Schweinehaltung

ASP-Risikoampel Schweiz

Am 01. September 2020 hat die Universität Vechta zusammen mit der SUISAG die neu entwickelte ASP-Risikoampel Schweiz vorgestellt. Das ab sofort zur Verfügung stehende Online-Tool bietet Schweineproduzenten die kostenfreie Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bewerten zu lassen.

Am 01. September 2020 hat die Universität Vechta zusammen mit der SUISAG als Vertreter der Schweizer Schweinebranche und unter Mitwirkung des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Instituts für Virologie und Immunologie (IVI) im Rahmen einer Online-Tagung die neu entwickelte ASP-Risikoampel Schweiz vorgestellt. Das ab sofort zur Verfügung stehende Online-Tool bietet Schweineproduzenten die kostenfreie Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bewerten zu lassen. Dadurch können Landwirte noch besser Vorsorgemassnahmen zum Schutz des eigenen Schweinebestandes treffen, um so das Seucheneintragsrisiko weiter zu senken und für den Ernstfall besser gerüstet zu sein.

Herr Dr. Aepli und Frau Dr. Grabkowsky verdeutlichten die Notwendigkeit, das Risiko eines ASP-Eintrages auch in der Schweiz ernst zu nehmen. Herr Dr. Aepli sagte: „Ein Ausbruch von ASP hätte schwerwiegende ökonomische und strukturelle Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette in der Schweiz.“ Frau Dr. Grabkowsky betonte: „Landwirtschaftliche Betriebe tragen jetzt eine grosse Verantwortung. Daher sind betriebsindividuelle Vorsorgestrategien für jeden landwirtschaftlichen Betrieb von grosser Bedeutung.“

Vorfahrt für Biosicherheit gewährleisten

Prof. Dr. Franz Josef Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und Leiter des Instituts für Epidemiologie des FLI, erläuterte die jüngste Risikobewertung des FLI zur globalen ASP-Situation. „Das Risiko einer Einschleppung ist weiterhin hoch. Es gilt, wachsam zu bleiben.“ Er betonte, dass die gemeinsam erarbeitete Risikoampel eine auf die Eintragswege der ASP fokussierte Einschätzung gebe. „Die Verbesserung der Biosicherheit bietet eine gute Grundlage, um das Risiko eines Eintrags des ASP-Erregers zu senken und damit auch Bestandstötungen zu vermeiden.

Prof. Dr. Artur Summerfield, stellvertretender Institutsleiter des IVIs und Professor für Veterinärimmunologie an der Vetsuisse Fakultät Bern erläuterte den Sachstand zur Impfstoffentwicklung. Er betonte, dass bis Verfügbarkeit eines geeigneten Impfstoffes noch eine lange Zeit vergeht, in der uns nur die Biosicherheit als primäre präventive Massnahme zur Verfügung stehen wird. Dr. Stefanie Klausmann, Beratungstierärztin bei SUISAG SGD gab eine Übersicht zur Biosicherheitssituation der Schweizer Schweinehaltungsbetriebe. Die drohende ASP stellt insbesondere Auslaufhaltung und Direktvermarktung in den überwiegend familiär geführten Betrieben vor neue Herausforderungen. „Es gilt, jetzt die ruhige Zeit zur Abschirmung der Betriebe zu nutzen“, so Dr. Klausmann.

Projektleiterin Dr. Maria Gellermann, von der Universität Vechta, erläutert an der Online-Tagung die Funktionalität der neuen Risikoampel. Über ein Multiple-Choice-System beantworten die Landwirte die Fragen, wobei das Tool in einem zweistufigen Verfahren automatisch bewertet, wie stark jeder Aspekt das Risiko eines ASP-Eintrags verringert oder erhöht.

„Die Risikoampel beinhaltet je nach Betriebstyp maximal 118 Fragen, die den Bereichen Sicherung des Betriebs, Sicherung des Stalls und Arbeitsabläufe zugeordnet sind“, erläuterte Frau Dr. Gellermann. Besonderer Wert sei dabei auf Praxisrelevanz für die Landwirte gelegt worden. „Die ASP-Risikoampel versteht sich als komplementäres Tool zu allgemeinen Biosicherheitstools.“ Das Ergebnis ist ein nach Ampelfarben visualisiertes Ergebnis, das Auskunft über die erreichte Risikoklasse gibt“. – Dies hat einen ganz konkreten, praktischen Nutzen für den Landwirt: „In einer Optimierungsanalyse werden alle identifizierten Risikofaktoren gemäss ihrer Bedeutung aufgelistet. Daraus entsteht eine To-Do-Liste mit konkreten Massnahmen, welche im eigenen Betrieb umgesetzt werden können. Mit diesem Ampelsystem kann jeder Schweinehalter regelmässig prüfen, ob das eigene Biosicherheitskonzept den Betrieb in Bezug auf ASP noch optimal schützt.“

Das Projekt „ASP-Risikoampel Schweiz“ wurde von der Universität Vechta zusammen mit der SUISAG durchgeführt. Als Basis diente die ASP-Risikoampel Deutschland. Die wissenschaftliche Grundlage für die Gewichtung der Risikofaktoren hat eine Gruppe von 33 Experten aus der ganzen Schweiz (Wissenschaft, tierärztliche und landwirtschaftlicher Praxis, Tierhandel, SUISAG-SGD sowie Behördenvertreter) und 5 Experten aus Deutschland erarbeitet. Die dem SGD angeschlossenen Betriebe können die ASP-Risikoampel Schweiz über ihr Login unter www.suisag.ch aufrufen. Diese können, wenn gewünscht, im Rahmen des SGD-Beratungsbesuchs diskutiert werden und gemeinsam kann das weitere Vorgehen beschlossen werden. Zusätzlich kann die Risikobewertung auch für Nicht-SGD-Betriebe unter www.risikoampel.uni-vechta.de durchgeführt werden. Die Nutzung der ASP-Risikoampel Schweiz ist gebührenfrei. Am 22.09.2020 findet im Rahmen einer Online-Tagung „Die Einführung und Vorstellung der ASP-Risikoampel Schweiz für die Schweineproduzenten“ statt.