Fenaco

Eröffnung Agroline Bioprotect in Aesch

Die Fenaco baut in Aesch bei Basel ihre Kapazitäten in der Nützlingszucht massiv aus.

Mit Agroline verfügt die Fenaco über eine spezialisierte Unternehmenseinheit, die bereits Ende der 1970er-Jahre begann, Nützlinge zu produzieren und zu vermarkten, und sie war eines der ersten Unternehmen in Europa, das Drohnen für die biologische Schädlingsbekämpfung aus der Luft einsetzte. Heute schützen diese Schlupfwespen 15 % des Schweizer Mais gegen den Maiszünsler und in bereits 40 % dieser Fälle werden die Schlupfwespeneier durch Drohnen ausgebracht.

«Die Nachfrage nach alternativen Pflanzenschutzmethoden steigt jährlich um rund 15 %», sagt Regina Burger, Leiterin von Agroline Bioprotect, und fährt fort: «Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, haben wir die Kapazitäten am bestehenden Standort in Aesch bei Basel massiv ausgebaut.» Das neue, rund 1700 m2 grosse Zentrum wurde am 22. April 2021 offiziell eröffnet. Es umfasst Labors für Mikro- und Makroorganismen, eine Nützlingszucht sowie einen Logistikbereich für den Versand der Nützlinge an mehrere tausend Kundinnen und Kunden in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Die Produktionskapazitäten für die Schlupfwespen wurden verdreifacht. Agroline Bioprotect kann pro Jahr mehrere Millionen Optikugeln herstellen, mit denen die Schlupfwespeneier abgeworfen werden. Bis zu rund 30 Spezialistinnen und Spezialisten arbeiten in Aesch an Themen wie Wildbienen-Bestäubung, digitalem Monitoring im Vorratsschutz, Gemüse-,Obst- und Feldbau, Nützlingsausbringung durch Drohnen oder Unkrauterkennung mittels künstlicher Intelligenz.

Weitere Zulassungen beantragt

Nützlinge sind ein wichtiger Produktionsfaktor für die Schweizer Landwirtschaft. Sie kommen als natürliche Feinde von Schädlingen in der Natur vor und ernähren sich mehr oder weniger spezifisch exklusiv vom Zielschädling. Dieser Mechanismus wird im biologischen Pflanzenschutz gezielt genutzt. Langjährig bewährt sind Schlupfwespen für den Einsatz gegen den Maiszünsler und Stallfliegen. Die fenaco ist auch Pionierin beim Einsatz von Fadenwürmern, sogenannten Nematoden. Das Unternehmen vertreibt seit zwanzig Jahren drei verschiedene Nematodenarten, mit denen sieben Insektenschädlingsarten bekämpft werden, wie zum Beispiel der Gartenlaubkäfer-Engerling. Auch nützliche Pilze werden für den alternativen Pflanzenschutz gezüchtet und gezielt einsetzt. Treffen im Boden beispielsweise die Sporen des Pilzes Beauveria brognartii auf Maikäfer-Engerlinge, werden diese infiziert und abgetötet. In der Schweiz müssen biologische Schädlingsbekämpfungsmittel vom Bundesamt für Landwirtschaft in einem strengen Verfahren bewilligt werden. Agroline erwartet die Freigabe für die Zucht und den Vertrieb von verschiedenen weiteren Nützlingen, unter anderem für Marienkäfer und Florfliegen gegen Blattläuse sowie für Raubmilben gegen Spinnmilben.

Innovagri: innovative Technologien zugänglich machen

Zeitgleich mit der Eröffnung des Zentrums für nachhaltigen Pflanzenschutz lanciert Agroline zusammen mit den Landi Genossenschaften die Technologieplattform «Innovagri». Ziel ist es, innovative Methoden für den nachhaltigen Pflanzenschutz zu testen und schnell bei den Schweizer Landwirtinnen und Landwirten einzuführen. Landwirtschaftsbetriebe haben die Möglichkeit, die neuen Technologien tageweise einzusetzen – ob für Tests vor der eigenen Investition oder für punktuelle Einsätze. Für die Landwirtschaftsbetriebe entfällt so der grosse administrative, logistische und finanzielle Aufwand bei der Anschaffung und im Unterhalt. «Mit Innovagri übertragen wir die Genossenschaftsidee ins Technologiezeitalter. Die Anschaffung dieser innovativen Maschinen und Geräte ist für Einzelbetriebe in der Regel zu risikoreich oder zu teuer. Gemeinsam können wir den Zugang sicherstellen und die Praktikabilität für eine breite Anwendung testen», sagt Michael Feitknecht. In einem ersten Schritt werden den Mitgliedern Lösungen von crop.zone, ecoRobotix und xPower angeboten.