Von Top bis NoGo

Tierwohl in der Gemeinschaftsgastronomie

Beim Lebensmitteleinkauf für die Gemeinschaftsgastronomie kommt dem öffentlichen Sektor, den Beschaffungsstellen in Gemeinden, Städten und staatsnahen Betrieben, eine Vorbildfunktion zu. Der Schweizer Tierschutz befragte dazu die grössten Schweizer Städte und staatsnahe Betriebe. Die Resultate sind teils erfreulich, teils ernüchternd.

Rund die Hälfte von Fleisch, Eier und Milch werden in der Schweiz ausser Haus verzehrt, ein grosser Teil davon in der Gemeinschaftsgastronomie, in Kantinen, Mensen in Betrieben, Gesundheits-, Pflege- und Bildungsinstitutionen. Hochrechnungen, ausgehend von einer im Auftrag des Schweizer Tierschutz STS durchgeführten DemoSCOPE-Befragung zeigen: Durchschnittlich 1,3 Mio Menüs wurden vor der Corona-Pandemie täglich in der Gemeinschaftsgastronomie konsumiert. Als ein Segment der Ausser-Haus-Verpflegung beeinflusst die Branche somit massgeblich das Essverhalten von Gästen jeden Alters.

Der STS wollte wissen, wie innovativ, nachhaltig und tierfreundlich die Beschaffungspraxis von Anbietern von Gemeinschaftsgastronie, von Gastro-Grosshandel und von Beschaffungsstellen im öffentlichen Sektor ist. Die Resultate zur Befragung grösserer Städte und von staatsnahen Betrieben reichen von Top bis NoGo.

Die Resultate

  • Top: Die Stadt Zürich geht dank bereits sinnvollen Vorgaben für den zentralen Einkauf mit gutem Beispiel voran. Eine Auswertung von Einkaufsdaten ist bereits heute über weite Teile möglich und wird weiter verbessert. Ähnlich die Universität Basel, welche in Zusammenarbeit mit ihrem Caterer SV Group alle wichtigen Daten zu tierfreundlichem Einkauf erfasst und überprüft.
  • OK: Lausanne, in beschränktem Mass auch Genf, lassen ihren Einkauf durch die externe Firma Beelong überprüfen. Die Auswertungen haben noch begrenzte Aussagekraft betreffend Tierwohl, zeigen jedoch bereits erkennbare und auswertbare Bemühungen.
  • Uncool: Die Stadt Winterthur und die SBB verweisen für Auswertungen auf ihre jeweiligen Caterer Menu and More bzw. ZFV-Unternehmungen, wissen selber aber nicht Bescheid.
  • NoGo: Keinen Plan haben schliesslich die Städte Basel und Bern, welche uneinheitliche Vorgaben im Rahmen von Ausschreibungen haben und diese bisher in keiner Weise kontrollieren oder auswerten können.
  • Eine Sonderstellung nimmt die Schweizer Armee ein. Diese hat klare, kontrollierte Vorgaben betreffend Schweizer Herkünfte. Darüber hinausgehend sind die Einkäufe aktuell aber nicht auswertbar.

Will man den Nutztierschutz auch über den Einkauf der Gemeinschaftsgastronomie fördern, müssen die öffentlichen Nachfrager noch kräftig nachbessern. Der Schweizer Tierschutz STS wird mit regelmässigen Erhebungen die Entwicklung verfolgen und seine Beobachtungen veröffentlichen.