Abstimmung

Direktzahlungen für Hörner?

Was spricht für und was gegen die Hornkuhinitiative?
Was spricht für und was gegen die Hornkuhinitiative?

Am 25. November findet die Abstimmung über die Hornkuhinitiative statt. Ist eine Verfassungsänderung wirklich nötig?

Anet Spengler Neff ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) und für die Hornkuhinitiative:
"Die Hornkuhinitiative will, dass Bauern und Bäuerinnen, die ihren Kühen und Ziegen die Hörner lassen, eine finanzielle Unterstützung vom Bund bekommen.
Weil in den vergangenen acht Jahren mehrere Petitionen und Vorstösse im Nationalrat sowie ein indirekter Gegenvorschlag zur Initiative politisch nicht durchkamen, gab es auf Gesetzes- oder Verordnungsebene keine Lösung. Deshalb stimmt nun
am 25. November das Volk über diese Verfassungsinitiative ab. Es wird nur ein Halbsatz in der Verfassung
ergänzt – nämlich dort, wo es um die Tierwohlbeiträge geht.
Die Hornkuhinitiative ist wichtig, weil wir sonst bald keine Kühe mehr mit Hörnern haben. Die Tiere brauchen sie für ihre Körpersprache, für die Körperpflege, fürs Kräftemessen und sicher für weitere Funktionen, die wir noch gar nicht alle kennen. Zudem ist das Enthornen beim Kalb und beim Zicklein problematisch. Manche Tiere haben noch lange Schmerzen, und Zicklein ertragen die Narkose schlecht.
Trotzdem, die Initiative will nicht das Enthornen verbieten. Es gibt leider zu viele Ställe, die für horntragende Tiere zu eng sind, sodass die Tiere einander mit den Hörnern verletzen können. Solche Ställe neu einzurichten oder neu für behornte Tiere zu bauen, kostet Zeit und ist teuer. Deshalb will die Initiative Betriebe mit horntragenden Tieren unterstützen.
Wir schlagen vor (wie wir das schon im Gegenvorschlag formulierten), dass die Hornbeiträge an das «Raus-Programm» geknüpft werden: Nur wer beim Raus mitmacht, soll Hörnerbeiträge in gleicher Höhe erhalten: 190 CHF pro Kuh und Jahr und 38 CHF pro Ziege und Jahr. Das bräuchte zurzeit 15 Mio. CHF, bei einem Landwirtschaftsbudget von 3000 Mio. CHF.
Zur Finanzierung könnte man zum Beispiel die Direktzahlungen bei über 200 000 CHF Einkommen abstufen oder Landschaftsqualitätsbeiträge einsetzen."

Alfred Bärtschi bewirtschaftet einen Milchwirtschaftsbetrieb in Lützelflüh (BE) und ist SVP-Grossrat. Er ist gegen die Initiative:
"Das Begehren der Hornkuhinitianten gehört ganz einfach in eine Verordnung – ganz sicher nicht in die Verfassung. Das sollte den meisten eigentlich schon als Argument reichen, um diese Initiative abzulehnen.
Wir enthornen die Kälber auf unserem Betrieb seit nunmehr 23 Jahren. Damals, Ende der 1990er Jahre, begannen viele Bauern zu enthornen, und wir konnten unsere überzähligen behornten Kühe kaum mehr verkaufen. Auch wollten wir in absehbarer Zeit auf Laufstallhaltung umstellen.
Zu denken gaben uns auch die Verletzungen, die sich unsere Kühe gegenseitig zugefügten. Dabei handelte es sich um Hornstösse in die Flanke oder ins Euter, weggebrochene Hornschalen oder ganz abgebrochene Hörner – was sehr blutig und schmerzhaft für die Tiere war.
Die gelegentlichen Treffer, die wir selber einsteckten, gehörten übrigens auch dazu. Das Enthornen übernahm der Tierarzt mit der vorgeschriebenen Schmerzausschaltung. Wenn wir die Kälber in der Aufwachphase intensiv betreuten und streichelten, erholten sich die Tiere kurze Zeit später bestens.
Seit einiger Zeit setzen wir genetisch hornlose Stiere ein. Nun haben wir schon deren Nachwuchs und genetisch hornlose Kälber. Ich bin sicher, dass man mithilfe der Genetik in einigen Jahren keine Kälber mehr enthornen muss. Genetische Hornlosigkeit gibt es übrigens schon lange – ebenso lang wie Hornkühe. Hornlosigkeit gehört ebenso zu den Kühen wie die Hörner. Unsere Vorfahren entschieden, dass sie nur mit behornten Tieren züchten wollten. Es war einfacher, um das Joch zu befestigen. Heute wird die Mehrheit der Bauern mit unbehornten weiterzüchten.
Ich finde, alle Landwirte, die sich dazu berufen fühlen, Hornkühhe zu halten, sollen dies tun. Aber die Auszahlung eines Hornbeitrags wäre ein falsches Zeichen und würde einige dazu verleiten, wieder auf Hörner umzustellen. Das hätte für Mensch und Tier nur negative Folgen."

Schlagworte

Hornkuhinitiative, Initiative, Enthornen, Hörner, CHF, Gegenvorschlag, Verfassung, Zicklein, behornte, Hörnern

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