Tierhaltung

Weg mit dem Vollspaltenboden

Für Josef Schnider hat das Tierwohl Priorität.
Für Josef Schnider hat das Tierwohl Priorität.

Ab dem 1. September 2018 sind Vollspaltenböden für Mastschweine in der Schweiz verboten. Die Landwirte müssen den Tieren dann auch mehr Fläche zur Verfügung stellen. Wir besuchten drei Betriebe, die bereits umgebaut haben.

Artikel aus der LANDfreund-Ausgabe 11/2016

Josef Schnider aus Ballwil (LU) bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau einen Betrieb mit 10 ha LN. Auf seinem Hof hält er Schweine, Schafe, Rinder und Pferde. Schnider hat seinen Schweinestall bereits der revidierten Tierschutzverordnung angepasst. Mit dem Umbau begann er im Oktober 2015. Ein Jahr zuvor setzte er sich zum ersten Mal mit dem Thema auseinander. Die Einrichtung hatte ausgedient und auch die alte Fütterungstechnik machte ihn nicht mehr glücklich.

«Die alte Einrichtung hatte ausgedient»
Deshalb entschied sich der Landwirt für einen frühzeitigen Umbau. «Wir hatten damals eine Nassfütterung», erklärt Schnider. «Mit dieser erzielten wir die gewünschte Mastqualität nicht. Deshalb bauten wir um.» Ein halbes Jahr vor Baubeginn begann Schnider, sich mit dem Thema zu befassen. Zur Ideenfindung besuchte er einen bereits umstrukturierten Betrieb. Dessen Lösung gefiel Schnider jedoch nicht. Denn für ihn war klar, dass er die gesetzlich erlaubten 5 % Perforationsanteil nicht ausreizen möchte. Der Schweinebauer dachte bei der Planung auch an die Zukunft: «Künftig möche ich alle Op­tionen offen haben. Ich müsste jetzt beispielsweise nur die Wand ausbrechen und könnte ‹Raus› anmelden.» Ein weiteres Kriterium war das Budget. Schnider legte genau fest, wieviel der Umbau kosten durfte.
Lange Zeit machte sich Schnider Gedanken über den optimalen Bauzeitpunkt. Der Frühling schien ihm aufgrund der Arbeitsspitzen auf dem Betrieb nicht ideal, der Winter war wegen der Kälte unpassend. Daher entschied er sich, im Herbst zu beginnen. Innert knapp zwei Monaten baute der Landwirt den kompletten Stall um. Während dieser Zeit blieb der Raum zu zwei Drittel mit Tieren gefüllt. Schnider verkaufte eine Gruppe Schweine vor Erreichen des Schlachtgewichtes und verschaffte sich so Platz für die Renovation.

Schnider verlor kaum Mastplätze
Vor dem Umbau zählte jeder Stalltrakt zehn Buchten. Der Landwirt verzichtete auf einen Stallgang und konnte so Platz sparen. Dadurch verlor er kaum Mastplätze. «Ich hatte früher 350 Ausmastplätze. Heute sind es 310», sagt Schnider. «Ich kann jedoch heute die Vormast viel besser ausnutzen. Deshalb entsteht kaum ein Verlust.» Die Zunahmen mit dem neuen System sind ebenfalls besser. Schnider kann die Tiere im Durchschnitt eine Woche früher schlachten lassen.
Das neue System konzipierte der Tierhalter mithilfe eines Bekannten und der Firma Krieger. Jede Bucht ist vorne und hinten mit einem Spaltenboden ausgestattet. Die eingestreute Liegefläche besteht aus Beton. Schnider baute eine Bodenheizung und eine automatische Fütterungseinrichtung ein. Die bestehende Lüftung war genügend stark, so dass die Luft gut zirkuliert. Schnider meint, auch die Raumhöhe von 2,6 m sei ideal für ein angenehmes Klima.

