Munimast

Die Krux mit dem Tierwohl

Spalten mit Gummiauflage, Zweiflächenbuchten, nicht überdachter Auslauf – die Schweizer sind in Sachen Tierwohl weiter als die Deutschen. Aber wer honoriert den Munimästern die Mehrkosten? Nicht der Handel, auch nicht die Konsumenten. Diesbezüglich leiden die Mäster hier wie dort.

Klein strukturierte Landwirtschaft und eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt – beides ist in der Schweiz zu finden, und es werden besonders tierwohlfreundliche Haltungssysteme gefördert. Die Konsumentinnen und Konsumenten tun sich trotzdem schwer, für mehr Tierwohl an der Fleischtheke zu zahlen. Auch in Deutschland werden die Tierwohlstandards aktuell heiss diskutiert. Wir vergleichen die Gegebenheiten hier und dort:

QM-Schweizer Fleisch: Das Label des Schweizer Bauernverbandes ist mit QS in Deutschland zu vergleichen. Allerdings dürfen die Munis nach deutschem Standard auch in Einflächenbuchten auf Vollspalten ohne Gummiauflage oder in Tretmistställen stehen.

Zweiflächenbucht: Sie gliedert sich in einen planbefestigten Spaltenbereich und einen Liegebereich auf Stroh. Das System gibt es in beiden Ländern.

BTS und RAUS: Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme (BTS) und regelmässiger Auslauf im Freien (RAUS) bilden die höchste Tierwohlstufe in der Schweizer Rindermast. Die Beiträge für RAUS liegen für Tiere, die jünger sind als 160 Tage, bei 370 CHF pro GVE und Jahr; und bei Tieren über 160 Tage bei 190 CHF/GVE pro Jahr. Die Beiträge für BTS betragen 90 CHF/GVE pro Jahr für Tiere über 160 Tage. Oftmals finden die Labelprogramme aber nur geringen Absatz im Handel, und die Bauern bekommen für das Fleisch teilweise den gleichen Preis wie bei QM Schweizer Fleisch.

In Deutschland hat der Handel mit haltungsform.de sein eigenes Label geschaffen. Darin hat er Kriterien für vier verschiedene Haltungsformen entwickelt: QS wird in Haltungsform Stufe 1 sortiert. Haltungsform Stufe 2 bedeutet Stallhaltung Plus und gibt es für Mastbullen bisher nicht. In Haltungsform Stufe 3 mit Kontakt zum Aussenklima sind sieben verschiedene Logos zu finden. Stufe 4 entspricht bio.

Neben dem Handel plant die von der deutschen Regierung eingesetzte Borchert-Kommission den Umbau der Nutztierhaltung hin zu mehr Tierwohl und gesellschaftlicher Akzeptanz. Allerdings sind für die Rindermast noch keine konkreten Kriterien bekannt.

Hinzu kommt, dass einige Bundesländer, wie Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, eigene Leitlinien zur Haltung von Mastrindern entwickelt haben. Momentan gibt es in Deutschland keine harmonisierten Fördermassnahmen für Rindermäster.

In Deutschland sind, wie in der Schweiz, Fleischrassen besonders beliebt für die Mast. Allerdings sind Fleckviehmunis im Nachbarland etwa 18 bis 19 Monate alt, wenn sie geschlachtet werden, und damit älter als in der Schweiz. Das Schlachtgewicht liegt dann im Schnitt bei 430 bis 440 kg.

Hohe Preise für Fleisch

In der Schweiz werden Fleischigkeit und der Ausmastgrad mit dem CH-Tax-System bestimmt. Das europäische Klassifizierungssystem heisst EUROP. E entspricht C und beschreibt sehr vollfleischige Tiere. Umgekehrt ist X die tiefste Produktklasse (P). Je nach Einstufung der Schlachtkörper erfolgt die Bezahlung. Die Preise für Rindfleisch sind aktuell gut in Deutschland. Der Preis für R-Bullen liegt bei 4,36 €/kg Schlachtgewicht. Schweizer Munimäster erhalten für Munis (T3, Stand Mitte Oktober) etwa 10,40 CHF/kg. 

Reportage

Label vom Handel: «IP Suisse»

Den Mastmunis von...