Schützt die Rüben

«Macht allen begreiflich, dass die neonikotioidhaltige Gaucho-Beizung den Bestäubern in den Zuckerrüben nicht schadet», wandte sich heute Philippe Egger mit einem emotionalen Appell an Medienschaffende. Egger und mit ihm der Verband der Zuckerrübenpflanzer fordern eine befristete Notzulassung für die seit 2019 verbotene Gaucho-Beizung.

2019 wurde die Gauchobeizung verboten – mit fatalen Folgen für den Zuckerrübenanbau. Das zeigte sich in diesem Jahr. Zwischen Bern bis nach Genf sind fast 90% der Kulturen von der Rübenkrankheit Viröse Vergilbung befallen. Die Rübenproduzenten müssen mit Ertragsausfällen bis zu 50% rechnen, auch sinkt der Zuckerertrag massiv, was zu enormen Einkommenseinbrüchen führt.

Die Viröse Vergilbung wird durch Blattläuse übertragen. Nach dem milden Winter waren diese im Frühling besonders aktiv und verbreiteten die Rübenkrankheit grossflächig. Viele Landwirte stehen vor der Aufgabe der Rübenproduktion. So auch im Kanton Waadt, der bislang immerhin rund einen Viertel der Schweizer Zuckerrüben nach Aarberg in die Zuckerfabrik lieferte. Von einem Desaster spricht der Rübenproduzent Philippe Egger aus Chavornay (VD). Er hofft, dass das Bundesamt für Landwirtschaft ein Einsehen hat und eine Notfallzulassung für die Gauchobeizung erlässt. Egger betonte dabei, dass Zuckerrübenfelder keine blühenden Kulturen auf den Schweizer Äckern seien. Mit der Gauchobeizung auf dem Zuckerrübenfeld bedrohe man keine Bestäuber.

Auch der 27-jährige Joël Rösch, Landwirt aus Hermrigen (BE), betrachtet bedrückt seine Kulturen, gelb so weit das Auge reicht. Im Vergleich zu den gesunden Rüben sind die befallenen Blätter brüchig und zerbröseln. Rösch versuchte mit Flächenbehandlungen mit dem Wirkstoff Pirimicarb die Blattläuse zu bekämpfen – leider ohne Erfolg. Eigentlich geht ihm auch der Einsatz von Insektiziden gegen den Strich. Eine Saatgutbeizung wäre nützlingsschonender, sagt er.

Auch das umliegende Ausland kämpft mit der Virösen Vergilbung. Dort haben die Landwirtschaftsministerien reagiert und mit Ausnahme von Italien den Einsatz des neonicotionidhaltigen Beizmittels im Rahmen eine Sonderbewilligung für die Zuckerrüben zugelassen. Die Schweizer Rübenpflanzer fordern gleiche lange Spiesse mit dem Ausland für Schweizer Zucker. "Entweder einen Einfuhrstopp für Zucker aus Ländern mit einer Zulassung für in der Schweiz nicht zugelassene Pflanzenschutzmitteln oder als Alternative eine auf drei Jahre befristete Zulassung von neonicotinoidhaltiger Saatgutbeizung in der Schweiz", sagte der Präsident der Rübenpflanzer, Josef Meyer, an der heutigen Medienkonferenz. Mit der dreijährigen Ausnahmebewilligung sei zudem auch die Auflage verbunden, dass im Nachgang der Behandlung keine blühenden Pflanzen angebaut werden. Die Antwort des Bundesamts für Landwirtschaft auf die Forderung der Produzenten lässt noch auf sich warten. Bleibt zu hoffen, dass das BLW rasch im Sinne der Rübenproduzenten reagiert, denn bereits sind die Anbauverträge für Rüben vergeben. Einfach so auf Goodwil produzieren, kann sich kein Landwirt mehr leisten.

Die Branche sucht auch intensiv nach Lösungen. So will man die befristete Zeit während der Sonderzulassung nutzen, um die Suche nach biologischen Bekämpfungsmassnahmen und resistente Sorten voranzutreiben und auszutesten, versichert Samuel Jenni von der Zuckerrübenfachstelle.