Thema des Monats

Grenzenlos voneinander lernen

Um die Herausforderungen des Klimawandels annehmen zu können braucht es den Blick über die Grenze hinaus. Nachbarländer müssen zusammenarbeiten. Lukas Kilcher mach dies mit der trinationalen Arbeitsgruppe Landwirtschaft der Deutsch-Französisch-Schweizerischen Oberrheinkonferenz.

Landesgrenzen bewirken mitunter einschneidende menschgemachte Unterschiede, so zum Beispiel in der Agrarpolitik, welche dies- und jenseits von Grenzen ganz andere Agrarlandschaften hervorbringt. Doch beim Klima sitzen wir im selben Boot: Hitze, Trockenheit und neue Klimaschädlinge betreffen uns alle. Es braucht also in der Landwirtschaft einen ausgeprägten Blick über die Grenze. Längst praktizieren das viele Bauernfamilien sowie die Bildung, Forschung und Verwaltung. Gelebt wird das beispielsweise in der trinationalen Arbeitsgruppe Landwirtschaft der Deutsch-Französisch-Schweizerischen Oberrheinkonferenz, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördert.

Aktuelle Themen dieser Arbeitsgruppe sind der Vergleich agrarpolitischer Massnahmen und die Zusammenarbeit im Klimaschutz. Ein wertvolles Instrument sind dabei die Interreg-Projekte. Zum Beispiel beteiligte sich das Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in Sissach (BL) im InvaProtec-Projekt (2015-2018) gegen neue invasive Schaderreger im Obst- und Weinbau. Das brachte konkrete Fortschritte beim Kampf gegen die Kirsch­essigfliege. Sie fühlt sich bei uns wegen der Klimaerwärmung mittlerweile sehr wohl und richtete am milden Oberrhein bereits grosse Schäden in den Spezialkulturen an. Der Ebenrain führte deshalb in Kooperation mit rund 30 weiteren Institutionen in der Nordwestschweiz, im Elsass sowie in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Feldversuche durch, um zu eruieren, ob Kaolin und Löschkalk gegen die Kirschessigfliege wirken.Die Resultate sind wertvoll für die Praxis: Beide Substanzen halten den Schädling ab und beeinträchtigen die Marktfähigkeit der Brenn- und Konservenkirschen nicht. Bei Tafelkirschen hingegen stören die weissen Rückstände von Kaolin, weil sie sich nicht restlos entfernen lassen.

Auch „Agro Form“ ist ein grenzüberschreitendes Projekt in derselben Region. Agro Form will den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren und umweltfreundliche Düngepraktiken verbreiten. Der Fokus der Schweizer Beteiligung liegt hier auf dem grenzüberschreitenden Wissensaustausch im Weinbau. Die Winzerinnen und Winzer lernen und entwickeln zudem im Projekt nachhaltige und innovative Praktiken.

Als Präsident der deutsch-französischen-schweizerischen Arbeitsgruppe Landwirtschaft sind mir die Zusammenhänge zwischen Nahrungsmittelproduktion, Ernährung, Natur-, Ressourcen- und Klimaschutz besonders wichtig. Ich bin überzeugt: Nur mit verantwortungsvollem Konsum ist eine nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft möglich. Auch diese Diskussion müssen wir grenzüberschreitend führen.

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