Aviäre Influenza

Frankreich: Neue Maßnahmen gegen die Vogelgrippe

In Frankreich will die Regierung Lehren aus dem letzten Seuchenzug ziehen und die Geflügelpest in Zukunft besser eindämmen. Auch die Ausnahme der Aufstallpflicht für kleine Bestände wird aufgehoben.

In Frankreich will die Regierung einen erneuten extremen Seuchenzug der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) vermeiden und daher gemeinsam mit den betroffenen Akteuren neue Wege gehen, um die Geflügelpest in Zukunft besser einzudämmen. Wie das Pariser Landwirtschaftsministerium in der vorvergangenen Woche mitteilte, wird die Ausnahme von der Aufstallpflicht für Betriebe mit weniger als 3 200 Tieren abgeschafft.

Stattdessen soll es in Abhängigkeit von der Infektionslage sowie der Art und Haltung verpflichtende Maßnahmen gegen den Kontakt mit Wildvögeln geben. Eingeführt werden sollen dem Ministerium zufolge auch eine Meldepflicht für alle Geflügelhaltungen und -transporte sowie ein Biosicherheitszertifikat. Ferner sollen Gebiete ausgewiesen werden, in denen die Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung der Geflügelpest besonders hoch ist. Hier soll während des Vogelzugs beziehungsweise im Seuchenfall die Anzahl der Mastenten verringert werden. Im landwirtschaftlichen Berufsstand wurden die Maßnahmen überwiegend akzeptiert.

Übertragung durch Wildtiere problematisch

Erneut wurden allerdings auch die Differenzen zwischen Kritikern und Verteidigern traditioneller Haltungsmethoden deutlich. Der französische Bauernverband (FNSEA), die Junglandwirteorganisation (JA) und der Fachverband der Geflügelhalter (CFA) begrüßten die Abschaffung der Ausnahmen von der Aufstallpflicht. Ein „großes Problem“ bleibe jedoch die Möglichkeit für bestimmte Halter, ihr Geflügel nur durch Netze zu schützen, so der Einwand der Verbände. Die kleinbäuerlich orientierte Confédération Paysanne (Conf‘) und der Verband der Familienunternehmen (MODEF) kritisierten hingegen, dass der Übertragung durch Wildtiere zu viel Bedeutung beigemessen werde. Der jüngste Seuchenzug der Geflügelpest in Frankreich hatte im November 2020 begonnen und sich vor allem auf den Südwesten des Landes konzentriert. Bis Anfang Mai wurden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums 492 Ausbrüche in gewerblichen und privaten Geflügelhaltungen registriert. Insgesamt seien etwa 3,5 Millionen Vögel, hauptsächlich Enten, auf behördliche Anweisung hin gekeult worden.