Getreide

Lieber Dinkel statt Roggen Plus

Bei Nischengetreide hat Dinkel den Roggen mittlerweile abgehängt. Dabei hat Roggen im Vergleich viele Vorzüge und kann auch wirtschaftlich gut mithalten. Woran hapert es?

Im Vergleich zu anderen Getreidearten sind die Ansprüche von Roggen an die Wasserversorgung sowie an Düngung und Pflanzenschutz eher gering. Roggen ist bei Wetterextremen um einiges ertragsstabiler. Auch die Züchtung hat enorme Fortschritte gemacht. Beim Hybridroggen erreichte man einen Ertragszuwachs von 23 dt/ha in den letzten 30 Jahren – mehr als bei Weizen. Dabei konnte auch die Gefahr von Mutterkorn deutlich reduziert werden, ebenso wie die Braunrostanfälligkeit.

In der Humanernährung hat Roggen in Deutschland seinen festen Platz. Aber auch in der Schweinefütterung entdecken immer mehr Fütterungsberater die guten Eigenschaften von Roggen. Im Vergleich zu Weizen enthält dessen Protein fast 30 % mehr Lysin, das für die Schweinefütterung wichtigsten Aminosäure. Aufgrund der positiven agronomischen Eigenschaften und dem breiten Einsatz erlebt der Roggenanbau in Deutschland gerade eine Renaissance – das zeigen die steigenden Anbauflächen.

Anbaufläche unter Druck

Das scheint beim Schweizer Roggenanbau aussichtslos zu sein. Die Anbaufläche erlebte einen Absturz in den 1980er Jahren, und seit der Jahrtausendwende kommt der Roggen nicht mehr in Schwung. «Roggen steht unter Druck. Wir gehen für die aktuelle Anbausaison von einer Flächenabnahme auf rund 1800 ha aus», schätzt Daniel Erdin von SBV Agristat.

Grösstes Anbaugebiet ist der Kanton Waadt mit knapp 340 ha. Das Wallis mit traditionell rein aus Roggenmehl verbackenem Walliser Roggenbrot folgt mit 190 ha erst an fünfter Stelle.

Nur im Vertragsanbau

Roggen und Dinkel haben Gemeinsamkeiten. So läuft der Anbau über Verträge mit der IP Suisse, fenaco, Biofarm, spezialisierten Getreidemühlen und beim Dinkel vor allem über die IG Dinkel mit der Marke UrDinkel. Die Saatgutauswahl auf der Liste der empfohlenen Sorten (ES) ist eng. «In die ES nehmen wir nur die allerbesten Sorten, welche bezogen auf die Qualität, agronomische Eigenschaften oder Krankheitsresistenz entsprechende Vorteile bringen. Es gilt, den Aufwand für die Vermehrung dieser Nischengetreidearten überschaubar zu halten», erklärt Stephan Scheuner, Geschäftsführer von swiss granum.

Für Roggen sind gerade mal zwei Sorten auf der ES: ‹Matador› und ‹KWS Serafino›. ‹Matador ist eine Populationssorte (Biosegment). Ertragspotenzial und Krankheitsresistenz sind eher gering. Die Hybridsorte ‹Serafino› weist...