Zitzenkondition

Die Melktechnik an die Zitze anpassen Plus

Niedrige Zellzahlen entscheiden maßgeblich darüber, wie wirtschaftlich Ihre Milchproduktion ist. Wir zeigen, wie Sie Veränderungen an den Zitzen erkennnen und deren Ursache finden.

Hohe Zellzahlen und häufige Euterentzündungen können Ihren Schlaf, Ihre Nerven und letztendlich eine Menge Milchgeld rauben.

Ein Hauptgrund für schwankende und erhöhte Milchzellgehalte sind Schädigungen der Zitzen und ihrer natürlichen Infektionsabwehrmechanismen. Sind Euter und Zitzen dann einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt, gelangen viele Erreger in das Euter und müssen von der Kuh durch Abwehrzellen bekämpft werden. Dadurch entsteht ein hoher Zellgehalt in der Milch.

Bei regelmäßig gutem Ausmelkgrad – auch der oberen Drüsenbereiche – und einem guten Allgemeinzustand der Kühe (Fütterung, Haltung, Klauen…) können diese in das Euter eindringende Erreger oft noch abwehren. Trotz höherem Zellgehalt muss es dann nicht unbedingt zu akuten Euterentzündungen kommen.

„Nie“ gibt es nicht

Weil es aber auch in den besten Betrieben für einzelne Kühe Phasen mit Stoffwechselproblemen, Stress oder anderen Belastungen geben kann, die das Immunsystem zeitweise beeinträchtigen, hat der Zustand der Zitzen eine entscheidende Bedeutung für die Eutergesundheit.

Zitzen haben sich so entwickelt, dass sie den Massagedruck der Zunge des saugenden Kalbes gut aushalten. Beim Melken arbeiten dagegen viel härtere Zitzengummis und belasten beim Zusammenfalten hauptsächlich die Zitzenspitzen. Für die Qualität der Melkarbeit ist deshalb entscheidend, ob es gelingt, trotz zügigen Melkens die funktionierende Infektionsbarriere der Zitzen zu erhalten.

In der Praxis ist zu beobachten, dass vor allem solche Zitzen in einem schlechten Zustand sind, die lange einer hohen mechanischen Belastung durch den Zitzengummischaft ausgesetzt sind. Das ist der Fall, wenn in der Entlastungsphase das zitzenendige Melkvakuum dauerhaft zu hoch (> 35 kPa) ist und die Phasenwechsel der Pulsatoren sehr kurz (< 120 ms) sind (Übersicht 1). Durch den so schnell entstehenden hohen Differenzdruck zieht sich der...