Tierhaltung

Kälberaufzucht an Ammen - eine Alternative?

Die ammengebundene Aufzucht findet bei Landwirten wachsendes Interesse. Bauer Gregor Blattmann berichtet von seiner Strategie und seinen Erfahrungen.

Funktioniert die Kälbermast an Ammen in der Milchviehhaltung überhaupt? Ja, wie das Beispiel von Gregor Blattmann aus Sihlbrugg (ZG) zeigt. Vor zehn Jahren zog er die ersten drei Kälber an einer Amme auf. Damals hatte er drei Jungtiere, die am Automaten nicht tranken. Aus diesem Grund liess er sie bei einer Kuh säugen. Bei der Schlachtauswertung der drei Kälber dann die grosse Überraschung: Die Zunahmen und der Ausmastgrad passten. Die an der Amme aufgezogenen Tiere standen den anderen in keiner Weise nach.

Ausserdem sei die ammengebundene Kälbermast und -aufzucht rentabler als die mit dem Tränkeautomaten. «Die Milch, die ich den Kälbern vertränke, könnte ich nicht in die Käserei liefern. Es handelt sich um Zweitklassmilch von amortisierten Kühen», so Blattmann. «Aus diesem Grund frage ich mich, weshalb diese Aufzuchtmethode noch nicht mehr Landwirte verfolgen.»
Er denkt sich, dass sich viele nichts darunter vorstellen können. Beim Kauf eines Tränkeautomaten erhalten die Landwirte eine Gebrauchsanweisung. Für die ammengebundene Aufzucht gibt es das nicht. Hier gilt:
«Learning by Doing.» Auch Blattmann musste aus seinen eigenen Erfahrungen lernen. Über seine Erfahrungen berichtet der Landwirt in der LANDfreund-Ausgabe 04/2018. >>kostenloses Probeheft bestellen!
Er sieht in diesem Betriebszweig eine Chance für konventionelle Betriebe mit tiefem Milchpreis.

Auch Adrian Huber setzt auf ammengebundene Kälberaufzucht. Er hält in seinem Anbindestall zehn Milchkühe. Sie versorgen pro Jahr 30 Mastkälber mit Milch. In der LANDfreund-Ausgabe 04/2018 erzählt der Biobauer, welche Rassen sich eignen und wie er zu günstigen Ammenkühen kommt. >> kostenloses Probeheft bestellen!

Coop sucht Biokälber aus Ammenaufzucht

Coop, eines der grössten Handelsunternehmen der Schweiz, fördert seit August 2017 die Biokälbermast an Müttern und Ammen. Derzeit beteiligen sich fünf Betriebe am Projekt. Der Detailhändler sucht weitere Knospe-Betriebe, die im Bestfall bereits Erfahrung mit der Kälbermast oder der ammengebundenen Aufzucht gemacht haben. Für die abgelieferten Tiere erhalten die Landwirte dieselben Preise wie beim Natura-Veal-Programm. Im der Kalenderwoche 25 bis 43 gilt ein Mindestpreis von 17.00 CHF/kg SG. Der ganzjährige Mindestpreis liegt bei 14.50 CHF/kg SG. Mit dem Projekt möchte sich Coop für hohe Tierwohlstandards einsetzen und eine möglichst natürliche Haltungsform der Jungtiere etablieren. Ab Seite 48 erfahren Sie mehr zur ammengebundenen Kälbermast.