Sömmerung

Käseteilet ganz privat

Der Käseteilet im Justistal (BE) zieht jedes Jahr über 1000 Personen zu den Käsespychern, aus denen der Käse des Sommers herausgenommen und zum Teilen aufgestapelt wird. Da die Vorgaben bezüglich der Eindämmung von Covid-19 nicht hätten eingehalten werden können, mutierte der Grossanlass zu einem privaten Fest unter ÄlplerInnen und BäuerInnen.

Vieles war anders am Mittwoch 16. September, dem ersten Tag des Käseteilet im Justistal. Der Zeitdruck am Morgen war gering. Man musste nicht vor den grossen Menschenmassen im Justistal sein.

Weil die Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19 nicht umsetzbar gewesen wären, beschlossen die Verantwortlichen der Alpgenossenschaften, den Käseteilet 2020 unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen. Dazu gehört, dass der Käseteilet nicht am Freitag vor dem Dank-, Buss- und Bettag durchgeführt wird, sondern am gestrigen Mittwoch und dem heutigen Donnerstag 17. September. Gestern wurde der Käse von den Alpen Oberhofen, grosser Mittelberg, Flühlauenen, Spycherberg und Grön geteilt. Heute sind der Sigriswilerberg, Rossschatten, kleiner Mittelberg und Büfel an der Reihe. Die Kühe treten heute von allen Alpen gemeinsam den Weg zurück nach Hause an. Geschmückt und mit Glocken behangen laufen sie ab 13:30 gestaffelt von jeder Alp los.

In einem normalen Jahr wäre die Menschenmasse dicht um den Käse gedrängt. (Bildquelle: Sarina von Allmen)

Normalerweise strömen am Tag des Käseteilet tausende von Menschen ins Justistal und scharen sich um die verschiedenen Käsespycher. Heuer fühlte man sich schon fast einsam auf dem Weg in das Tal ohne Wanderer links und rechts von der Strasse, welche freudig dem Käseteilet entgegenlaufen.

Der Spycherberg hielt seinen Teilet bei der Alphütte ab. (Bildquelle: Sarina von Allmen)

Für einmal hatte man viel Platz um den Spycher herum, von wo aus der Käse von Hand zu Hand bis zu den Balken wandert, wo der Käse zu sogenannten Losen aufgestapelt wird. Bis zu sieben Tonnen Käse pro Alp kamen so vor die Augen der wenigen Zuschauer. Nachdem der Verantwortliche der jeweiligen Alp seine Gedanken zum Sommer und dem Teilet verkündet hatte folgte der Höhepunkt des Käseteilet: Die Verteilung der Lose an die Landwirte und Landwirtinnen, welche ihre Kühe auf der jeweiligen Alp gesömmert haben. Dies geschieht nach dem Zufallsprinzip. Die Älplerin oder der Älpler geht durch die Reihen von Käse, zieht Plaketten mit den Namen der LandwirtInnen und verkündet laut, wem das betreffende Los nun gehört. Für die Älpler und Älplerinnen ist dies jeweils ein berührender Moment und man kann beobachten wie der eine oder die andere eine kleine Träne verdrückt, während die Bauern und Bäuerinnen ihren Käse auf die geschmückten Wagen hieven.

Glücklich verladen die Bauern und Bäuerinnen ihren Käse auf ihre Wagen. (Bildquelle: Sarina von Allmen)

Zur Feier des Tages werden die Wagen schön mit Blumen geschmückt. (Bildquelle: Sarina von Allmen)

Die Stimmung war heiter und gemütlich und man könnte fast sagen: alle genossen es ihren Käse für einmal in einer etwas privateren Runde zu teilen.

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