Klimaschutz

Torfmoose als Kohlenstoffspeicher

Freiburger Forscher haben einen Weg gefunden, verschiedene Moosarten für die Torfwirtschaft und die Wissenschaft schneller zu vermehren, als es in der Natur möglich ist.

Mit ihren zahlreichen Torfmoosarten haben Moore etwa 30 Prozent des weltweit im Boden gespeicherten Kohlenstoffs gebunden. Damit steckt in ihnen etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern der Erde zusammen. Sowohl Torfabbau als auch der Klimawandel bedrohen diese langfristigen Kohlenstoffspeicher, für den großflächigen Anbau von Torfmoosen fehlt es derzeit an Saatgut. Zusammen mit Forschenden der Universität Greifswald ist es einem Team um den Biotechnologen Prof. Ralf Reski von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg gelungen, die weltweit größte Laborsammlung an Moosarten der Gattung Sphagnum zu erstellen. Damit schaffen sie eine Grundlage, um Torfmoose nachhaltig und wirtschaftlich zu vermehren.

Torfmoos aus dem Labor

In dem Projekt „Mooszucht“ sammelten die Forschenden Sporophyten, die Sporen bildende Generation von Moosen, von 19 Sphagnum-Arten aus Österreich, Deutschland, Lettland, Russland, Schweden und den Niederlanden. Am 2010 gegründeten Ressourcenzentrum „International Moss Stock Center“ (IMSC) der Universität Freiburg lagern sie damit nun die größte Sammlung von Sphagnum-Kulturen weltweit. Im Labor erstellten sie aus den Sporen der Torfmoose Reinkulturen, die durch keine Bakterien,­ Pilze,­ Algen oder­ dergleichen verunreinigt sind. Manche der Arten vermehren sich im Labor 50- bis 100-mal schneller als im Moor.

Biomasse statt Gartentorf

In großen Mengen wird Torf für den Anbau von Gemüse und Zierpflanzen im Gewächshaus, aber auch für den heimischen Garten abgebaut. Im Rahmen des Klimawandels auftretende, anhaltende Dürreperioden und erhöhte Temperaturen führen dazu, dass Torfmoose schlechter wachsen, schneller zerfallen und weniger Kohlenstoff binden. Die Freiburger Wissenschaftler wollen den dringend benötigten Torf durch erneuerbare Biomasse ersetzen. Große Mengen des dafür benötigten Saatguts können sie jedoch nur in Bioreaktoren herstellen. Die Laborstämme der Torfmoose verteilen Reski und sein Team vom IMSC aus an Forschungseinrichtungen und Unternehmen im Bereich der biologischen Grundlagenforschung, der Biotechnologie und der nachhaltigen Torfwirtschaft.

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