamm würden sich untereinander vernetzen – was für eine tolle Community das gäbe!

Den Usern gefallen idyllische Bilder, ebenso wichtig sei es, die Realität in der Landwirtschaft aufzuzeigen. Mit einem guten Mix zwischen Idylle, Tradition und moderner Landwirtschaft betreiben die beiden Bäuerinnen Öffentlichkeitsarbeit. Sie bringen den Kunden durch ihre Präsenz auf Facebook und Instagram die Landwirtschaft näher, werden zu Influencern und Sympathieträger für eine aktive Landwirtschaft.

Den gestrige Ostschweizer Direktvermarkterstamm organisierten Veronique Keller vom Strickhof, Isabella Schär vom landwirtschaftlichen Zentrum Salez, Rahel Brütsch vom Charlottenfels, Jeannette Stadelmann von den beiden Appenzell zusammen mit Bernhard Müller vom Arenenberg. Teilgenommen haben rund 80 Personen. Auch mit Corona-Schutzmasken funktionierte der Erfahrungsaustausch, wozu natürlich die Verpflegung, das feine Lunchpaket, offeriert vom Verein Projekt Regionale Entwicklung Tannzapfenland, beitrug.