Ausblick

Steht der Weizenmarkt vor einem Umbruch?

Der Weizenmarkt ist nicht so überversorgt, wie es scheint. In den kommenden Jahren könnte das Angebot sogar knapp werden. Das gilt besonders für Spitzenqualitäten. Ein Blick in die Zukunft.

Unsere Autorin: Stephanie Stöver-Cordes, Kaack Terminhandel GmbH

Keine Frage: Weizen gehört zu den bedeutendsten Getreidearten. Er eignet sich als Nahrungsmittel, Futter sowie für die industriellen Verwertung und wird weltweit auf knapp 221 Mio. ha angebaut. Die globale Produktion beträgt den Schätzungen des US-Agrarministeriums (USDA) zufolge 773 Mio. t. Weizen liegt damit hinter Mais auf Platz 2 der Getreide-Rangliste.

Obwohl der Verbrauch stetig steigt, werden die internationalen Vorräte bis zum Ende der Saison 20/21 auf eine Rekordmenge von 316 Mio. t anwachsen. Damit zeichnet sich auf den ersten Blick eine sehr komfortable Versorgungslage ab. Auf den zweiten Blick entpuppt sich das allerdings als Trugschluss. Und in den kommenden Jahren könnte das Angebot sogar knapp werden, wenn der Verbrauch seine bisherigen Steigerungsraten beibehält, die Produktion an Grenzen stößt und weiterhin große Teile der Lagerbestände dem Weltmarkt vorenthalten werden.

Vorräte ungleich verteilt

Über die Hälfte der oben genannten Rekordvorräte entfallen auf China. Ende 2020/21 sollen dort mehr als 160 Mio. t Weizen lagern. Das Land geht aber seinen eigenen Weg. Die Versorgung der eigenen Bevölkerung hat absolute Priorität. Chinas Weizenvorräte stehen dem Weltmarkt somit kaum zur Verfügung.

Ohne diese Mengen belaufen sich die globalen Bestände nur auf knapp 150 Mio. t Weizen. Das Verhältnis der Vorräte zum Verbrauch (Stock-to-use-ratio genannt) beträgt deshalb nicht mehr rund 40%, sondern nur noch 25%. Die Vorräte wären unter Berücksichtigung des aktuellen Verbrauchs also nach knapp drei Monaten aufgezehrt.

WELTWEITE WEIZENVORRÄTE: ÜBER 50 % LAGERN BEREITS IN CHINA

Dieses Sicherheitsniveau liegt zwar noch oberhalb der Linie, unter der sich die FAO und andere Organisationen, die sich mit der Lebensmittelversorgung beschäftigen, Sorgen machen. Bei Weizen ist das der Fall, wenn der Stock-to-use-ratio unter 25% sinkt. Bei den Hauptexporteuren (EU, Russland, Ukraine, USA usw.) liegt das Verhältnis allerdings schon unter 20%.

Das erklärt auch, warum Staaten wie Russland oder die Ukraine während der Coronakrise Exportbeschränkungen beschlossen haben. Die Sorge vor Versorgungsengpässen und Preissteigerungen sind dort groß. Ein Explodieren der inländischen Nahrungsmittelpreise soll vermieden werden.

Noch knapper zeigt sich die Situation in Europa. Hier gewährleisten nach den Schätzungen des USDA für 2020/21 die Vorräte lediglich für etwas über einen Monat die Versorgung. Eine beunruhigende Zahl, wenn man bedenkt, dass die Weizenerzeugung durch klimatische und auch durch politische Herausforderungen künftig großen Schwankungen unterliegen wird.

Anbau tritt auf der Stelle

In einigen Exportländern stagniert der Weizenanbau bereits:

  • In den USA ist die Anbaufläche für die kommende Saison auf 17,9 Mio. ha geschrumpft. Das ist das kleinste Areal seit Aufzeichnungsbeginn. Die...

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