Detailhandel Obst Biodiversität

Pestizidfreier Obstanbau in der Schweiz?

Die Migros verbietet ihren Obstproduzenten ab sofort spezifische Pflanzenschutzmittel und verlangt mehr Biodiversität. Das neue Nachhaltigkeitsprogramm werde seit Anfang Jahr schrittweise umgesetzt und das nachhaltigere Kernobst sei damit bereits ab September in den Migros-Filialen erhältlich.

Das Thema Pflanzenschutzmittel werde aktuell kontrovers diskutiert, die Migros wolle die Problematik deshalb proaktiv angehen, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Die Migros lanciert entsprechend ein neues Nachhaltigkeitsprogramm für den konventionellen Kernobstanbau. Einerseits soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich reduziert werden und bestimmte Spritzmittel würden ganz verboten. Andererseits soll die Biodiversität in den Obstanlagen aktiv erhöht werden. Die Migros verlange neu Massnahmen wie Nistkästen, Blütereihen in den Fahrgassen oder Steinhaufen. Und schliesslich solle die Bodenqualität mit Breitstreifen oder dem Einbringen von Kompost verbessert werden.

Das neue Programm funktioniere analog eines Baukastensystems: Die Produzenten könnten die für ihren Betrieb am besten geeigneten Massnahmen selbst wählen, schreibt die Migros. In jedem Fall müsse in den jeweiligen Kategorien aber eine Mindestpunktzahl erreicht werden. Produzenten, welche die Anforderungen erfüllten, zahle die Migros einen zusätzlichen Beitrag von 3 Rappen pro Kilogramm Äpfel und Birnen.

Schweizer Obstverband für mehr Nachhaltigkeit

Der Schweizer Obstverband (SOV) unterstützt Bestrebungen, um den Obst- und Beerenanbau in der Schweiz künftig noch nachhaltiger zu gestalten. Aus diesem Grunde hat er im Februar dieses Jahres zu einem runden Tisch mit Vertretern von Handel und Produktion geladen mit dem Ziel, eine nationale Branchenlösung zu erarbeiten. Die Branchenlösung soll für alle Marktteilnehmer gelten und verhindern, dass die Abnehmer eine Vielzahl von unterschiedlichen Anforderungen an die Produktion stellen. Zu diesem Zwecke wurde eine paritätisch zusammengesetzte «Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit Früchte» gegründet.

Die AG prüft im Rahmen ihrer Tätigkeiten die Anforderungen der wichtigsten Schweizer Früchte-Abnehmer mit dem Ziel, geeignete und umsetzbare Massnahmen in einen Branchenstandard zu überführen. Ebenfalls soll sie den kommenden gesetzlichen Anforderungen, die derzeit in Umsetzung sind (namentlich die Pa. Iv. 19.475), Rechnung tragen. Die Arbeitsgruppe hat ihre Tätigkeiten bereits aufgenommen. Die Umsetzung erfolgt laufend und schrittweise.

Der SOV ist irritiert über die Kommunikation des MGB zu ihrem eigenen Nachhaltigkeitsprogramm. Der MGB ist in der Arbeitsgruppe vertreten und hat die Möglichkeit, seine Forderungen in diesem Gremium einzubringen. Individuelle Lösungen mit einzelnen Handelsvertretern lehnt der SOV indes ab. Unterschiedliche Anforderungen einzelner Anbieter führen zu grossem Aufwand und erheblichen Mehrkosten seitens der Produktion. Die Fokussierung des MGB einzig auf Kernobst ist zudem nicht zielgerichtet.

Der SOV bekräftigt seine Forderung nach einer angemessenen Entschädigung der Produktion, welche die Mehraufwände einer noch nachhaltigeren Produktion mit sich bringen. Nur schon der Herbizidverzicht im Kernobst führt zu Mehrkosten von 7 Millionen pro Jahr. Die Low-Input-Strategie führt zu Mehrkosten von 11 Millionen pro Jahr. Vor diesem Hintergrund sind die kommunizierten 3 Rappen des MGB für die Produktion nicht akzeptierbar.