«Das neue System bietet einige Vorteile»
Der Arbeitsaufwand beim neuen System ist geringer. Aber vor allem lasse es sich einfacher bewirtschaften, erklärt Schnider: «Körperlich schwere Arbeit fällt nicht mehr an. Daher ist es auch für meine Frau kein Problem, den Stall alleine zu machen.» Mit dem automatischen Fütterungssystem ist der Landwirt flexibler. Die Schweine erhalten ihr Futter ad libitum über einen Brei-Automaten. Schnider stellte fest, dass die Tiere seither viel ruhiger sind und weniger quieken.
Die neue Haltungsform beschreibt er als tierfreundlich. Die Schweine leben in Gruppen von 30–40 Tieren. Die Gruppenhaltung funktioniere gut, betont der Landwirt. Die Tiere verfügen heute über mehr Sozialkontakt und sind ausgeglichener. Da pro Stalltrakt jetzt nur noch drei Buchten eingebaut sind, haben die Schweine mehr Raum für Aktivitäten als zuvor. Das schätzt Schnider am neuen Haltungssystem. Aber er erwähnt auch, dass seither eher mal ein Tier lahme. Den Stall sollte man daher immer mit der nötigen Ruhe betreten. Ansonsten scheut man die Tiere auf und erhöht dadurch die Verletzungsgefahr.
Schnider ist überzeugt, dass die Bodenheizung einen positiven Einfluss auf die Stallhygiene hat. Denn die Schweine koten nicht dort, wo es warm und trocken ist, sondern erledigen ihr Geschäft meist auf den Spaltenboden. Bei hohen Temperaturen kann es jedoch vereinzelt vorkommen, dass sie am Rande der Liegefläche koten. Die Schweine seien aber selten schmutzig, betont Schnider, denn sie setzten hauptsächlich auf den Spaltenboden in Fensternähe Kot ab. Deshalb würde der Tierhalter rückblickend sein Baukonzept leicht abändern, indem er vorne weniger Spaltenanteil einbauen würde als hinten.
Auch gilt es zu beachten, dass das Stroh die Spalten teilweise leicht verstopft, weil es sich nur schlecht durchtreten lässt. Zu Problemen führe es aber selten, so Schnider. Für ihn hat die eingestreute Fläche eine grosse Bedeutung: «Ein Stall mit Einstreu ist tierfreundlicher als ein nackter Betonboden. Auch die Konsumenten sehen es lieber.»

Bessere Fleischqualität seit dem Umbau
Schnider ist mit dem neuen System zufrieden. Seit dem Umbau ist es im Stall viel heller, da die Einrichtung heute mit dem Licht verläuft. Dieses wird im Unterschied zu früher nicht gebrochen. Das Verladen der Schweine ist in den grossen Gruppen etwas komplizierter. In den kleinen Buchten konnte er die Arbeit problemlos alleine verrichten. Heute braucht es dafür zwei Personen. «Mit dem neuen Haltungs- und Fütterungssystem können wir die Genetik unserer Schweine besser ausreizen. Dadurch erzielen wir eine höhere Fleischqualität», sagt Schnider. Die Tiergesundheit habe sich nicht verändert. Der Landwirt hatte bereits vor dem Umbau kaum gesundheitliche Probleme im Schweinestall. Der Tierhalter macht auf die Bodenheizung aufmerksam: «Seit wir die Heizung haben, erkälten sich die Tier nach dem Einstallen kaum mehr. Das spart Medikamente.»
Schnider empfiehlt das System einem Landwirt, für welchen das Tierwohl im Vordergrund steht. Und wichtig sei, dass er vom System überzeugt sei. Auch müsse er bereit sein, einmal pro Woche den Mist von der Liegefläche zu entfernen.

Fazit
Die Gruppenhaltung funktioniert sehr gut und ist tierfreundlich.
Der Arbeitsaufwand konnte vor allem dank der automatischen Fütterung verringert werden.
Mit idealer Raumplanung lässt sich verhindern, dass Mastplätze verloren gehen.
Nadine Maier

Teil 1: Josef Schnider

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Schlagworte

Schnider, Schweine, Umbau, x2005, Einrichtung, ausgedient, begann, Liegefläche, Mastplätze, Schweinestall

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