Landtechnik-Herbst 2020

Die Kuh digital im Blick

Sensoren liefern Informationen über Leistung und Gesundheit. Wir geben einen Überblick, welche digitalen Helfer es für den Kuhstall gibt, welche Vor- und Nachteile diese haben und wo es noch hakt.

Digitale und automatische Systeme sind aus der Milchviehhaltung kaum noch wegzudenken. In der landwirtschaftlichen Lehranstalt Triesdorf (Deutschland) erprobt die Tier­haltungsschule seit zehn Jahren bis zu 30 Sensoren gleichzeitig an den Kühen und prüft die Kuhstalltauglichkeit.

Während Roboter zum Melken, Füttern oder Spaltenschieben die Arbeit automatisieren, liefern Sensoren hilfreiche Informationen über Tiere und Umwelt. Damit sollen sie die Tiergesundheit und den Komfort verbessern, die Wirtschaftlichkeit steigern und den Tierhalter entlasten. Doch ganz so einfach, wie es klingt, ist es häufig nicht. Wo also stehen wir in Sachen digitaler und automatischer Milchviehstall? Wo hakt es noch?

Ausgangspunkt für den digitalen Kuhstall sind einzeltierbezogene Sensoren. Der Markt ist umfangreich und aufgrund einer Vielzahl von Anbietern unübersichtlich.

Sensoren liefern Kuhdaten

Aktuell gibt es über 120 einzeltierbe­zogene Sensoren für Kühe. Landwirte haben die Wahl aus 35 Sensoren zur Brunsterkennung, 31 zur Milchanalyse, 29 zur Bewegungsaktivität, 19 zur Fütterung, 16 zum Erfassen der Körpertemperatur, zwölf zur Überwachung der Abkalbung, je fünf zur Körperkondition oder Pansenazidose sowie je zwei zum Erfassen von Lahmheit und der Wasseraufnahme. Fast monatlich kommen neue Start-ups hinzu.

Am weitesten verbreitet sind Beschleunigungs-, Temperatur- und Wiederkausensoren. Die erfassten Daten übertragen die Sensoren an Antennen und weiter an einen Computer. Softwareprogramme analysieren die Daten und bereiten diese grafisch und meistens verständlich für den Nutzer auf. So können Milchproduzenten die In­fos auf einer Onlineplattform abrufen oder erhalten eine Push-Nachricht aufs Handy.

Unterscheiden lässt sich zwischen ­passiven Transpondern (keine eigene Energieversorgung, lange Lebensdauer, geringe Reichweite) und aktiven Transpondern (eigene Energieversorgung, eingeschränkte Lebensdauer, grosse Reichweite und Echtzeitdaten). Der Trend geht dabei zu den aktiven Systemen, denn diese liefern Daten in Echtzeit und kommen mit weniger Antennen aus.

Zudem gibt es verschiedene Befestigungsvarianten mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen:

 Fussbänder  (wie CowScout) erfassen in der Regel nur die Schrittzahl und bieten damit wenige Funktionen. Sie sitzen fest und sicher, sind aber häufig unbequem und zum Teil gefährlich anzubringen.

 Halsbänder  sind in den Ställen häufig bereits zur Tiererkennung vorhanden. Die Sensoren (wie SenseHub oder CowControl) sind für vielfältige Infos nutzbar. Nachteile sind Verluste und eine falsche Platzierung, die zu fehlerhaften Messwerten führt.

 Ohrmarken  (wie Cattle­Data oder CowManager) bieten sich in Kombination mit der Tieridentifikation an, wenn keine Halsbänder im Einsatz sind. Sie sind unauffällig und...

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