Technik erklärt

So schalten Traktoren Plus

Schleppergetriebe gibt es in vielen Varianten. Damit Sie beim nächsten Kauf den Überblick behalten, stellen wir hier die unterschiedlichen Konzepte vor.

UNSER EXPERTE: Reinhard Timpe ist Landmaschinenmechaniker-Meister und ausgewiesener Traktorenspezialist

Leistung setzt sich aus Drehmoment und Drehzahl zusammen. Damit der Diesel im optimalen Leistungsbereich läuft – also Leistung im möglichst günstigen Drehzahlbereich abliefert – braucht der Traktor ein Getriebe.

Mittlerweile ist die Auswahl an Getrieben so groß, dass viele Kunden schlicht den Überblick verlieren. Wir fassen deshalb die wichtigsten Informationen über die unterschiedlichen Bauformen hier zusammen.

Generell sind die mechanischen Antriebe heute in Sektionen aufgebaut: Gruppen, Wendegetriebe, Gänge, Lastschaltstufen. Um die Bauteile möglichst kompakt zu halten, arbeiten die Konstrukteure im Getriebe mit möglichst hohen Drehzahlen, das hält bei gleicher Leistung die Drehmomente gering und ermöglicht kleiner zu bauen. Das geht allerdings nicht unendlich, denn die Bauteile müssen geschmiert werden. Hohe Drehzahlen sorgen für mehr Zentrifugalkraft, das Öl haftet schlechter. Öl ist lebensnotwendig im Getriebe. Zu viel Öl führt aber zu Planschverlusten. Durch spezielle Druckumlaufschmierungen versuchen die Konstrukteure deshalb, den Öllevel so niedrig wie möglich zu halten, sodass möglichst wenig Bauteile im Öl drehen.

Planetensätze oder Portalgetriebe im Endantrieb reduzieren die Getriebedrehzahl schließlich und sorgen für das nötige Drehmoment an der Achse.

Interessant sind die Bezeichnungen Gruppen, Gänge und Lastschaltstufen, die je nach Hersteller nicht unbedingt einheitlich sind. „Gruppen“ bezeichnen bei fast allen Marken den größten Sprung in der Untersetzung. „Gänge“ sind die kleineren Abstufungen innerhalb einer Gruppe. „Lastschaltstufen“ lassen sich unter Last wechseln. Bei einigen Fabrikaten sind mit den Lastschaltstufen die Gänge gemeint. Bei anderen untersetzen die Lastschaltstufen jeden einzelnen Gang.

Einfache Schaltgetriebe

Die ersten Schaltgetriebe von Traktoren waren geradeverzahnt und hatten einfache Schieberäder. Sie ließen sich nur unsynchronisiert schalten und boten wenige Gänge.

Schrägverzahnung erhöhte die Laufruhe und senkte die Geräusche. Die weitere Entwicklungsstufe ist das Synchrongetriebe. Hier bringen kegelförmige Synchronringe die Gangräder und Wellen auf gleiche Drehzahl, sodass beim Schalten die Verzahnungen direkt ineinander gleiten können. Übrigens: Schaltet man ein Synchrongetriebe bei Schubfahrt ohne zu bremsen zurück, müssen die Synchronringe die komplette Bremsenergie aufnehmen und verschleißen dann schneller. Das gilt auch für synchronisierte Wendeschaltungen bei ungebremstem Wechsel vor/zurück.

Die „ideale“ Gangabstufung hängt von der Zahl der Gänge und von der Charakteristik des Motors ab. Sie sollte sich möglichst im Bereich von 17% bewegen. In der Praxis bieten die Traktoren heute 13 bis 21%. Bei sehr vielen Gängen muss der Fahrer zu häufig schalten, bei zu wenigen kann er den Motor schlecht im Optimalbereich halten.

Sehr kurz untersetzte Gänge, teils auch fachlich nicht ganz korrekt „Overdrive“ oder auch „lange Gänge“ genannt, erreichen bei Straßenfahrten die Höchstgeschwindigkeit bei reduzierter Motordrehzahl. Weil der Dieselverbrauch im direkten Verhältnis zur Drehzahl steht, spart das Kraftstoff. Viele moderne Traktoren bieten heute diese Lösung.

Mehr mit Gruppenschaltung

Die Gruppenschaltung sitzt meist hinter dem eigentlichen Schaltgetriebe. Durch zwei Gruppen lässt sich die Zahl der Untersetzungen verdoppeln bzw. mit drei verdreifachen. Auch ein extrem hohes Untersetzungsverhältnis ist möglich: die Kriechganggruppe. Nur noch wenige Gruppengetriebe sind gerade verzahnt und unsynchronisiert. Dann ist ein schneller Gruppenwechsel bei der Fahrt nicht möglich. Wichtig bei allen ist eine Überlappung der Gruppen/Gänge: Der schnellste Gang der niedrigen Gruppe bietet dann in etwa die gleiche Untersetzung wie der langsamste Gang der hohen.

Was sind Split-Gruppen?

Dieser Getriebeteil sitzt meistens hinter dem eigentlichen Schaltgetriebe und funktioniert oft voll mechanisch – ist also nicht lastschaltbar. Durch eine einfache Untersetzung lässt sich der jeweils gewählte Gang „splitten“, z.B....