ACHTUNG

Virus-Pandemie auf dem Rübenacker

Zahllose Rübenbestände vergilben zurzeit. Verursacher sind Viren und Bakterien, die sich rasend schnell vor allem im Südwesten verbreiten. Forschung und Politik müssen nun für Lösungen sorgen.

Von Woche zu Woche tauchen auf zahllosen Feldern im Südwesten Deutschlands vermehrt Rüben mit gelben Blättern auf – so viele wie seit den 50er Jahren nicht mehr. Ursache sind heute wie damals Virus-Erkrankungen der Rübe, jetzt aber auch noch durch Bakterienkrankheiten verstärkt. Das berichten NIKIZ-Forscher aus Worms, Gießen und Bad Kreuznach.

Die Abkürzung NIKIZ steht für „Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft“ und wird als EIP-Projekt im Rahmen des Entwicklungsprogramms EULLE unter Beteiligung der Europäischen Union (EU) und des Landes Rheinland-Pfalz gefördert.

Eine Ursache für die deutliche Zunahme der kranken Felder ist, dass durch den Klimawandel Blattläuse rund um das Jahr aktiv bleiben. Sie tragen gefährliche Viren von Pflanze zu Pflanze. Mit dem Klimawandel eingewanderte Zikaden bringen gleichzeitig krankmachende Bakterien aus dem Süden mit. Die Pflanzen vermehren ab dem Zikadenbefall im Mai bis Juli die sogenannten SBR-Krankheitserreger - diese führen in der Folge zu verstopften Leitungsbahnen und gelben Blättern.

Die Viruskrankheiten sind in ganz Europa verbreitet. Die Pandemie auf dem Rübenacker hat nach Aussage der Forscher erhebliche Folgen für die Bauern. Denn: Immer wenn Rübenblätter gelb werden, egal ob durch Bakterien oder Viren, bilden sie 20 bis 40 % weniger Zucker!

Virus- und Bakterienbefall nimmt in Rüben enorme Ausmaße an

Nach aktuellen Erhebungen gelten laut der NIKIZ-Experten 43.900 ha allein im Südwesten Deutschlands als mit Viren befallen. Davon weisen 23.400 ha mittleren bis schweren, bereits von Weitem sichtbaren Virenbefall auf. Dieser könne im nächsten Jahr zu einer Katastrophe führen.

Im derzeitigen Anbaujahr rechnet man mit schwerem Befall in Baden-Württemberg auf ca. 7.000 ha, in Rheinland-Pfalz sogar auf 11.000 ha insbesondere in der Südpfalz. In Hessen sind vor allem im südlichen Teil ca. 5.400 ha schwer betroffen.

„Wir erwarten auf ca. 20.000 ha auch Doppelinfektionen, die sich jetzt auf den ersten Blick nicht unterscheiden lassen. Das müssen unsere Analysen erst zeigen“, erklärt Oliver Martinez, der die Laboruntersuchungen für NIKIZ am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bad Kreuznach leitet. Eine exakte Aussage sei somit erst nach Abschluss der Analysen möglich. Die Berater...